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Wohin fliesst das Lotteriegeld?
Aus Rundschau vom 08.01.2020.
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Lotteriefonds-Auswertung Vor allem Grossinstitutionen profitieren

Eine Auswertung der gemeinnützigen Lotteriefonds zeigt: Viel Geld fliesst an Grossinstitutionen. Das hat Gründe.

Über 300 Millionen Franken können die Kantone jedes Jahr aus den Lotteriefonds verteilen. Der Glücksspielgewinn soll so gemeinnützigen Projekten zukommen. Doch wohin fliesst das Geld? Die «Rundschau» hat über 28’000 Zahlungen aus den Bereichen Kultur, Umwelt und Soziales ausgewertet.

Zu den Zahlen

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Die «Rundschau» hat Beiträge aus den Lotteriefonds (ohne Sport und ohne Sportfonds) für die letzten Jahre (mind. 2014-2018) von elf Deutschschweizer Kantonen (AG, BE, BS, BL, GL, GR, LU, SG, UR, ZG, ZH) automatisiert ausgewertet.

Von AG, BS, UR, ZH wurde auch das Jahr 2013 verarbeitet. SO und TG: keine Datenverarbeitung aufgrund der Qualität der Daten. AI, AR, NW, OW, SH, SZ: keine Listen von Einzelbeiträgen verfügbar. Die Qualität der Ursprungsdaten führt zu einer gewissen Unsicherheit. Durch die automatische Aggregierung von Beiträgen besteht das Risiko von fehlerhaften Zuordnungen. Es kann sein, dass in Kantonen Spezialfonds oder Listen existieren, die noch nicht berücksichtigt sind.

Kleine Beiträge, typischerweise an Amateure, Kleinkünstler, Gesangsvereine und so weiter, machen in der Summe nur fünf Prozent aus. Über 70 Prozent der Summe wird als Grossbeträge über 100’000 Franken ausgerichtet. Ein Drittel der Summe fliesst gar als Millionenbeträge.

Ein grosser Teil des Geldes fliesst meist an institutionelle Top-Empfänger wie Theater, Museen oder Konzerthäuser. Zu diesen gehören unter anderem Tonhalle, Schauspielhaus und Kunsthaus Zürich, das Theater St.Gallen oder das KKL in Luzern. Das Kunsthaus Zürich alleine erhielt 2011 ganze 30 Millionen für einen Erweiterungsbau. Zu weiteren Top-Begünstigten schweizweit gehören auch das Stapferhaus in Lenzburg, die Musikinsel Rheinau oder das Theater Winterthur.

«Nicht nur Barock, sondern auch mal Guns’n’Roses»

Millionen für Hochkultur und nur relativ wenig für kleine Vereine? Roger Fasnacht ist Direktor der Lotteriegesellschaft Swisslos. Er bestätigt gegenüber SRF die Tendenz. Das Probleme liege aber nicht an der Verteilung der Gelder durch die Kantone, sondern vielmehr darin, dass zu wenigen Kulturschaffenden bekannt sei, dass sie Unterstützung beantragen könnten: «Der Lotteriefonds ist im Kulturbereich in vielen Kreisen nicht so bekannt.»

Das System funktioniere prinzipiell «recht gut», findet Fasnacht. Die Kulturhäuser dürften aber durchaus mehr für die Allgemeinheit tun: «Es gibt Luft nach oben bei einzelnen Institutionen, die viel Geld bekommen.» Diese sollten reflektieren, ob sie wirklich nur elitäre Kultur machen wollen. «Ich würde es gut finden, wenn diese Institutionen auch mal etwas für den Lottospieler anbieten würden. Nicht nur Barock, sondern vielleicht auch mal eine Inszenierung von Beatles oder Guns’n’Roses.»

Millionen für Spitzenforschung

Jeder Deutschschweizer Kanton hat einen eigenen Fonds, der jedes Jahr wieder neu mit Mitteln aus den Swisslos-Gewinnen gefüllt wird. In der Verteilung sind die Kantone praktisch weitgehend frei, auch wenn eigentlich vorgeschrieben ist, dass die Mittel gemeinnützig eingesetzt werden müssen und keine staatlichen Aufgaben finanziert werden dürfen.

Auch Spitzenforschung wird aus dem Lotteriefonds finanziert. Das Paul Scherrer Institut erhielt im Auswertungszeitraum über 26 Millionen Franken. Insgesamt waren es über 32 Millionen von 2012 bis 2018. Der höchste Beitrag aus dem Lotteriefonds Betrag sprach laut Auswertung der Kanton Zürich: 21.1 Millionen Franken zugunsten der Baudirektion für die Sanierung der Wasserkraftwerke Aabach.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von u. Felber  (Keule)
    Nun, einfach kein lotto spielen, dann unterstützt man auch keine kulturelite.
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Swisslos: Arme unterstützen Kulturelite!
    Da die Swisslos-Käufer hauptsächlich aus ärmeren Schichten stammen, unterstützen diese via Swisslos-Beiträge der Kantone zumeist elitäre Kulturprojekte, die sie selbst höchst selten selbst besuchen.
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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Da stellt sich für mich die Frage, warum werden hier Kulturunternehmen mit Millionen unterstützt und für Sozialfälle muss separat gebettelt werden ? Abgesehen von anderen versteckten Zahlungen, die eigentlich NULL Anrecht auf solche Gelder hätten. Es gibt genügend unverschuldet arme Mütter mit Kleinkindern, die diese Gelder dringender benötigen würden. Da muss in Zukunft gewissenhafter in echte Bedürftigkeit bei der Verteilung geprüft werden. So kann es nicht weiter gehen .
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