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Gastro-Lehrlinge büffeln im Lernenden-Hotel für die Prüfungen
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 09.02.2021.
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Lernende in der Krise Corona bringt Gastro-Lehrlinge um wertvolle Berufserfahrung

Restaurant geschlossen: Wegen Corona fehlt Gastro-Lehrlingen die praktische Erfahrung. Ein Projekt verspricht Abhilfe.

Den Gastronominnen und Gastronomen von morgen fehlt die Berufserfahrung. Weil die Restaurants und auch gewisse Hotels wegen der Corona-Massnahmen geschlossen haben, können Lernende nur unter erschwerten Bedingungen an ihrem Handwerk feilen.

Branche hat Problem erkannt

Für knapp zehn Prozent der Gastro-Lernenden ist die Situation besonders prekär. Sie bekommen momentan gar keine Ausbildung. Das zeigt eine Studie der ETH, welche jeden Monat die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Berufsbildung untersucht. Im Vergleich zu den Vormonaten habe sich die Situation im Januar noch verschlechtert und der Februar werde wahrscheinlich auch keine Verbesserung mit sich bringen.

Auch Lehrlinge im Verkauf und Einkauf betroffen

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Die Studie Lehrstellen Puls der ETH Zürich erscheint jeden Monat. Sie untersucht, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie auf die berufliche Grundbildung in der Schweiz hat. Demnach arbeiteten im Januar 25 Prozent der Lernenden zumindest teilweise im Home-Office und 1.6 Prozent erhielt gar keine Ausbildung im Betrieb. Besonders betroffen davon waren die Lernenden im Gastgewerbe und der Hotellerie, wo 9 Prozent keine praktische Ausbildung bekamen. Gefolgt von der Verkaufs- und Einkaufs-Branche, wo 5 Prozent der Lernenden nicht ausgebildet wurden.

Es haben sich im Januar 2021 rund 2500 Lehrbetriebe an der Befragung der ETH Zürich beteiligt. Zusammengerechnet bieten sie knapp 22'000 Lehrstellen in den verschiedensten Regionen der Schweiz und aus verschiedensten Berufsfeldern ab. Sie decken gut 2.7 Prozent aller Lehrbetriebe der Schweiz ab.

Die Branche hat das Problem erkannt und versucht mit verschiedenen Strategien entgegenzuwirken. Vorzeigebeispiel ist ein Projekt in der Stadt Luzern. Das Hotel «Wilden Mann» – das bis Ende Februar keine Gäste empfängt – ist momentan ausschliesslich für Lernende da. Angehende Köche und Serviceangestellte holen hier nach, was sie verpasst haben.

Tagesstruktur fehlt

«Gestern wurden Forellen filetiert, heute geräuchert und als Vorspeise serviert», erzählt Projektleiter Thomas Tellenbach. «Im Service trainieren wir die Weinkunde und üben den Mittagsservice.» Bedient würden andere Lernende, weil man momentan keine Gäste habe.

Sitzende Frau am Computer - daneben stehender Mann, der mit ihr spricht
Legende: Thomas Tellenbach (rechts) ist für das Lernenden-Projekt im Luzerner Traditions-Hotel «Wilden Mann» verantwortlich. SRF

Tellenbach merkt den Jugendlichen an, dass ihnen die Tagesstruktur und die kurzfristigen Ziele fehlen, welche der Restaurant- und Hotel-Alltag eigentlich bieten würde. «Sie wissen teilweise nicht, wie weiter, sind frustriert und moralisch am Boden. Wir wollen sie aus diesem Loch herausholen.»

«Ich bin richtig nervös»

Ein besonderer Schwerpunkt wird auf jene Lernenden gesetzt, die dieses Jahr ihre Abschlussprüfung haben. Es sei wichtig, dass sie trotz ausfallenden Arbeitstagen darauf vorbereitet seien. Deshalb haben die Lehrlinge aus dem letzten Lehrjahr auch Vorrang, wenn es um die Verteilung der 50 Plätze im Lernenden-Hotel geht.

Lorena Gappa in der Küche
Legende: «Ich bin richtig nervös»: Lorena Gappa schliesst diesen Frühling ihre Koch-Lehre ab. Im Hotel «Wilden Mann» kann sie nachholen, was sie an praktischer Erfahrung wegen der Corona-Massnahmen verpasst hat. SRF

Eine von ihnen ist Ramona Schnarwiler, Köchin im dritten Lehrjahr. Ihr Stammbetrieb ist seit längerem geschlossen. «Man verliert die Routine», sagt sie. Oder ihre Mitlernende Lorena Gappa: «Ich bin richtig nervös wegen der Prüfungen.» Beide sind froh, im «Wilden Mann» Berufserfahrung sammeln zu können, bevor es im Frühling an den Lehrabschluss geht.

Kein «Corona-Jahrgang»

Das Projekt ist sicher bis Ende April finanziert. Die Kosten betragen rund 275'000 Franken, finanziert vom Bund, den Kantonen, privaten Sponsoren und Verbänden. Die Dienststelle Beruf und Weiterbildung des Kantons Luzern bemüht sich zudem darum, auch jenen Lernenden eine Ersatz-Ausbildung zu vermitteln, die nicht im «Wilden Mann» untergekommen sind. Etwa in Hotels, die weiterhin geöffnet haben oder in Heimen und Spitälern.

Solche Massnahmen sind laut den Forschenden der ETH Zürich zwingend. In ihrem Rapport schreiben sie, ein «eigentlicher Corona-Jahrgang» müsse verhindert werden. Heisst: Dass allein der Abschlussjahrgang 2021 für künftige Arbeitgeber abschreckend wirken könnte, weil die Lernenden zu wenig Erfahrung sammeln konnten. Die Forschenden plädieren auch dafür, die Prüfungen genauso herausfordernd zu gestalten wie in anderen Jahren. Der Lehrabschluss soll seinen Wert halten.

SRF 1, Rendez-vous, 08.02.2021, 12:30 Uhr;

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Es sind viel mehr Lernende betroffen als nur Gastro- und Detailhandel. Der Bundesrat hatte entschieden, dass es 2020 keine Noten gibt. Somit sind viele im 2.Lehrjahr gelandet, die eigentlich im falschen Beruf steckten und jetzt ein Jahr verloren haben, welches Sie zur Neuorientierung hätten nutzen können. Homeoffice, Kurzarbeit und Schutzmassnahmen haben nur dabei geholfen, diese Zustände zu verbergen. Das Stigma Corona Jahrgang ist bereits Tatsache...
  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.E. haben Gastrolehrlinge in Alters&Pflegeheimen und Spitälern mit gutem Willen in Küchen und im Service jede Menge Möglichkeiten in der Praxis ihre Wissen zu beüben. Was es braucht ist gegenseitiges Entgegenkommen und Fantsie statt Jammern, es gibt hunderte solcher Institutionen in der Schweiz die Möglichkeiten für junge Lernende anbieten könnten, wenn sie denn wollten!
  • Kommentar von Samuel Diaz  (Dasku)
    Ich persönlich habe Glück, dass ich meine Koch Lehre in einem Kinderheim machen kann.
    Von meinen Mitlernenden kann ich leider nicht das Selbe behaupten.