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Schweiz Leuthard zum Klimaschutz: Staaten müssen nun handeln

Bundesrätin Doris Leuthard sieht die Schweizer Klimaschutzziele durch den kürzlich veröffentlichten Weltklimabericht bestätigt. Sie kündigte an, mit «ambitiösen Zielen» in die internationalen Verhandlungen für ein verbindliches Klima-Abkommen einzusteigen.

Legende: Video Weltklima-Rat stellt in Bern neusten Bericht vor abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.11.2014.

Der Weltklimarat (IPCC) hatte am Sonntag die Zusammenfassung seiner drei jüngsten Berichte zum Klimawandel vorgestellt. Für den Synthesebericht werteten mehr als 830 Leitautoren und weitere Forscher 30'000 wissenschaftliche Arbeiten aus.

Leuthard und Stocker
Legende: Thomas Stocker präsentierte in Bern die Ergebnisse des IPCC-Syntheseberichts. SRF

Über den genauen Wortlaut wichtiger Kernaussagen hatten Wissenschaftler und Regierungsvertreter eine Woche lang beraten. «Alle Regierungen stehen hinter dem Bericht», sagte Thomas Stocker, Mitverfasser des ersten Teilberichts, bei der Präsentation der wichtigsten Ergebnisse des Berichts an der Universität Bern.

Dass es zu einer Einigung gekommen sei, sei nicht selbstverständlich, sagte Umweltministerin Leuthard. Der Bericht stelle eine solide wissenschaftliche Basis dar, die es ermögliche, in der politischen Debatte zum Klimaschutz «Klartext zu reden». Verweise auf hohe Kosten und negative Folgen für die Wirtschaft seien «Ausreden, die nicht mehr akzeptiert werden dürfen».

Noch keine Vorgaben für Zeit nach 2020

Wie Leuthard mitteilte, bestätigt der IPCC-Bericht die Klimapolitik des Bundesrates. Derzeit ist im CO2-Gesetz eine Reduktion des Treibhausgas-Ausstosses von 20 Prozent bis 2020 festgelegt. Gemäss IPCC sollen die Klima-Gase bis 2050 um 40 bis 70 Prozent reduziert werden.

«Das ist ein Durchschnittswert den der IPCC fordert», sagte Leuthard gegenüber der «Tagesschau». «In der Schweiz stehen wir schon sehr gut da. Wir sind Mitglied des Kyoto-I-Protokolls und machen mit beim Kyoto-II-Protokoll. Das heisst, wir haben uns auch bis 2020 verpflichtet, zu reduzieren. Und auch nach 2020 wird sich der Bundesrat ambitiös zeigen.»

«Die Schweizer haben nach wie vor Autos die relativ viel Benzin und Diesel konsumieren. Da haben wir noch etwas vor uns. Bei den Gebäudeprogrammen, dem Ersatz von Ölheizungen, sind wir auf dem Weg. Da gibt es aber noch Potenzial. Deshalb braucht es Zeit und Engagement.»

Legende: Video Konsequenzen des Klimawandels für die Schweiz abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.11.2014.

EU will um 40 Prozent reduzieren

Bisher hat die Schweiz die Ziele noch nicht an konkreten Zahlen festgemacht – und dies von den Entscheiden anderer Industrieländer abhängig gemacht.

Erst Ende Oktober vereinbarten die 28 EU-Staats- und Regierungschefs nach zähen Verhandlungen neue Klimaschutzziele. Sie einigten sich unter anderem auf eine Reduktion des CO2-Ausstosses bis 2030 um 40 Prozent gegenüber dem Wert von 1990.

Die Übernahme dieser Messlatte hält Leuthard aber nicht für sinnvoll: «Wir haben nie ein exaktes Prozentziel übernommen, denn die EU startet auf einem viel höheren Niveau.» So seien die CO2-Emissionen pro Kopf in der EU über zwei Tonnen höher als in der Schweiz.

Vorbereitung auf Gipfel in Paris

Der Weltklimarat IPCC hatte mit der Zusammenfassung seiner drei jüngsten Berichte zum schnellen Handeln im Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. Die Veränderungen seien vom Menschen verursacht und würden sich weiter beschleunigen. Der scheidende IPCC-Chef Rajendra Pachauri betonte aber in Bern: «Die gute Nachricht ist: Der Klimawandel kann aufgehalten werden.»

Um die IPCC-Ziele zu erreichen, erwartet Pachauri viel von der Schweiz. «Ich hoffe, dass die Schweiz eine der führenden Nationen sein wird, die uns den Weg aufzeigen wird», sagte er der «Tagesschau». «Die Schweiz ist eine Nation mit viel Innovation und die sich global in vielen Bereichen stark verpflichtet. Ich hoffe, dass die Schweiz auch im Kampf gegen den Klimawandel führen wird.»

Der Synthesebericht wurde noch vor einem Treffen in Lima von kommendem Monat veröffentlicht, das den Weg zu einem neuen verbindlichen Abkommen beim Weltklimagipfel in Paris nächstes Jahr ebnen soll.

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40 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Es betrifft einem halt weniger,wenn man alles auf globale Ebene abschieben kann!Ökoprobleme sind nicht globaler,sondern lokaler Natur,wirken sich nur ab gewissem Ausmass global aus.Menschl.Massenreproduktion,Urwaldabholzung,anwachsender Strassen-+Flugverkehrs,ebensolcher Fleischverzehr samt dazugehörigem Methanausstoss(20x gefährlicher als CO2,weltweite Vernichtung aller Lebensräume u.damit auch die Existenz jährl.10'000er Zahnrädchen des gesamten ausgeklügelten Ökosystems usw.Deshalb ja zur EI!
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  • Kommentar von Sascha Freitag, Thurgau
    Zuerst müssen die Ressourcen vernünftig eingesetzt werden, dann wird optimiert. Alles was mit dem globalen Wahnsinn zu tun hat gleich wieder abschaffen. Dazu gehören EU, Freihandelsabkommen, internationale Konzerne... Jeder bleibt da wo er ist, produziert und verbraucht lokal. Technische Fortschritte werden im Lizenzmodell an Produzenten aus anderen Ländern verkauft. Damit hat jedes Land eine gesunde Wirtschaft, Arbeit und Essen für alle, keine Steuerschlupflöcher über Grenzen...Wer macht mit?!
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  • Kommentar von Rolf Künzi, Winterthur
    Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer. Was für ein Hammerfilm für viele unserer Sackgassen. " Wachstum was nun" ich hoffe so sehr Das Schweizer Fernsehen kauft die Rechte von ARTE.
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