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Mehr Parlamentarier unter 30 Junge mischen Bundesbern auf

Die Anzahl National- und Ständeräte, die mit unter 30 Jahre in Bern beginnen, wächst seit der Jahrtausendwende stark.

Legende: Video Immer mehr Junge politisieren in Bern abspielen. Laufzeit 02:02 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.12.2018.

Sie ist 24 Jahre alt und wird heute das jüngste Mitglied in Bundesbern: Die Baselbieter Sozialdemokratin Samira Marti. Sie rückt im Nationalrat nach für Susanne Leutenegger-Oberholzer, die letzte Woche im Alter von 70 Jahren zurückgetreten ist.

Noch vor kurzem wäre Samira Marti eine Seltenheit gewesen. Denn bis in die 1990er-Jahre gab es kaum Parlamentarier, die bei ihrem Amtsantritt unter 30 Jahre alt waren: Betrachtet man die 20-Jahr-Intervalle, so waren es von 1900 bis 1999 im Schnitt nur 3,6. Seit der Jahrtausendwende hingegen hat es bereits 17 U30-Parlamentarier gegeben (siehe Grafik). Das zeigt eine Auswertung von SRF.

Balkengrafik
Legende: Seit der Jahrtausendwende gibt es deutlich mehr Bundsparlamentarier, die bei Amtsantritt unter 30 Jahre alt sind. SRF

Alleine in der laufenden Legislatur sind vier neue dazugestossen: Neben Samira Marti waren das im März der damals 27-Jährige Fabian Molina sowie im November 2015 zu Beginn der Legislatur Lisa Mazzone mit ebenfalls 27 und Mattea Meyer mit 28 Jahren. Sie alle schaffen es allerdings nicht mehr in die Liste der 20 jüngsten Bundesparlamentariern aller Zeiten (siehe Tabelle unten).

«Repolitisierung der Jugend»

Samira Marti erklärt den Zuwachs mit einer «Repolitisierung» der Jugend: «Das hat sicher auch mit einigen politischen Ereignissen zu tun, sei es die Diskussion rund um den Atomausstieg oder die neue Rechte, die in Europa und in der Schweiz erstarkt. Das sind Themen, die Junge wieder bewegen.»

Politologe Michael Hermann sieht zwei Gründe für die Entwicklung zu mehr U30-Politiker: «Ursprünglich wurde dieser Trend vor allem durch die Parteien befördert. Sie wollten sich mit jungen Leuten profilieren, ein frisches Gesicht geben. Heute sind es eher die Jungen selber, die nachstossen. Diese nutzen die Möglichkeiten des neuen medialen Umfelds mit den sozialen Medien, um sich zu profilieren.» Und weil die Jungen dies gut beherrschten, würden sie teilweise auch schneller in die Räte kommen, so Hermann.

Junge verlassen Bern auch jung

Allerdings: Junge Parlamentarier gehen oft auch wieder relativ jung. Toni Brunner etwa, der 1995 mit 21 in den Nationalrat kam und damit der bis heute mit Abstand der jüngste Bundesparlamentarier ist, tritt nun mit 44 Jahren ab. Und Pascale Bruderer, die 2002 mit 24 Nationalrätin wurde und bislang die jüngste weibliche Parlamentarierin ist, verabschiedet sich im nächsten Jahr, wenn sie 42 ist.

Andere Beispiele von Parlamentariern, die den U30-Boom begründen, aber bereits wieder Bern verlassen haben: Evi Allemann, Ursula Wyss oder Jasmin Hutter. Sie alle waren bei ihrem Abgang jünger als das Durchschnittsalter. Dieses beträgt derzeit im Nationalrat 52 Jahre

Zweite Karriere nach Bundesbern

«Jene, die jung angefangen haben, bleiben zwar durchaus länger im Parlament. Aber es ist eben doch nicht eine Lebenskarriere. Das Amt in Berm ist etwas sehr Zermürbendes», erklärt Michael Hermann. «Und wenn man gehen will, dann muss man rechtzeitig gehen, um noch eine zweite Karriere anhängen zu können.» Auch weil man zuvor meist voll auf die Karte Politik gesetzt habe.

Auch Samira Marti dürfte nicht bis zur Pensionierung in Bundesbern bleiben. «Ich werde zwar bis an mein Lebensende ein politisch denkender Mensch sein. Ob ich nun aber bis 65 in Bundesbern bin, daran mag ich zweifeln», sagt die derzeit jüngste Bundesparlamentarierin und schiebt nach, sie habe einen Bachelor in Ökonomie und werde nun, neben ihrer Aufgabe in Bern, den Master beenden.

Die 20 jüngsten Bundesparlamentarier

NameParteiKantonAlterAntrittRatAmtsdauerAktiv
Toni BrunnerSVPSG21.304.12.1995NR23nein
Mathias ReynardSPVS24.205.12.2011NR7ja
Markus RufNABE24.328.11.1983NR16nein
Alois KoppCVPLU24.301.12.1851NR16nein
Giovanni RealiCVPTI24.605.03.1877SR12nein
Pascale Bruderer WyssSPAG24.715.04.2002NR17ja
Johann Baptist E. RuschCVPAI24.805.07.1869SR19nein
Samira MartiSPBL24.810.12.2018NR0ja
Josef ArnoldCVPUR25.201.06.1850SR40nein
Lukas ReimannSVPSG25.203.12.2007NR11ja
Evi AllemannSPBE25.301.12.2003NR15nein
Jasmin Hutter-HutterSVPSG25.401.12.2003NR6nein
Gustav MuheimCVPUR25.704.06.1877SR30nein
Cédric WermuthSPAG25.805.12.2011NR7ja
Caspar DecurtinsCVPGR26.005.12.1881NR24nein
Christian WasserfallenFDPBE26.403.12.2007NR11ja
Johann UhrCVPZG26.704.11.1850SR3nein
Jakob DubsFDPVD26.716.04.1849NR15nein
Ursula WyssSPBE26.806.12.1999NR13nein
Bastien GirodGrüneZH26.903.12.2007NR11ja

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Silvio Silla (Silla)
    O doch Urs Sahli, es gibt einen und der heisst Cedéric Wermuth.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Silvio Silla: Sie scherzen, oder? Genau Cédric Wermuth ist das Paradebeispiel eines Ideologen. Er hat "Das Kapital" von Karl Marx, welches dieser Ende des 19. Jh. geschrieben hat, auswendig gelernt und wendet diesen historischen Text auf die Welt des 21. Jh. an. Eine solche Politik würde die Schweiz innert kurzer Zeit ins Chaos führen und breite Bevölkerungskreise würden verarmen, ähnlich den Einwohnern Venezuelas. Ein breiter gefächertes Wissen und mehr Lebenserfahrung würden dies verhindern.
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    2. Antwort von Jürg Häusermann (Ebenda)
      Oh mein Gott!!
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    3. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Ich finde ihren Kommentar einfach nur dumm. ich würde nie Cedéric Wermuth wählen weil ich seine Politischen Ansichten nicht teil, aber nicht weil mir seine Person nicht passt, das ist einfach nur Billig und ich finde es gut das hier mehr Leute ihr Kommentar ablehnen. In diesem Fall attackiert man meist nur den Menschen Wermuth, aber Inhaltlich liest man wenig schlüssige Argumente, meint man kenne einen Menschen nur von dem wenigen was über in veröffentlicht wird, ich kenne nur sein Politik!
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  • Kommentar von Urs Sahli (sahliu)
    Sicher, der Jugend gehört die Zukunft. Aber haben die Jugendlichen bereits das Wissen und die politische Erfahrung?
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      Herr Stahli, machen diese älteren den so einen tollen Job in Bern? Da machen gewisse Damen und Herren Zukunftspolitik, die keine mehr haben.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Die Politiker werden immer jünger und die Einwohner der Schweiz immer älter. Und dann wollen alle noch mit 60 in Rente. Deshalb geht die Rentenrechnung nicht mehr auf, da können auch Jungpolitiker nichts ändern. Die Rentner hätten Zeit und Erfahrung; die sollen in die Politik und weniger mit dem GA herumreisen. Es braucht beide, jung und alt.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
      @Leu, aber die Jungen müssen unsere AHV erwirtschaften, wir wollen nur noch kassieren und Leben und wenn wir Lust haben noch etwas tun. Jetzt nehme ich Partei für die Jungen und benütze den Satz der unsere Generation und der unserer Väter gerne benutzt hat, wer zahlt befiehlt. Doch da werden nun einige Protestieren, wenn es sie auf der falschen Seite sind. So können einem die eigenen Weisheiten vor die Füsse fallen.
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