Zum Inhalt springen
Inhalt

Leitung touchiert Piloten des Superpuma-Absturzes am Gotthard trifft keine Schuld

  • Die Piloten des 2016 beim Gotthard-Hospiz abgestürzten Superpumas der Armee trifft am Unglück keine Schuld.
  • Zu diesem Ergebnis kommt die Flugunfalluntersuchung der Militärjustiz, das Verfahren ist damit abgeschlossen.
  • Beim Unglück waren zwei Militärpiloten ums Leben gekommen, nachdem sie eine Freileitung touchiert hatten.
Legende: Video Aus dem Archiv: Die Armeeführung und Augenzeugen am Unglücksort abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
Aus 10vor10 vom 28.09.2016.

Die touchierte Leitung war laut dem Untersuchungsbericht des militärischen Untersuchungsrichters auf keiner Karte verzeichnet. «Es ist davon auszugehen, dass sie vorgängig von keinem Crewmitglied bemerkt wurde», heisst es in einer Mitteilung der Militärjustiz.

Die Crew agierte im Spielraum, den die geltenden Vorschriften den Piloten bezüglich Landungen in kabelverseuchtem Gebiet offenlässt.
Mitteilung der Militärjustiz

Obwohl sich der Helikopter in einem Gebiet mit vielen Freileitungen befand, kommt der Bericht zum Schluss, dass der Absturz weder den Piloten, noch dem Flughelfer vorgeworfen werden könne. Demnach seien die Flug- und Landevorbereitungen vorschriftsgemäss durchgeführt worden.

Das war das Drama auf dem Gotthard

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Das war das Drama auf dem Gotthard
Legende:Keystone

Der Super-Puma der Schweizer Armee war am 28. September 2016 kurz nach dem Start rund 50 Meter vom Gotthard-Hospiz entfernt abgestürzt. Er hatte eine Delegation der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit vier französischen Offizieren und mehreren Schweizer Begleitern zur Besichtigung einer militärische Anlage auf den Gotthard geflogen.

Bei einem 360-Grad-Überflug über das Landegebiet hatten sich die Piloten gemäss dem Untersuchungsbericht für einen alternativen Landeplatz südlich des Gotthard-Hospizes entschieden. Dort landete der Helikopter um 11:45 Uhr. Nachdem die Passagiere den Helikopter bei drehendem Rotor verlassen hatten, schloss der Loadmaster die Türen.

Notlandung war nicht mehr möglich

Danach stieg der Helikopter vertikal auf und die Piloten setzten zu einem Vorwärtsflug an. Rund acht Sekunden später berührten die Rotorblätter eine Freileitung, die gemäss Schlussbericht auf keiner Flughinderniskarte eingezeichnet war.

Durch die Kollision wurden die Rotorblätter so stark beschädigt, dass der Helikopter flug- und steuerunfähig wurde und die Piloten nicht mehr notlanden konnten. Etwa fünf Sekunden später stürzte der Helikopter ab. Die beiden Piloten konnten nur noch tot geborgen werden, der Loadmaster überlebte den Absturz verletzt. Der Helikopter wurde vollständig zerstört.

Vorschriften für Flugverfahren sollen auf den Prüfstand

Der Untersuchungsrichter empfiehlt jedoch zu prüfen, ob die geltenden Vorschriften zum An- und Abflugverfahren, insbesondere für «kabelverseuchtes» Gebiet, anzupassen seien. Ebenso solle geprüft werden, ob weitere Massnahmen zur Vermeidung von Kollisionen zu ergreifen seien.

Wrack des Helikopters
Legende: Der Armeehelikopter hatte vor dem Unglück ein französisches OSZE-Inspektionsteam beim Gotthard-Hospiz abgesetzt. Keystone

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Michael Ogi (TheDoctor)
    Die Beurteilung des Unfalls wurde durch Leute ausgeführt, die sich um einiges besser mit den Umständen des Absturzes auskennen. Ich habe aber eine andere Frage: Wenn die Leitung nicht eingezeichnet war, hat dann nicht jemand im VBS oder einer dem VBS angegliederten Stelle Mist gebaut? Das soll keine Anschuldigung sein, ich verstehe es nur gerade nicht. Piloten müssten doch entweder selber gut schauen, wo sie landen, oder das dem VBS angegliederte Swisstopo muss die genauen Karten liefern, nicht?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    War als Offizier oft mit dem Heli im Gotthardgebiet unterwegs und habe dort mit den Piloten zig Übungen und Landungen vorbereitet und besprochen. Insofern erstaunt das Urteil doch sehr: Die Stromleitung ist bei gutem Wetter sofort als solche erkennbar, es ist kein "loses Seil irgendwo in der Gebirgslandschaft". Weiter wird eine öffentliche Strasse sehr tief überflogen, es gibt en Gros loses Material bei den Häusern, Touristen spazieren herum, etc. Alles Gründe, dort auf keinen Fall zu landen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Harry Zartl (13121962)
    Das verstehe ich schon nicht ganz. Auch wenn die Stromleitung auf keiner Karte verzeichnet ist, muss jeder Pilot das Gelände danach absuchen. Eine 16000Volt Leitung hat 3 Kabel und Masten. Es ist kein feines Seil. Bei normaler Sicht müsste diese Leitung gut zu sehen sein. Dass das kein Fehler vom Piloten sein soll ist mir schleierhaft. Leider tragisch aber wahr. (War selber Pilot)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen