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Legende: Video Sterbehilfe erreicht in der Schweiz einen neuen Höchststand abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.02.2019.
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Mehr Menschen gehen mit Exit «Die Menschen wollen selber über ihren Tod entscheiden»

Die Sterbehilfeorganisation Exit besteht seit 34 Jahren und gewinnt jährlich Tausende neue Mitglieder. Ende 2018 zählt der Verein für humanes Sterben gut 120'000 Mitglieder.

Im vergangenen Jahr hat Exit 905 Freitodbegleitungen durchgeführt – das sind 172 mehr als noch 2017. Mediensprecher Jürg Wiler erklärt die steigenden Zahlen.

Jürg Wiler

Jürg Wiler

Mediensprecher Exit

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Jürg Wiler ist Vorstandsmitglied und Mediensprecher bei der Sterbehilfeorganisation Exit.

SRF News: Die Mitgliederzahl bei Exit steigt, die Anzahl Freitodbegleitungen auch. Wie erklären Sie diese Entwicklung?

Jürg Wiler: Wir sehen verschiedene Gründe. Einerseits steigt die Lebenserwartung der Bevölkerung und durch das höhere Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit von schweren Krankheiten. Zudem ist es eine Erscheinung unserer Zeit, dass die Menschen auf ihr Selbstbestimmungsrecht pochen.

Ich denke, die Menschen befassen sich heute intensiver mit dem Tod und Sterben. Mit dem Internet gibt es dafür mehr Möglichkeiten. Die Menschen werden kompetenter und setzen sich grundlegend mit dem Tod auseinander.

Was braucht es, damit Exit einer Sterbebegleitung zustimmt?

Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Urteilsfähigkeit beim betroffenen Menschen vorhanden ist. Er muss genau wissen, welche Folgen sein Entscheid hat. Dieser muss also wohlüberlegt sein und zum Schluss führen, das Leben beenden zu wollen. Zum Beispiel dann, wenn eine Person an einer tödlichen Krankheit oder unerträglichen Beschwerden leidet. Hierbei schauen wir genau hin. Wenn eine vorübergehende Depression vorläge, wäre eine Begleitung nicht möglich.

Muss man also todkrank sein, um von Exit begleitet zu werden?

Die meisten Menschen, die wir begleiten, sind tatsächlich todkrank. Es gibt aber auch den Altersfreitod. Hier muss nicht zwingend eine tödliche Krankheit vorliegen, sondern mehrere Gebrechen. Wenn jemand beispielsweise nicht mehr gut sieht, aber ein Leben lang gern gelesen hat, zudem Schwindelanfälle hat und kein normales Gespräch mehr führen kann. Solche sozialen Aspekte beziehen wir mit ein. Wichtig ist, dass auch bei diesen Menschen die Urteilsfähigkeit vorhanden ist.

Es scheint paradox. Die Medizin macht ständig Fortschritte, um uns ein längeres Leben zu ermöglichen. Gleichzeitig möchten sich mehr Leute die Option offenlassen, den Freitod zu wählen. Wie erklären Sie das?

Das ist für mich eine Zeiterscheinung. Die Menschen konnten und mussten ein Leben lang für sich selber entscheiden: Welchen Berufsweg sie beschreiten, ob sie eine Familie oder ein Haus wollen – und am Schluss will man ihnen dieses Recht absprechen. Das goutieren viele nicht. Man lässt sich nicht von einem Spital oder von einem Pfarrer vorschreiben, wie und wann man gehen soll.

Das Gespräch führte Daniela Lager.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Das ist auch richtig so. Auch ich will sagen dürfen, wenn ich finde es sei genug. Ich gehe (bis jetzt) nicht oft zum Arzt +behandle mich mit homöopathischen Mitteln. Wenn man all die Medikamente nimmt, welche einem im Alter gegeben werden, hat man nichts mehr an dem man sterben kann. Soll das vielleicht die Lösung sein. Bis 90 oder 100 unglücklich + mit Schmerzen im Altersheim, viele kann man nicht einmal mehr fragen ob sie glücklich sind. Es gibt also 2 Lösungen. Entweder Homöopathie oder EXIT!
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  • Kommentar von Bruno Lüscher  (Eire)
    Herr Pestalozzi, Haben Sie eine Ahnung, was EXIT ist oder schreiben Sie einfach drauflos? EXIT ist keine Fussballmanschaft mit A- und B-Team. Da sind Menschen die bereit sind, anderen bei Ihrem Entscheid, aus dem Leben zu scheiden, zu helfen. Menschlichkeit wird nicht automatisch gelebt, wenn man religiös ist.
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  • Kommentar von Jürg Hälg  (Oldie66)
    War schon jemand bei einem assistierten Suizid dabei? Eben. Ich schon. Würdevoller kann man nicht aus dem Leben gehen. Vor dem Tag x hatten wir sehr gute und viele Gespäche mit der EXIT Begleitung, aber auch in der Familie. Ich bin seit fast 40 Jahren Schmerzpatient. Wer noch nie solche Schmerzen erlebt hat, kann hier nicht mitreden. Ich werde also nicht nochmals 30 Jahre so leiden wollen. Ich werde, wenn die Zeit gekommen ist, mit EXIT gehen.
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    1. Antwort von Armin Spreter  (aspre)
      @J.H. - ...absolut nachvollziehbar. Wer z.B. ein geliebtes Haustier hat, das offenkundig unter unheilbaren starken Schmerzen leidet, handeln wir "human" und folgen dem Rat des Tierarztes, das Tier einschläfern zu lassen, um ihm weitere Qualen zu ersparen.
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