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Corona: Schutzkonzepte des Sexgewerbes
Aus Tagesschau vom 30.05.2020.
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Lockerung in der Erotikbranche Wiedereröffnung ohne Küssen und Schmusen

Es war lange ganz unten auf der Liste der Lockerungsschritte: das Erotikgewerbe. Beratungsstellen kritisierten das scharf und forderten eine schnelle Aufhebung des Berufsverbotes für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. Sonst würde das Geschäft in die Illegalität abrutschen. Das hätte negative Auswirkungen für die Sexarbeitenden, aber auch für die allgemeine Gesundheitssituation. Die Illegalität führe dazu, dass Sexarbeitende ihre Rechte kaum einfordern und somit auch Schutzmassnahmen nicht umsetzen können, erklärt Christa Ammann von der Fachstelle Sexarbeit Xenia.

Bordell an der Häringstrasse in Zürich (2011)
Legende: Kunden wieder erlaubt: Ab dem 6. Juni sind die Bordelle für Freier wieder offen. Keystone

Klare Schutzkonzepte

Seit dieser Woche ist klar: erotische Dienstleistungen sind ab dem 6. Juni wieder erlaubt – mit Schutzkonzept. Die Hygienemassnahmen seien denjenigen von Coiffeursalons, Massagepraxen oder Tattoostudios ähnlich, sagt Ammann. Einige Anpassungen braucht es aber natürlich. Die Fachstelle Xenia hat zusammen mit Prokore, dem nationalen Zusammenschluss von Beratungsstellen für Sexarbeit, ein Schutzkonzept entwickelt. Ein zweites, inhaltlich ähnliches Konzept stammt aus der Romandie, von der Organisation Demi-Mondaine. Das BAG teilt nur mit, dass eines der beiden Konzepte umgesetzt werden müsse.

Sonst muss der Kunde direkt wieder gehen.
Autor: LisaEscort

Die Escortdame Lisa ist bereit ihre Arbeit auch mit Einschränkungen wieder aufzunehmen. Nicht nur das Händedesinfizieren gehört zum Pflichtprogramm: Jeder Kunde wird zuerst in die Dusche geschickt. Während der ganzen restlichen Zeit bleibt die Schutzmaske auf. «Sonst muss der Kunde direkt wieder gehen.», macht Lisa klar. Hier geht sie noch weiter als die Schutzkonzepte, die Masken nur in speziellen Situationen empfehlen. Zudem sind Oralverkehr, Küssen und Schmusen für die nächste Zeit gestrichen. Auch auf gewisse Stellungen muss verzichtet werden, so dass die Gesichter immer möglichst weit weg voneinander seien. Die Daten der Kundinnen und Kunden müssen zwei Wochen aufbewahrt werden. So will es die Covid-Verordnung.

Fehlende Unterstützung

Lisa freut sich auf die Wiedereröffnung. Denn die letzten drei Monate haben sie in existentielle Nöte getrieben. «Es war die Hölle. Auf einmal hatte ich keinerlei Einkommen mehr und bis jetzt habe ich keine Unterstützung erhalten.». Jetzt müsse sie erst mal drei Monate Miete und Krankenkasse nachzahlen.

Es war die Hölle. Auf einmal hatte ich keinerlei Einkommen mehr.
Autor: LisaEscort

Selbständige Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter haben Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz. Denn der Staat hat ihr Geschäft geschlossen. Auch Lisa hat Anspruch auf diese Unterstützung. Ihre B-Bewilligung ist aber im April ausgelaufen. Der Antrag auf Erneuerung wurde noch nicht bearbeitet. Daher erhielt sie bis heute noch keine finanzielle Unterstützung.

Ammann von der Beratungsstelle Xenia weist zudem daraufhin, dass anfänglich wohl noch weniger Kundinnen und Kunden kommen werden – auch wegen der Einschränkungen. Daher müsse der Erwerbsersatz noch mindestens bis Ende Juni weiterbezahlt werden. Doch viele fallen auch hier durch alle Netze: Sans-Papiers und EU-Angehörige, die nur 90 Tage hier arbeiten und so keine Bewilligung brauchen, haben keinen Anspruch auf Unterstützung. Für sie fordert Ammann einen Unterstützungsfonds.

Tagesschau, 30.05.2020; 19:30 Uhr

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Simon Mathys  (Simon Mathys)
    Ich finde in dieser Diskussion einen Aspekt wichtig. Die einzige relevante Frage hier ist, wie die epidemiologischen Auswirkungen sind. Diese Situation darf nicht dazu missbraucht werden, um eine (moralische) Grundsatzdiskussion über die Prostitution zu führen. Klar ist natürlich, dass in Bordellen Social Distancing nicht eingehalten werden kann. In dem Sinne ist es natürlich nicht unproblematisch. Discos sins aber hier deutlich gefährlicher, weil sich da auf einmal viele Menschen nahe kommen.
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    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Sollten denn aber die epidemiologischen Auswirkungen eine moralische Grundsatzdiskussion anregen, ob die Schutzkonzepte weiterhin angemessen sind und noch, wie nach wie vor im Aussicht gestellt, wieder verschärft werden sollten? Oder entscheiden das die Behörden für die nächsten Jahre situativ, nach Gutdünken? Z. B. Polizeistunde on-off, jeder zweite Tisch in Restaurants gesperrt on-off je nach Bedarf und was gerade angezeigt erscheint, wer drunter kommt hat Pech gehabt oder halt nicht gespart?
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Freude herrscht, dass die elementaren Bedürfnissen der Herren nun wieder befriedigt werden können. Ich frage mich einfach, wie die Akt unter diesen Umständen vor sich geht. Ohne Schmusen und Küssen ist es für die meisten von uns Frauen ziemlich lieblos, aber gerade im Sexgewerbe offenbart sich in dieser Methode der ausnutzerische Charakter vom bezahlten Sex: Zahlen, Bang, Tschüss. Man muss ziemlich gefühlsarm sein, um dies nicht so zu sehen.
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    1. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Bitte schreiben Sie nicht von "uns oder wir", Sie sind nicht meine Sprecherin. Von Zuhältern unterdrückte Frauen gibt es, aber das ist eine kleine Minderheit. Prostitution ist das älteste Gewerbe, zurecht.
      Es gibt sehr wohl lustvollen Sex ohne Beziehung, gerade bei den sogenannten "One Night Stand" ohne weiteren Folgen. Die Frauen haben es da leichter an einen Mann zu kommen als umgekehrt. Solange der Sex einvernehmlich ist, haben Dritte kein Recht ihre Moralvorstellungen vorzuschreiben.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Helmers, im Artikel geht es um Prostitution, nicht um one night stand. Ich hoffe schon, dass man den Unterschied erkennt. Ich habe den Artikel kommentiert.
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    3. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Übrigens, aus Single-Frauen besuchen Swinger-Clubs.
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    4. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Prositution hat viele Gesichter, z.B. junge schöne mittellose Frau heiratet wesentlich älteren vermögenden Mann. Bekannt als "Welt der Schönen und der Reichen". Die eine Frau bietet ihre Dienste für eine kurze Zeit an, die andere über einen längeren Zeitraum. Wo ist der Unterschied? Was mich stört, dass Sie jeden Freier indirekt als Unhold hinstellen, aber ein netter Mann bleibt ein netter Mann. Und die Frau kann den Freier auch ablehnen. Doch, auch bezahlter Sex kann für beide schön sein.
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  • Kommentar von Cornelia Marthaler  (Cornelia Marthaler)
    Man könnte denken, dass ein Grossteil der Bevölkerung in dieser einen Branche arbeitet oder verkehrt, in Anbetracht des Raumes, das die Berichterstattung dem Thema einräumt. Natürlich generieren die Titel und Bilder dazu Aufmerksamkeit und Clicks, doch muss wirklich jedes Medium zur "Sensationspresse" verkommen?
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    1. Antwort von Fabian Sefolosha  (Fabian Sefolosha)
      Dass man meinen könnte, dass ein Grossteil der Bevölkerung in dieser Branche verkehrt, kommt daher, weil es so ist.
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