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«Werde Polizistin!» – Appell der Baselbieter Polizei
Aus Regionaljournal Basel Baselland vom 21.11.2022. Bild: Keystone
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Männerdomäne Polizei Baselland sucht gezielt Frauen für die Polizei

Die Baselbieter Polizei ist unterbesetzt. Um die Lücke im Personalbestand zu füllen, werden explizit Frauen angeworben.

Im Kanton Baselland sollen vermehrt Frauen auf Verbrecherjagd, die Kantonspolizei will die vielen freien Stellen in den eigenen Reihen vermehrt mit Polizistinnen besetzen. Deren Anteil beträgt im Baselbiet aktuell 23 Prozent. Um gezielt Frauen anzusprechen, setzt die Kantonspolizei bei einer Informationsveranstaltung in Liestal deshalb ausschliesslich auf Polizistinnen, um den Beruf vorzustellen.

Polizistin ist ein perfekter Frauenberuf.
Autor: Kathrin Oberer Polizistin im Baselbiet

Kathrin Oberer arbeitet seit über 20 Jahren als Polizistin und teilt ihre Erfahrungen vor knapp 40 Interessentinnen. Polizistin sei ein perfekter Frauenberuf, ist sie überzeugt: «Man braucht dafür ein gewisses Mass des Helfersyndroms. Und das haben viele Frauen in den Genen.»

Eine Frau und ein Mann in Polizeiuniform von hinten.
Legende: Frauen mit Waffe und Uniform gibt es nur wenige in der Schweiz. Keystone/Georgios Kefalas

Dass die Baselbieter Polizei zum Informationsanlass keine Männer einlädt, findet Teilnehmerin Anna-Maria Spiess gut. Nur deshalb habe sie sich getraut, überhaupt teilzunehmen. Polizistin habe sie schon in ihrer Kindheit werden wollen. Mittlerweile sei sie Mutter geworden und verspüre diesen Wunsch wieder stärker: «Es ist doch auch ein gutes Vorbild für die Kinder, wenn ihre Mutter in einem solchen Beruf tätig wäre.»

Überall mehr Männer in Uniform

Box aufklappen Box zuklappen
Patrouille im Berner Bahnhof
Legende: Patrouille im Berner Bahnhof Je nach Situation sind Polizeien froh, wenn sie gezielt eine Frau oder gezielt einen Mann einsetzen können. Keystone

Mit ihrem niedrigen Frauenanteil von 23 Prozent steht die Kantonspolizei Baselland nicht alleine da. Auch im benachbarten Kanton Basel-Stadt sind es nur 24 Prozent. Bei den Sicherheitsassistenzen, also diejenigen, die ohne Waffe auf der Strasse sind, ist das Verhältnis mit einem Frauenanteil von 54 Prozent umgekehrt.

Auch bei der Kantonspolizei Zürich sind die Frauen mit 21 Prozent klar in der Unterzahl. In der Ausbildung zeigt sich jedoch ein anderes Bild mit 44 Prozent Frauen. Dies habe ohne spezielle Aktionen erreicht, heisst es bei der Kapo Zürich.

In Bern sind die Männer ebenfalls in der Überzahl, mit einem Anteil von knapp 80 Prozent. Unterschiede zwischen der Stadt und ländlichen Kantonsteilen beobachte man keine, sagt die Mediensprecherin der Kapo Bern.

An einem gemischten Anlass hätten auch viele der anderen interessierten Frauen nicht teilgenommen, unter ihnen auch die Maturandin Amanda Gerold. Es falle ihr viel leichter, Polizistinnen über ihren Arbeitsalltag zu befragen: «Es senkt meine Hemmschwelle. Und ich habe nicht das Gefühl, verurteilt zu werden.» Der Polizeiberuf sei generell in der Gesellschaft männlich konnotiert, ist die junge Frau überzeugt. Dass sich das im Baselbiet nun ändern soll, gefalle ihr.

Es senkt meine Hemmschwelle. Und ich habe so nicht das Gefühl, verurteilt zu werden.
Autor: Amanda Gerold Maturandin

Ausgeglichene Teams funktionierten auch besser, sagt Polizistin Kathrin Oberer. Das zeige ihre langjährige Erfahrung: «Gerade bei Fällen von häuslicher Gewalt sind Polizistinnen unglaublich wertvoll. Frauen vertrauen sich anderen Frauen häufiger an.»

Claudia Räber leitet die Grundausbildung der Baselbieter Polizei. Das neue Format helfe dabei, auch gezielt Themen anzusprechen, die Frauen vom Beruf abhielten: «Zum Beispiel: Geht Teilzeitarbeit? Was geschieht, wenn ich schwanger werde? Wie funktioniert der Aussendienst genau?»

Claudia Räber hofft, dass einige der Interessierten sich jetzt für den Oktoberlehrgang bewerben, damit der Frauenanteil steigt. Eine fixe Quote habe sich die Baselbieter Polizei nicht zum Ziel gesetzt, sagt sie. Mit der Frauenförderung wolle man jedoch den Personalbestand nachhaltig sicherstellen.

Regionaljournal Basel, 19. November 2022, 17:30 Uhr;

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