Das Luzerner Löwendenkmal erinnert an Hunderte Schweizer Söldner, die während des Tuileriensturms in Paris am 10. August 1792 starben. Sie starben, als sie den König vor dem revolutionären Franzosen schützen wollten. Das Denkmal selbst steht seit 1821 und feiert im August sein 200-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass hat die Stadt Luzern neue Informationstafeln aufgestellt, welche die aktuellen historischen Erkenntnisse abbilden. Die Geschichte des Denkmals ist nämlich umstrittener, als seine weltweite Popularität vermuten lässt.
Der Tuileriensturm gilt als eines der wichtigsten Ereignisse der Französischen Revolution. Die Bevölkerung stürmte da den Palast des Königs, um ihn definitiv abzusetzen. Denn: Frankreich hatte zu diesem Zeitpunkt zwar bereits ein Parlament, doch Louis XVI und seine Gattin Marie-Antoinette besassen nach wie vor politischen Einfluss. Die Revolutionäre versuchten zunächst, die Königsfamilie auf politischem Weg abzusetzen – als sich dies jedoch als ausweglos erwies, griffen sie zur Gewalt.
Schweizergarde zog den Hass auf sich
Die einzigen Bewaffneten, die den König noch verteidigten, waren die rund 900 Söldner der Schweizergarde. Ihnen gegenüber standen mehrere zehntausend Revolutionäre. Trotz dieser aussichtslosen Lage kämpften Hunderte Schweizergardisten bis zum Tod. Laut zeitgenössischen Berichten wurden sie regelrecht niedergemetzelt, weil sie als loyale Royalisten zum Ventil für den Hass auf den König wurden.
Wie viele Schweizer genau starben, bleibt unklar, die Zahl variiert je nach Quelle. Unter dem Löwendenkmal selbst steht, dass es über 700 waren. Dies ist jedoch überhöht, wie der Luzerner Historiker Jürg Stadelmann schreibt. Laut seinen Erkenntnissen liessen 300 bis 350 Gardisten in Paris ihr Leben.
Ein Denkmal für Monarchie-Treue
Die Idee, den Getöteten ein Denkmal zu errichten, geht auf Carl Pfyffer zurück. Er war selbst ein Offizier der Schweizergarde, zur Zeit des Tuileriensturms jedoch auf Urlaub. Mit der Verwirklichung der Idee musste er sich gedulden, da die Schweiz von 1798 bis 1815 unter dem Einfluss Napoleons stand und deshalb alles Monarchie-Treue nicht gern gesehen wurde.
Nach Napoleons Herrschaft konnte Pfyffer mit dem Geldsammeln beginnen. Unterstützung bekam er unter anderem von europäischen Fürsten und Königshäusern. Die Symbolik des Monuments als Denkstätte der Opfer für die Monarchie übte eine grosse Anziehungskraft auf sie aus. Die europäische Aristokratie reiste denn auch zahlreich zur Eröffnung des Löwendenkmals am 10. August 1821 an.
Denkmal für Söldnerhandel allgemein
Als Monument für die Aristokratie ist das Löwendenkmal seit seiner Entstehung auch umstritten. Historiker Jürg Stadelmann etwa weist auf die Gravur unter dem Denkmal hin, die einzig die Namen der gefallenen Offiziere aufgeführt. Die einfachen Söldner werden nirgends namentlich erwähnt. Der Historiker hat den Luzerner Löwen auch schon einen «Propagandaort» für den Söldnerhandel genannt.
Stadelmann schlägt deshalb vor, den Löwen auch als Denkstätte für die gesamte Geschichte des Schweizer Söldnerwesens zu verstehen. Dass junge Männer aus der Schweiz während rund 500 Jahren in fremde Kriege zogen und ein paar wenige Familien viel Geld damit verdienten.