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Was macht der Luftpolizeidienst?
Aus Rendez-vous vom 27.08.2020.
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Luftpolizei im Einsatz So sichert die Luftwaffe den Schweizer Luftraum

Ein Besuch in der Einsatzzentrale der Luftwaffe in Dübendorf ermöglicht den Einblick in die Überwachung des Luftraumes.

Der Anruf kommt aus heiterem Himmel: In der Operationszentrale der Schweizer Luftwaffe meldet sich der Einsatzleiter, der Chief Air Defense. Ein «Comloss» wird gemeldet – ein Pilot oder Pilotin ist über Funk nicht mehr erreichbar. Das Flugzeug steuert den Schweizer Luftraum an.

Ein «Alpha Scramble» ist angesagt, so nennt sich in der Fliegersprache ein Alarmstart. «The Hammers», die Hammer, sind die beiden in Payerne (VD) bereit stehenden F/A-18-Kampfflugzeuge, die jetzt aufsteigen werden. Die Piloten müssen abklären, ob vom Flugzeug eine Bedrohung ausgeht – eine sogenannte «Hot Mission».

Pierre-Yves Eberle
Legende: Pierre-Yves Eberle ist Chef der Operationszentrale der Luftwaffe. SRF

Die Piloten rennen los, bereits in Fliegermontur, steigen in die Jets und starten. Innerhalb von 15 Minuten müssen sie in der Luft sein. Ab Januar 2021 werden rund um die Uhr immer zwei Flugzeuge für den Luftpolizeieinsatz bereitstehen.

Bundesrats-Jet unterwegs

Oberst Pierre-Yves Eberle ist Chef der Operationszentrale der Luftwaffe. Er steht vor einem Grossbildschirm, auf dem man das aktuelle Luftlagebild sieht. Eberle zeigt auf ein Flugzeug über der Ostschweiz: «Das ist der Lufttransportdienst des Bundes, der Bundesrats-Jet SUI 784, der da unterwegs ist. Er ist in Bern abgehoben und fliegt irgendwohin ins Ausland.» Ob eine Bundesrätin oder ein Bundesrat drin sitzt, will oder kann Eberle nicht sagen.

Die Luftraumüberwachung mit dem Radarsystem der Militär- und Zivilluftfahrt, das Florako-System, gehört ebenfalls zum Luftpolizeidienst für die Rund-um-die-Uhr-Überwachung des Schweizer Luftraums.

Luftpolizei zählt auf Kooperation

Was, wenn sich ein Pilot nicht an die Regeln hält? Welche Mittel und Möglichkeiten hat die Luftwaffe im Luftpolizeidienst? «Die Drohmittel sind die Kampfflugzeuge. Wir haben auch Warnfackeln, die wir abschiessen können», erklärt Eberle. «Und es ist klar, dass es darauf ankommt, dass die Person im Cockpit vernünftig und kooperativ ist.»

Sollte sich hingegen ein Flugzeug als Bedrohung herausstellen, müsste innert Minuten Verteidigungsministerin Viola Amherd kontaktiert werden. Nur sie kann einen allfälligen Abschussbefehl geben.

Kontrolle von Regierungsflugzeugen

Der Alltag im Luftpolizeidienst ist vor allem von sogenannten «Live Missions» geprägt. Das sind Stichproben-Kontrollen von ausländischen, staatlichen Flugzeugen. Das können Militärtransporter sein oder zivile Regierungsflugzeuge, die sich vorgängig anmelden müssen, wenn sie die Schweiz überfliegen wollen.

Telefonierender Mann am Computer. Vor sich auf dem Bildschirm eine Schweizer Karte.
Legende: Blick in die Einsatz- und Operationszentrale der Schweizer Luftwaffe in Dübendorf (ZH). SRF

«Als neutraler Staat ist das extrem wichtig für uns, insbesondere weil auch Kriegseinsätze geflogen werden von Langstreckenflugzeugen. Da sind wir als neutrales Land darauf angewiesen, dass unser Lufttraum und unsere Hoheit respektiert wird», erklärt Eberle. Fast täglich komme es zu solch einer Kontrolle.

Kann die Luftpolizei auch Bussen verteilen, wie die Polizei am Boden? «Nein», sagt Eberle, «es gibt keine Ordnungsbussen in der Luftfahrt. Da entscheidet das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), ob die Fluglizenz entzogen wird.»

Es drohe dem Piloten zudem sehr schnell ein Strafverfahren von der Schweizer Bundesanwaltschaft, ergänzt Eberle. Da kann also durchaus «gröberes Geschütz» aufgefahren werden, juristisch natürlich nur.

Rendez-vous, 27.08.2020 12:30 Uhr

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79 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Gilgen  (Pedrinho)
    Mit 800 Millionen Franken pro Jahr könnte man sinnvoll 100‘000 Menschen oder Familien (= 300‘000 bis 400‘000 Erwachsene und Kinder) mit 8000 Franken jährlich unterstützen, was für die Ärmsten in unserem Land schon sehr viel bedeuten würde!
    Bei 1000 Franken monatlicher Unterstützung würde dieses Geld immer noch für 67‘000 Familien, also 200‘000 - 250‘000 Menschen ausreichen. Welche Ausgabe ist nun einer zivilisierten oder humanen Gesellschaft würdig?
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Voraussetzung, dass eine zivile und humane Gesellschaft existiert ist unter anderem auch die Sicherheit und der Schutz vor machtpolitischen Gefahren und Risiken. Der Bund gibt neben 22 Milliarden für die soziale Wohlfahrt, wovon mehr als 3 Milliarden für die Ergänzungsleistungen pro Jahr aus. Auf allen drei Staatsebenen werden über 3 Milliarden Sozialhilfeleistungen bezahlt usw. Irgendwie sind die 800 Mio während sieben Jahren für den Flieger läppisch, bei einem Budget von 75 Milliarden!
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Annahme: Passagierflugzeug mit Terroristen an Bord würde in die Schweiz einfliegen. Man weiss nicht was die vorhaben. Bis die CH-Jets aufgestiegen sind, wäre das Vorhaben der Terroristen vermutlich schon ausgeführt. Wenn nicht, würde man das Flugzeug abschiessen und den sicheren Tod von 2/3hundert Passagieren und Kollateralschäden am Boden in Kauf nehmen, obwohl man gar nicht weiss was sonst noch passieren würde? Ich glaube eher nicht und zweifle am Nutzen der Luftpolizei in so einem Fall.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Die Prozesse sind eingeübt und 15 Minuten sind ausreichend, weil die Sensorik der Luftwaffe entsprechende Flugzeuge weit ausserhalb der Landesgrenze erfasst. Die juristischen und politischen Abklärungen zu diesem Fall sind seit Jahren getroffen, auch die Entscheidstufe ist festgelegt und die Entscheider sind bereit und leben ihre Rolle, die mehrmals im Jahr geprobt wird. Was der Entscheid bedeutet ist seit 911 bestens bekannt und ja, man würde das in Kauf nehmen!
  • Kommentar von Adrian Zuckermann  (azu)
    Dafür reichen 5 bis 10 Flugzeuge locker.
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Denke, dass das Ihrerseits eine Fehleinschätzung ist. Wenn Sie über 24h eine Patrouille bereithalten willen, kommen sie schon auf deutlich mehr als 10 Flugzeuge, die sie brauchen, um über 24h/365 das System ohne Lücken am Laufen zu halten. Flugzeuge haben Wartungszeiten und Überholungsrhythmen, die noch mehr Bedarf schaffen. Nur als Gedankenspiel, wenn Sie 2 raufschicken, müssen sie schon 2 in die Bereitschaft nachschieben, 2 weitere für die Bereitschaft vorbereiten, das macht schon 6 ...