«Medizinischer Fortschritt ist nicht gratis»

Die Krankenkassen-Prämien steigen um rund vier Prozent. Das liege an der Alterung der Schweizer Bevölkerung, sagt Inlandredaktorin Monika Zumbrunn von Radio SRF. Aber auch verbesserte Behandlungsmethoden, etwa bei der Krebstherapie, würden die Kosten erhöhen.

Was sind die Gründe für den erneuten Prämienanstieg?

Die Prämien müssen die Gesundheitskosten spiegeln und diese steigen munter weiter. Kostentreibend ist die Alterung der Bevölkerung. Zudem kommt die Babyboomer-Generation in ein Alter, in dem naturgemäss höhere Gesundheitskosten anfallen.

Reicht die demografische Entwicklung, die Bundesrat Alain Berset ins Feld führt, als Erklärung für die steigenden Kosten?

Sie ist ein wichtiger Faktor. Aber der medizinische Fortschritt, der allen zugute kommt, ist auch nicht gratis. Die Krebstherapien sind beispielsweise viel besser als noch vor ein paar Jahren, kosten aber auch einiges mehr. Der Zulassungsstopp für neue Arztpraxen wurde zudem kurzzeitig ausser Kraft gesetzt. Das breitere medizinische Angebot wird von der Bevölkerung rege genutzt. Ein wesentlicher Teil der Gesundheitskosten betrifft den ambulanten Bereich, dazu kommen Spitalkosten und Medikamente.

Der Prämienanstieg trifft auch nächstes Jahr die Jungen überdurchschnittlich stark. Warum ist das so?

Bis zum 26. Geburtstag profitieren die Jungen von günstigeren Prämien. Die Krankenkassen kürzen diese Rabatte jetzt nochmals, weil sie zum Teil zu hoch waren. Das hat mit dem Risikoausgleich zwischen den Krankenkassen zu tun. Für die jungen Erwachsenen müssen die Kassen Geld in den Risikoausgleichstopf bezahlen. Diese Rechnung geht nicht mehr auf.

Am Sonntag stimmen wir über die Einheitskasse ab. Hat die angekündigte Prämienerhöhung so kurz vor der Abstimmung einen Einfluss auf das Resultat?

Davon gehe ich nicht aus. Es mag sein, dass bei einigen Leuten der Ärger über die Krankenkassen wieder hochsteigt. Das mag zusätzliche Ja-Stimmen geben. Die Gegner der Einheitskasse sind aber grundsätzlich zufrieden mit dem Schweizer Gesundheitssystem. Eine Prämienrunde ändert da kaum etwas daran.