Lokführer übersah offenbar Rotlicht

Nach der Medienkonferenz zum Zugunglück in der Waadt zeichnet sich eine erste These zur Unfallursache ab: Ein Lokführer hat wahrscheinlich ein Rotlicht übersehen. Trotz verschiedener Vorfälle im Bahnnetz: SBB-Chef Andreas Meyer kann kein Sicherheitsproblem erkennen.

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«Wir haben kein Sicherheitsproblem», sagt der SBB-Chef

0:25 min, vom 30.7.2013

Noch ist nicht abschliessend geklärt, wie es zu dem Unfall 200 Meter vor Granges-près-Marnand kam. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat der aus Payerne kommende Zug möglicherweise die Lichtsignale nicht beachtet. Dies ist die Hauptthese der Untersuchung, wie Christophe Sauterel erklärte.

Der Sprecher der Waadtländer Kantonspolizei ergänzte zudem, dass der Lokführer des aus Payerne kommenden Zuges noch eine Vollbremsung einleiten konnte. Dem 54-Jährigen gelang es auch, den Führerstand vor der Kollision zu verlassen.

Lokführer war auf der Stelle tot

An der kurzfristig einberufenen Medienkonferenz wurde auch über den anderen Lokführer informiert. Der 24-Jährige sass in der Führerkabine des Zuges aus Lausanne und war auf der Stelle tot. Der gebürtige Franzose wohnte in Payerne (VD).

Der Zug, in dem der getötete Lokführer war, wurde um 8 Meter zusammengeknautscht. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich dort noch ein Opfer befindet. Insgesamt wurden 25 Fahrgäste verletzt, drei davon befinden sich noch in Spitalpflege. Noch am Montagabend hatten die Behörden von 35 Verletzten gesprochen.

Die beiden Züge werden derzeit von Experten untersucht. Danach sollen sie ins SBB-Werk in Yverdon abgeschleppt werden.

Meyer sehr betroffen

SBB-Chef Andreas Meyer sprach der Familie des toten Zugführers erneut sein aufrichtiges Beileid aus. Zusätzlich entschuldigte er sich bei allen betroffenen Reisenden. «Wir werden alles tun um ihnen zu helfen und sie zu begleiten.» Die ganze SBB sei sehr betroffen über dieses Unglück.

SBB-Chef Meyer zum Signalausbau

0:46 min, vom 30.7.2013

Der Unfallhergang müsse zuerst genau abgeklärt werden, erst danach würden die notwendigen Konsequenzen gezogen, hielt Meyer fest. Um die Sicherheit auf ein ganz hohes Niveau zu bringen, brauche es das System ETCS 2. Dies würde ungefähr zehn Jahre dauern und rund zwei Milliarden Franken kosten.

Auf der betroffenen Strecke war das Zugssicherungssystem Signum eingerichtet. Das Stellwerk stammt aus dem Jahr 1958. Signum funktioniert so, dass es den Zug bremst, wenn ein Zug ein Signal überfährt – nicht vorher. Es war aktuell nicht geplant, dass diese Strecke mit ECTS ausgerüstet wird.

Sicherheit als neues Konzernziel

Grundsätzliche Sicherheitsbedenken lässt Meyer nicht gelten. «Wir haben kein grosses Sicherheitsproblem.» Die Sicherheit stehe im Zentrum der neuen Konzernziele. Der jüngste Unfall stehe auch nicht im Zusammenhang mit der Netzauslastung. «Hier wird morgens und abends zwei Mal gekreuzt.» Für Meyer ist dieser Unfall mit der Kollision in Neuhausen am Rheinfall im Januar vergleichbar. Auch dort ging es um die Zugsicherung.

Der SBB-Chef sprach auch die wiederholten Zugausfälle im Zürcher Regionalnetz der letzten Wochen an. Zugsicherung sei in Zürich kein Thema. Im Raum Zürich werde unter Vollbetrieb ein neuer Bahnhof gebaut. Da müsse tatsächlich zwischen Netzauslastung und Pünktlichkeit abgewogen werden. «Aber nicht bei der Sicherheit.» Leider lasse sich beim Eisenbahnbetrieb das Risiko nicht auf Null reduzieren.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Ungenügende Zugsicherung?

    Aus Tagesschau vom 30.7.2013

    An der Stelle, wo der Zug in Granges-près-Marnand (VD) verunglückt ist, gab es eine Zugsicherung, ein System mit dem Namen Signum. Doch diese Sicherung hat offensichtlich nicht gegriffen. Sie sei veraltet, sagt der Spezialist der ETH.