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Zunehmender Medikamenten-Missbrauch bei Jugendlichen
Aus 10vor10 vom 17.01.2020.
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Medikamenten-Missbrauch Immer mehr Jugendliche sind süchtig nach Pillen

Die Gründe für die Zunahme von Medikamenten-Missbrauch sind unbekannt. Aber bereits kleine Dosen machen abhängig.

Gleich mehrere Fälle von Medikamenten-Missbrauch durch Jugendliche sind in der jüngeren Vergangenheit publik geworden. Jugendliche nehmen verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel ein, um sich zu berauschen.

Der jüngste bekannt gewordene Vorfall ereignete sich im Kanton Basel-Landschaft, wie «20 Minuten» berichtet hat: Am Bahnhof in Gelterkinden fällt am Dienstag ein 12-jähriger Junge auf. Eine junge Frau findet ihn völlig betäubt durch das Medikament Xanax.

Dosen mit Xanax-Tabletten.
Legende: Xanax (Alprazolam) wird bei Angststörungen verschrieben. pharmacy

Das rezeptpflichtige Medikament Xanax, Link öffnet in einem neuen Fenster wird Patienten mit Angstneurosen oder Panikstörungen verschrieben. Innert Wochen kann das Medikament zu einer Abhängigkeit führen.

Verheerende Persönlichkeitsveränderung

YouNews-Reporter von «10vor10» treffen Lavinia Besuchets. Ihr 15-jähriger Sohn hat vor einem Jahr angefangen, Alkohol und Cannabis zu konsumieren. Später kamen Medikamente wie Xanax hinzu. Die Sucht hat ihren Sohn verändert, wie Besuchets erzählt: «Er ist wie abgedriftet. Durch den Konsum ist er nicht mehr der, der er eigentlich wäre, wenn er nüchtern ist. Er hat sich verändert, so dass man kein Vertrauen mehr in ihn haben kann. So verändert sich die Beziehung sehr.»

Sind die schweren Medikamentenmissbräuche Einzelfälle? Keineswegs, wie ein Blick in die Statistik zeigt:

Grafik
Legende: Jungen haben gegenüber Mädchen «aufgeholt» beim Missbrauch von Medikamenten. SRF

Bei den 15-jährigen Mädchen sind es seit 2002 immer rund vier Prozent, die berauschende Medikamente konsumieren. Anders sieht es bei den gleichaltrigen Jungen aus: Hier hat der Anteil deutlich zugenommen.

Warum die Buben so stark zugelegt haben, wisse man noch nicht, sagt Markus Meury von der Stiftung «Sucht Schweiz». Aber bereits kleine Dosen von Xanax seien gefährlich und suchtbildend.

«Die Abhängigkeit ist das eine. Das andere ist ein Vergiftungsrisiko. Speziell gefährlich ist es, wenn man Medikamente mit Alkohol oder anderen Substanzen kombiniert», erklärt Meury und fügt an: «Wenn man Xanax auf dem Schwarzmarkt beschafft, weiss man nie genau, was wirklich drin ist.»

Vom Apotheken-Kästli bis zum Dealer

Warum sind Medikamente wie Xanax so populär? Der Journalist Renato Beck hat mehrere Monate zu dem Thema recherchiert. Zuerst kämen viele Jugendliche daheim im Apothekenschrank mit Medikamenten in Kontakt, erklärt er.

«Dann gibt es auch den sehr beliebten Weg über das Darknet, wo sich jeder selber seinen Stoff bestellen kann. Vor dem haben aber viele etwas Angst, weil man nie weiss, ob beim Zoll etwas hängen bleibt.» Der dritte Weg, der immer wichtiger werde, geht über Dealer und grosse Banden, sagt Beck.

Vorbild «hippe» Rapper»?

Nach Ansicht von Fachleuten spielt aber auch die amerikanische Hip-Hop-Kultur eine Rolle. Hier wird Medikamentenmissbrauch teilweise glorifiziert - so etwa vom Rapper Lil Peep.

In seinen Texten ging es oft um seinen Medikamenten- und Drogenkonsum. Er war selber abhängig von Kokain, Ecstasy und Xanax. Ende November 2017 starb er kurz vor einem Konzertauftritt an einer Überdosis Xanax und einem Cocktail anderer Schmerzmittel.

Diese Verherrlichung könnten laut Fachleuten auch Jugendliche in der Schweiz beeinflussen und mitverantwortlich sein, dass auch bei jüngeren Teenagern der Missbrauch von Medikamenten zunimmt.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Ja ohne "Pillen einwerfen" geht halt die ganze a Woche Party machen nicht bei unseren Jungspunden!
    Früher hatten wir nur das Wochenende für Fun!
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Aushalten, Halten können sind 'Tugenden' die der Konsumisus ja tunlichst erpicht ist wegzumachen. Da ist dann nichts mehr mit hypomenein. Nur, auf der physischen, psychischen Ebene kann da die Pharmaindustrie sehr wohl und gekonnt einwirken. Auf der seelischen Ebene, wo so viele Menschen an einem richtigen Mal de vivre leiden, da ist der Zugriff der Pahrmakoartillerie, ein Ding der Unmöglichkeit. Im Gegenteil, je mehr da vertuscht und gemauschelt wird, desto stärker schlägt die Sache nach Innen.
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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Dies kann man ändern, in dem dass Jugendliche erst nach der Volljährigkeit Medikamente die süchtig machen könnten selbst kaufen könnten. Vorher müssen die Eltern anwesend sein.
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