Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Mehr Preis-Wettbewerb unter den Spitälern abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
04:25 min, aus Echo der Zeit vom 29.12.2018.
Inhalt

Mehr Transparenz gefordert Wie die Spitalkosten sinken sollen

Eine neue Idee verspricht tiefere Kosten und bessere Leistungen im Gesundheitswesen. Die Kassen sind skeptisch.

Darum geht es: Über 80 Milliarden Franken kostet das Schweizer Gesundheitswesen jährlich. Davon fliessen rund 15 Steuer- und Prämienmilliarden in den Spitalbereich. Ein Preis- und Qualitätswettbewerb unter den Spitälern zur Dämpfung der Kosten findet bisher kaum statt, obwohl die Krankenkassen das schon länger fordern.

Der neue Ansatz: Das möchte der Ökonom Simon Hölzer als erstes ändern. Als Leiter der Tariforganisation der Spitalfinanzierung SwissDRG kennt er die Kosten der Spitäler, die pauschalen Tarife und die verhandelten Preise: «Mit der neuen Spitalfinanzierung gäbe es eigentlich ein übergeordnetes Instrument, um insbesondere die Spitalpreise vergleichbar zu machen und auf dieser Basis einen Kostendruck auf die Leistungserbringer aufzubauen.»

Der differenzierte Vergleich: Dieser Preisvergleich soll zeigen, welche Spitäler und Kliniken effizient arbeiten und welche nicht. Der Druck würde dann auf den ineffizienten Einrichtungen lasten, welche effizienter werden müssten. Das Sparpotenzial schätzt Hölzer höher ein als jenes der Massnahmen, die der Bundesrat zur Diskussion gestellt hat: «Nicht jedes dieser Spitäler ist zu teuer im System. Deshalb braucht es ein geeignetes Vergleichsverfahren, um die tatsächlich zu teuren Spitäler zu identifizieren.» Hölzer fordert mehr Transparenz, auch was weitere Faktoren betrifft, beispielsweise wie gross das Einzugsgebiet ist oder wie es um die Investitionen des Spitals steht.

Kassen skeptisch: Verena Nold, Direktorin des Krankenkassenverbandes Santésuisse, fragt sich, ob das nicht zu kompliziert werde. Sparpotenzial sieht Verena Nold bereits jetzt: «Wenn man mit allen Spitälern nur noch den wirtschaftlich günstigsten Preis aushandelt, könnte man Millionen sparen.» Der Verband beziffert den Effekt auf geschätzte 200 Millionen Franken pro Jahr.

Kantone sehen Gefahren: Michael Jordi, Zentralsekretär kantonalen Gesundheitsdirektorenkonferenz sieht Risiken im härteren Spitalvergleich: Spitäler könnten nicht einfach unbeschränkt ihre Prozesse effizienter gestalten. Der Preisdruck könne dazu führen, dass die Kosten nicht mehr gedeckt seien. Dies könne letztlich zu Versorgungsproblemen führen. Das könne sich ein Kanton nicht erlauben, müsse er doch die Versorgung sicherstellen. Der Preiswettbewerb, der dem Tarifspezialisten Hölzer vorschwebt, würde die Spitallandschaft sicher verändern. Eine Prognose wagt er aber nicht: «Ziel ist eine vernünftige Medizin. Indem wir heute ausreichende Strukturen und Leistungen definieren und finanzieren, die wir in Zukunft brauchen.»

Positive Reaktion eines Spitalexperten: Hölzer erhält dabei und eher unerwartet Zuspruch von den Spitälern: Thomas Brack, Direktor des Spitals Limmattal, vergleicht heute die Kosten der Spitäler mit dem Verein Spital Benchmark. Auch er beobachtet, dass heute Spitäler unter Druck sind, die effizient arbeiten. Er teilt deshalb die Einschätzung, dass eine differenziertere Betrachtung mehr Transparenz bringen würde: «Das führt indirekt dazu, dass die Kosten des Gesundheitswesens als Ganzes über das Tarifsystem und die Tarifverhandlungen stabiler gehalten werden können. Damit ist die Kostenentwicklung gedämpft.»

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

68 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marco Mazza (Mysenf)
    Man könnte meinen es geht hier nur um Kosten und nicht um Menschen. Wenn die Prozesse effizienter werden, haben wir vielleicht Glück und die Patienen sterben früher?! Aber dann haben wir das Problem, dass das Pflegepersonal an Burn-Out erkrankt und das würde die Kosten wieder in die Höhe jagen. Ich glaube, die einzige nachhaltige Lösung wäre die Manager-Löhne der Pharmaindustrie, Kankenkassen und Spitäler zu kürzen. In Frankreich wären sie diesbezüglich schon lange auf die Strasse gegangen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Pflegefachpersonen HF/FH, heute auf Tertiärstufe angesiedelt, machen über 40% des Spitalpersonals aus. Von ihnen wimmelt es auf den Stationen, zu viele mE, denn dennoch sieht man Patienten alleingelassen, vorab ältere, die spez.Zuwendung bräuchten. Der PC allgegenwärtig, aber keiner merkt, wie sie beim Essen abrutschen, ewig auf dem Nachtstuhl am Lavabo schlottern, kaum einer hört ihnen zu, hält ihre Hand... mehr Menschen mit Herz, zuständig nur für Grundbedürfnisse, beschleunigten die Genesung.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Verena Schär (Nachdenklich)
      Auch im Pflegeheim ist es nicht anders. Krebskranke Mutter im Endstadium aber voll Bewusst, mit Morphinschmerzbehandlung wird einfach, ohne Essen ins Fernsehzimmer ohne Kissen gesetzt. Kleidung ungenügend sie hatte kalt. Am Tag danach erneut im Stuhl im Gang aber diesmal im Durchzug. Danach hatte meine Mutter eine Lungenentzündung und der Leiter wollte kein Medikament geben. Ein Anruf im Spital genügte. Grosse Diskussion um das Einsetzen von Morphium, denn ein wenig mehr genügt um das......
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Die Zeiten als 40% Pflegefachpersonen FH in Spitälern waren sind längst vorbei. Auf einer Abteilung hat es pro Schicht selten mehr als 1. Der Rest sind Auszubildende und FAGEs, die eine 3-jährige Grundausbildung haben. Dazu kommen insbesondere in Heimen ein Rudel angelernte Pflegeassistentinnen und Praktikantinnen. Fachleute gibt es erstens zu wenige und zweitens sind die mit den heutigen Fallpauschalen gar nicht mehr bezahlbar.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      Traurige Geschichte, aber leider Alltag. Deshalb müsste es mE eine Berufsgruppe geben, welche ausschliesslich für die Grundbedürfnisse der Patienten zuständig ist. Liebevolle Grundpflege, Hilfe bei alltäglichen Dingen wie essen, anziehen, Körperpflege, Gespräche, Unterhaltung, Zuhören usf, alles ohne verordnete Zeitlimite und ohne PC. Dazu braucht es kein teures, akademisiertes Fachpersonal, sondern Leute mit vorab Herz und Geduld. Das wäre in vieler Hinsicht von Vorteil.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
      HPMüller, längst vorbei? Diese 42% stammen vom bfs admin von 2013!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Frau Hermann, das BFS schreibt "Das Pflegepersonal macht 42% des gesamten Spitalpersonals aus". Sie schreiben von "Pflegefachpersonen HF/FH". Das ist nicht dasselbe. Beim BFS sind da alle in der Pflege beschäftigten mit drin, auch die weniger oder Unqualifizierten (im Gegensatz zu den im nächsten Satz erwähnten 30% "technische, Administrativ- und Hausdienstpersonal" und "je 14% Aerzteschaft sowie auf das medizinisch-technische und medizinisch-therapeutische Personal")
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Samuel Müller (Samuel Müller)
    Meine Eltern sitzen im Altersheim und sind beide weit über das Stadium hinaus, das sie in ihrer amtlich korrekten Patientenverfügung definiert haben! Die Nachkommen haben keine Chance ihren Willen durchsetzen obwohl es wirklich kein zuschauen mehr ist! Es wird alles getan sie am Leben zu halten und die Möglichkeiten dazu sind enorm. Das hat nichts mit Sozialer Verantwortung oder dem Hippokratischen Eid zu tun sondern ist nur noch skrupellose Geld Schefflerei.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Margrit Holzhammer (Margrit Holzhammer)
      Hr. Müller, Leute im Altersheim sind alt, aber nicht pflegebedürftig. Was soll die Patientenverfügung? Sorry, aber man kann doch die Leute nicht einfach umbringen? Vielleicht nehmen Ihre Eltern den Alltag anders wahr, als Sie. Mein Vater, er ist vor 17 Jahren gestorben sagte mir immer wieder, er wolle nie als warmgehaltene Leiche auf einer Intensivstation liegen. Als es dann im Alterheim darum ging, ob er noch ins Spital gebracht werden sollte, wurde mein NEIN von der Leitung akzeptiert.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Verena Schär (Nachdenklich)
      Grosse Diskussion um Morphium, denn anscheinend genügt es ein wenig mehr zu geben um das Sterben zu erleichtern. Wir wollten dies nicht und verlangten ein Gespräch mit dem Hausarzt.
      Wohlverstanden, die Diskussion ging vom Pflegepersonal aus. Es sind seither über 6 Jahre her und es schmerzt nach wie vor.
      Es ging nicht um Lebensverlängernde Massnahmen sondern um ein würdevolles Sterben. Deshalb verlangte ich ein Antibiotikum. Mein Mutter konnte sich so verbal von ihren Schwestern verabschieden.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Morphium ist ein Schmerzmittel, das unter Anderem auch entspannt. Dafür soll es eingesetzt werden. "Ein bisschen mehr geben" reicht nicht, dass jemand stirbt, da brauch es schon sehr viel mehr so dass die Atmung aussetzt. Das wiederum ist aktive Sterbehilfe (sofern uneigennützig, sonst Mord) und aktive Sterbehilfe ist in der Schweiz verboten und strafbar. Pflegefachleute haben nicht die Kompetenz Morphin und dessen Dosierung selbständig festzulegen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen