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Impfstreit der Kantone
Aus 10 vor 10 vom 28.01.2021.
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Lieferengpässe bei Impfdosen Was passiert, wenn die zweite Dosis nicht rechtzeitig erfolgt

Die Impfdosen gegen Corona können nicht mehr überall zuverlässig geliefert werden. In einigen Kantonen ist es deshalb bereits zu Engpässen gekommen. Im Tessin müssen notwendige Impfungen verschoben werden. Dem Kanton Nidwalden fehlen Impfungen, um fristgerecht Zweitimpfungen durchzuführen und auch in Uri müssen Impfwillige zuwarten.

Basel drosselt Impftempo

Im Tessin können die über 75-Jährigen erst ab Ende Februar wieder geimpft werden. Der Kanton Nidwalden hat bei anderen Kantonen um Covid-19-Impfungen angeklopft, um fristgerechte Zweitimpfungen sicherzustellen. Auch im Kanton Uri fehlen Kontingente in den Hausarztpraxen.

Der Kanton Basel-Stadt hat das Impftempo gedrosselt, um die Zweitimpfungen sicherzustellen, wie es auf Anfrage von SRF News heisst. Der Bund habe für die Woche vom 7. Februar weitere Impfdosen zugesichert. Sonst müsse man über die Bücher.

Das Hauptproblem ist, dass jeweils zwei Impfdosen verabreicht werden müssen – und zwischen diesen nicht zu viel Zeit liegen darf. SRF-Wissenschaftsredaktor Daniel Theis erklärt, was passiert, wenn die zweite Impfung nicht innert nützlicher Frist erfolgt, sondern zu spät.

Daniel Theis

Daniel Theis

SRF-Wissenschaftsredaktor

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Daniel Theis ist promovierter Atmosphärenchemiker und Mikrobiologe. Seine Spezialgebiete sind Energiethemen, Mobilität und technische Entwicklungen. Er arbeitet seit 2013 in der SRF-Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Wenn einige Kantone infolge von Lieferengpässen den Patienten die zweite Impfdosis nicht rechtzeitig verabreichen können, was passiert dann?

Daniel Theis: Es kann sein, dass der Patient dann nicht mehr geschützt ist durch die erste Impfung. Für die mRNA-Impfungen von Moderna und Pfizer/Biontech gibt es keine Daten, was geschieht, wenn die zweite Dosis verzögert wird, es wäre also ein Blindflug. Es gibt Hinweise, dass die Immunabwehr nach ein paar Wochen wieder schlechter werden könnte bei diesen Impfstoffen. Erst mit der 2. Dosis, der sogenannten «Booster-Dosis» kommt das Immunsystem dann so richtig in Schwung. Trotzdem, bereits die erste Dosis bietet nach rund 2 Wochen einen recht guten Impfschutz (Moderna spricht von rund 80 Prozent).

Beim Impfstoff von AstraZeneca, der wohl in Kürze zugelassen wird, verhält sich das aber möglicherweise anders. Dort gibt es Hinweise, dass der Impfschutz besser wird, wenn man länger wartet mit der zweiten Dosis. Dazu gibt es auch Daten, denn einige Probanden haben die zweite Dosis erst nach zwölf Wochen erhalten.

Was passiert genau im Körper bei der ersten Impfung, und was verändert sich bei der zweiten? Gibt es einen genauen Zeitpunkt, ab dem sich Antikörper bilden?

Die Reaktion des Körpers erfolgt rasch auf fremde Substanzen. Doch ist sie zuerst nur schwach, wenn der Körper einen neuen Eindringling noch nicht kennt. Es braucht eine gewisse Zeit, bis über komplizierte Prozesse die sogenannte adaptive Immunantwort zu laufen beginnt. Dabei werden Antikörper produziert, das sind Eiweisse (Proteine), die sich an den Eindringling, also den Impfstoff binden können und ihn damit einerseits behindern, aber gleichzeitig auch fürs Immunsystem markieren.

Das Virus – im Fall der Impfung die Virenbestandteile – werden so gewissermassen «zum Abschuss» freigeben. Solche Antikörper entstehen in den ersten zwei Wochen in einer solchen Zahl, dass bei den meisten Menschen eine Infektion vermieden wird. Doch damit der Impfschutz wirklich richtig greift, braucht es einen erneuten Kontakt mit Impfstoff. Dieser aktiviert in einer zweiten Phase dann vor allem die sogenannten T-Zellen, die für einen längerfristigen Schutz sorgen.

Könnten die Lieferengpässe dazu führen, dass die zweite Impfung so weit hinausgezögert wird, dass man von vorne beginnen müsste?

Das ist nicht anzunehmen. Doch wie erwähnt, ist dies bei den mRNA-Impfstoffen nicht ausgetestet. Die meisten Zulassungsbehörden haben sich deshalb auch entschieden, dass die zweite Dosis nicht verzögert werden soll. Falls es aufgrund logistischer Probleme doch dazu kommen sollte, dass die drei, beziehungsweise vier Wochen nicht eingehalten werden können, wird es wohl nicht sofort problematisch werden.

Es ist möglich, dass ab einem gewissen Zeitpunkt der Impfschutz wieder rapide abnimmt, aber ob das tatsächlich der Fall ist, kann man heute noch nicht sagen. Zu neu ist die Technik mit den mRNA-Impfstoffen.

10 vor 10, 21.50 Uhr, 28.01.2021;

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Meuri  (hmeuri)
    "Wir können Corona" oder besser gesagt, nach soviel Hochmut kommt jetzt der tiefe Fall.

    In jedem Krisenstab muss man in Szenarien denken und dabei auch den WorstCase mit einbeziehen. Im Fall der Impfung heisst das, dass man z.B. auch einen Brand in einer Produktionsstätte bei der Planung der Impfungen mit berücksichtigen muss.

    Wir haben den BR und die TF, aber wo ist eigentlich der Krisenstab der solche Überlegungen machen würde?
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Beim Impfen geht das gleiche ab wie bei den Masken vor einem Jahr. Anstatt einfach und klar zu sagen, wir sind noch nicht bereit oder wir haben noch zu wenig Impfstoff wir um den Brei herum geredet. Ich bin über 80 und habe mich für die Impfung angemeldet. Was nützt mir das Geschwaffel? Ich werde mich vermutlich noch ein paar Wochen gedulden müssen - das ist die Realität.
  • Kommentar von Jugo Perren  (PJ)
    Nun kommen die Impfweltmeister Kantone in den Zugzwang.
    Du kannst dich nie auf einen Lieferanten verlassen. Dies habe ich in meiner Karriere gelernt. Darum immer eine Reserve haben.
    Auf die Frontseite der Zeitungen auf Kosten der Bevölkerung.
    Darum diese Kantone, die eine Reserve für die 2. Impfung haben, schneiden besser ab.