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Machtverlust für Medien? Schweizer Politiker setzen auf Livestreams

Legende: Video Politiker in den sozialen Medien abspielen. Laufzeit 02:00 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.11.2018.

Ein mittlerweile gängiges Bild: Nationalräte antworten live und direkt auf die Fragen der Zuschauer auf den Sozialen Medien. Lukas Reimann von der SVP und SP-Mann Cédric Wermuth diskutierten beispielsweise diese Woche via Instagram über die Selbstbestimmungsinitiative. Die Parteien wollen so die Jungen abholen.

«Wir müssen auch in der politischen Kommunikation dahin gehen, wo die Menschen sind», erklärt Alessandro Iacono, Verantwortlicher für Online-Kampagnen bei der SP Schweiz. Gerade viele junge Menschen seien auf Instagram unterwegs. Dies dürfe die SP auf keinen Fall vernachlässigen.

Via Livestream direkt und ungefiltert die eigenen Botschaften verbreiten. Das ist nicht nur bei den Polparteien beliebt. Auch die CVP übertrug diese Woche die Präsentation ihrer Bundesratskandidaten live auf Facebook.

Tobias Keller, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Zürich, ist vom Potential solcher Livestreams überzeugt. «Es lohnt sich vor allem am Anfang, um etwas zu etablieren, auch wenn es dann noch wenige Zuschauer sind.» Die Parteien könnten aber nur gewinnen, wenn sie die Sache professionell angehen, sagt Keller.

Sanders, Strache, AfD und Co.

Professionell unterwegs ist man in den USA. Bernie Sanders erreichte mit seinen Facebook-Livestreams im Wahlkampf mehr Zuschauer als CNN.

In Deutschland ist die AfD Spitzenreiterin auf Social Media. Keine Partei hat mehr Facebook-Follower. Ihr Vorbild ist die österreichische FPÖ. Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat auf seinem Kanal teilweise mehr Zuschauer als das ORF.

«Machtverlust für traditionelle Medien»

Schweizer Parteien seien davon noch weit entfernt, meint SRF-Digitalredaktor Guido Berger. Der Druck auf die traditionellen Medien steige jedoch. «Die Deutungshoheit ist nicht mehr bei dem einen grossen Broadcastunternehmen allein.»

Sie verschiebe sich vielmehr auf einzelne Personen, die direkt ihr eigenes Publikum erreichten und so eine grössere Wirkung erzielten als klassische Medien. «Das ist ein Machtverlust für die traditionellen Medien», ist Berger überzeugt. Live und unzensiert: Für die Parteien sind Livestreams auf Social Media attraktiv. Noch ist ihre Reichweite allerdings begrenzt.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Roman Loser (Jessica)
    Kein Wunder,selbst in der nüchternen Tagesschau und sogar bei meiner ansonsten geliebten "Schweiz aktuell" fehlen nie die mehr oder weniger versteckten Andeutungen und Belehrungen! Aber zum Glück hat jeder vom lieben Gott ein Hirn geschenkt bekommen um selbst die wirkliche Sachlage beurteilen zu können!
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  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Ist wohl die Kommunikationsverbreitung und Meinungsbildung der Zukunft. Trump macht es ja vor und "führt" die USA auf Twitter.
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    1. Antwort von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
      Trump ist der erste Präsident, der das Potential von Twitter und sozialen Medien wirklich nutzt und wird auch nicht der letzte sein. Früher musste ein Präsident die Journalisten hofieren, welche dann vielleicht seine Meinung in ihren Medien teilten, oder auch nicht. Heute kann Trump direkt und ohne "Medienfilter" mit seinen Wählern, Verbündeten und Feinden in Sekundenschnelle kommunizieren, ohne Umweg der klassischen Medien. Vielleicht auch daher der Hass der (US) Journalisten auf Trump?!
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  • Kommentar von Pavol Vojtyla (PV)
    Der Vorteil von traditionellen Medien ist, dass sie nur wenige "Referenzpunkte" darstellen, im Sinne, dass jeder weisst wohin zu schauen. Leider statt neutral und sachlich über Ereignisse zu informieren, wurden sie zur Schaufenster von politischen und ideologischen Meinungen der Redakteuren. Auch deswegen schauen viele Leute im Web. Dort suchen sie die Kanäle, die das was sie hören mögen verbreiten. Sie schliessen sich in Echo-Kammern ein was auch nicht gut ist. Extremismus ist im Vormarsch.
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