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In fünf Jahren ist der Rohstoff aus den aktuellen Steinbrüchen erschöpft.
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 27.11.2020.
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Letzte Kalkfabrik der Schweiz Glarner stellen sich hinter ihre «Chalchi»

Seit 1900 wird in Netstal GL Kalk abgebaut. Gegen neue Abbaugebiete regte sich Widerstand.

Die Bevölkerung der Gemeinde Glarus hat die Ausbauabsichten der Kalkfabrik Netstal genehmigt. Damit kann die letzte Schweizer Kalkfabrik zwei neue Gebiete erschliessen, die es ihr ermöglichen, die nächsten 50 Jahre Kalk abzubauen. Gegen die Überbauungspläne war das Referendum ergriffen worden. Es wurde gefordert, dass die Nachhaltigkeit in diesem Zeitraum mit Zwischenzielen überprüft wird. Dabei ging es unter anderem um den CO2-Ausstoss der Firma.

Fest im Dorf verankert

«Wenn es am Dienstag um 17 Uhr geknallt hat, wusste man, dass wieder eine ganze Felswand in sich zusammenfällt», erinnert sich Kurt Meyer aus Netstal. Der 75-Jährige trat in den 60er-Jahren in Netstal eine Stelle als Lehrer an. Heute ist Meyer Stiftungsrat bei Pro Netstal, eine Stiftung, die sich dem Ortsbild und der Geschichte des Dorfes verschrieben hat.

Die Kalkfabrik mit den markanten Abbauterrassen im Berg am östlichen Dorfrand sei aus der Region nicht mehr wegzudenken, so Meyer. In den vergangenen Jahrzehnten hätten viele von der Netstaler «Chalchi» profitiert; auch er als Lehrer: «Sie haben Schulzimmer mit Computer und Drucker ausgerüstet.» Zudem sei die Kalkfabrik eine «hervorragende» Steuerzahlerin.

Ursprung Mitte des 19. Jahrhunderts

Wenige Jahre bevor Kurt Meyer in Netstal seine Lehrerstelle angetreten hat, hatte die Kalkfabrik Netstal AG damit begonnen, ihre Infrastruktur zu erneuern. Mit zusätzlichen Öfen und einer Sortier- und Verladeanlage konnte die Produktionsmenge ab den 60er-Jahren deutlich gesteigert werden.

Der Grundstein für die Fabrik wurde jedoch schon rund 100 Jahre zuvor gelegt. Bereits 1865 übernahm der Gründer der Fabrik, Melchior Zopfi, in Schwanden die Kalkbrennerei und das Ziegelwerk seines Vaters. Noch bevor die Lagerstätte in Schwanden erschöpft war, sah sich Zopfi nach weiteren Kalksteinvorkommen um.

1899 erhielt er die Konzession, um am «Elggis» Kalk abzubauen. Ein Jahr später wurde die Kalkfabrik in Betrieb genommen und bis 1918 wuchs die Belegschaft auf 125 Mitarbeitende an.

Abbau im Tagebau

Wer heute mit dem Auto von Netstal Richtung Glarus fährt, kann die «Chalchi» respektive deren Abbaugebiet kaum übersehen. Das Gestein wird im Tagebau abgebaut und die in die Felsen gesprengten Terrassen prägen das Landschaftsbild.

Die gelösten Gesteinsbrocken werden zerkleinert und in einem Brennofen auf rund 1'100 Grad erhitzt. Durch diesen Vorgang entsteht der sogenannte Branntkalk. Dieser wird anschliessen in diverse Feinheitsgrade gemahlen und weiterverarbeitet.

Gemäss eigenen Angaben ist die Kalkfabrik in Netstal die einzige Weisskalk-Produzentin der Schweiz. 65'000 Tonnen Kalkprodukte verlassen jährlich die Fabrik. Rund 50 Mitarbeitende arbeiten heute noch im Steinbruch.

Der Kalkfabrik geht in den nächsten Jahren jedoch der Rohstoff aus. Das Unternehmen will deshalb neue Abbaugebiete erschliessen und möchte in weiteren Bereichen am Elggis Kalk abbauen.

Wo wird der Kalk aus Netstal eingesetzt?

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Aus dem kalkhaltigen Gestein am Elggis werden in Netstal verschiedene Produkte hergestellt. Der Kalk kann als Bestandteil für Grundstoffe von Farben und Lacken, Klebstoff oder auch Glas eingesetzt werden. Doch auch in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie hat Kalk seinen festen Platz. Gemäss der Firmenwebseite der Kalkfabrik kann Kalk bei der Käseproduktion aber auch zum Entsäuern von Trinkwasser benutzt werden. Am bekanntesten dürfte der Einsatz von Kalk in der Baubranche sein; als Bestandteil von Kalksandsteinen oder von Beton und Asphalt.

Gegen die entsprechenden Überbauungspläne wurde jedoch das Referendum ergriffen. Die Gegner argumentieren, dass die Pläne der Kalkfabrik sowohl ökologische als auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen hätten. Konkret wird gefordert, dass die Erweiterung des Steinbruchs weniger gross ausfällt als geplant. Zudem soll die Gemeinde Glarus für den Kalkabbau finanziell besser entschädigt werden.

In den Augen der Verantwortlichen der Kalkfabrik Netstal AG ist die Erweiterung des Abbaugebietes entscheidend für den Fortbestand des Unternehmens.

An der Gemeindeversammlung der Gemeinde Glarus, zu welcher Netstal gehört, wurden die Ausbaupläne Ende November bewilligt.

Regionaljournal Ostschweiz; 17:30 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Unvermittelt erfährt man am Ende des Beitrags: Mit dene neue 2 Gebiet wäred si dänn für die nächschte 50 Jahr abgsicheret, en lange Zytruum, wos jetz drum gaht, d Weiche z stele. Man ist verwirrt - und erfährt im Begleittext, dass es um 2 weitere Abbaugebiete am Elggis gehe, allerdings ohne Karte. Und weiter, dass gegen die "entsprechenden Überbauungspläne" (eben noch ging es um Abbau) das Referendum ergriffen worden sei. Aha! Wurde da irrtümlich der Anfang des Radiobeitrags abgeschnitten?
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  • Kommentar von Willy Boller  (Willy Boller)
    Hätte SRF noch ein paar Stunden mit dieser Publikation zugewartet, wäre das Ergebnis der Gemeindeversammlung von Glarus bekannt gewesen. Die Stimmbürger/innen haben den neuen Abbauplänen nämlich mit grossem Mehr zugestimmt. Die einzige Weisskalk-Produzentin der Schweiz kann also nach wie vor weiter produzieren.
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  • Kommentar von thomas guggisber  (top)
    Aus Kalk werden wunderbare gesunde und ,natürliche Farben,Verputze und Mörtel hergestellt,es wird für ein schönes Leben in Zukunft noch viel mehr Kalk brauchen von hoffentlich vielmehr Kalköfen in der ganzen Schweiz .
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