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Hausbesitzer lässt Mieter nach Wasserschaden hängen
Aus Kassensturz vom 15.09.2020.
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Mieter-Ärger Hausbesitzer lässt Mieter nach Wasserschaden hängen

Zehn Monate lang lebte ein IV-Rentner-Paar ohne funktionstüchtige Küche. Den Hausbesitzer kümmerte das nicht.

Die sechzigjährigen Küchenkästchen sind verschimmelt. In der Küchenwand klafft ein Loch. Und der Einbau-Backofen ist so verrostet, dass kein Zweifel besteht: Der ist Schrott! Solche Bilder schickte Liz I. dem «Kassensturz»-Redaktor. Ihr Problem: Vor zehn Monaten hatten sie und ihr Mann Willy in ihrer Wohnung einen Wasserschaden. Teile der Küche wurden zwar herausgerissen, aber bis heute nicht ersetzt.

Willy I. erinnert sich an einen Tag im letzten November: «Ich schaltete die Herdplatte ein und stellte eine Pfanne Wasser für die Suppe darauf. Plötzlich wurde es taghell, und ich wurde nach hinten an den Kühlschrank geschleudert.» Wasser im Herd hatte zu einem Kurzschluss geführt.

Herd-Innenleben
Legende: Auch Laien sehen: Dieser Herd ist uralt und hat seinen Dienst getan. SRF

«Wir bekamen null Hilfe»

Die Demontage der verschimmelten Küche zog sich über Wochen hin. Für das Paar war keine verbindliche Planung einer seriösen Sanierung erkennbar. Darum haben sie seit Februar ihren Mietzins auf ein Sperrkonto hinterlegt.

Der Streit mit der Verwaltung eskalierte. Diese drohte mit der fristlosen Kündigung. Der Vorwurf: Die Mieter würden Handwerkern den Zugang zu ihrer Wohnung verwehren. «Das ist eine reine Behauptung der Verwaltung!», kontert Liz I.. Seit dem letztem März habe sich ja gar kein Handwerker mehr gemeldet, um einen Termin abzumachen. Und sie ergänzt: «Wir bekamen null Hilfe».

Herd-Installation
Legende: Stromschlaggefahr: Der Herd hätte so nie in Betrieb genommen werden dürfen. SRF

Einer der letzten Handwerker kam Ende Februar: Liz I. dokumentierte mit ihrer Handy-Kamera das Unfassbare: Ihr alter Herd wurde nach dem Kurzschluss wieder installiert – ohne fachgerechte Prüfung, einfach auf zwei Holzlatten unter die Küchenabdeckung geschoben. Eine solch fahrlässige Installation verstösst mehrfach gegen gesetzliche Normen. Der Herd darf so nicht gebraucht werden.

Das Paar beziffert ihre Extrakosten wegen dem Wasserschaden, dem Kurzschluss und der fehlenden Kochgelegenheit auf Tausende von Franken.

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Beat Leuthardt, Basler Mieterverband: «Das ist überaus verantwortungslos!»
Aus Kassensturz vom 15.09.2020.
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Verwaltung sieht sich nicht in der Verantwortung

Die Verwaltung, die Firma Strafin, lässt die schriftlich gestellten Fragen von «Kassensturz» unbeantwortet und schickt stattdessen ein Statement: «Diverse Dokumente und Belege» würden zeigen, dass das Mieterpaar eine Mitschuld an der verfahrenen Situation habe. Und was die Finanzen der Liegenschaft angehe: Da entscheide alleine der Eigentümer. Man sei aber dennoch um eine «rasche Lösung» bemüht.

«Kassensturz» möchte auch mit dem Eigentümer sprechen. Doch dieser lehnt jeglichen Kontakt ab. Im Verlauf der Recherche verkaufte der Eigentümer die Liegenschaft an eine Zürcher Immobilienfirma, ohne die Mieter zu informieren.

Mieterverband: Eigentümer hat Sorgfaltspflichten verletzt

Für Beat Leuthardt, Co-Geschäftsleiter vom Basler Mieterverband, ist klar: «Der Hauseigentümer haftet für Mängel an der Mietsache. Dann ist der Mietzins nicht mehr voll geschuldet. Hier kommt noch dazu, dass ein gefährlicher Herd reinstalliert wurde. Das ist überaus verantwortungslos!»

Die Befürchtung: Die neue Eigentümerin könnte bald allen Mietern kündigen, das Haus sanieren und dann viel teurer wieder vermieten. «Bei einem Eigentümerwechsel ist das ein üblicher Trick», weiss Leuthard.

Die neue Eigentümerin, die Firma Novavest, beschwichtigt per Email: Das werde nicht passieren. Und: Liz und Willy I. würden schon bald eine neue Küche bekommen.

Kassensturz, 15.09.2020, 21:05 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Wenn der Bürger sich freiwillig in Abhängigkeit hält. Die Schweiz könnte das Wohneigentum morgen schon fördern. Aber das wäre gerade für die Reichen ein Einkommensverlust. Wehe, der Bürger könnte über sein Leben selber bestimmen... Da lachen sich andere Nationen mit 80% Eingentumsanteil ins Fäustchen.
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    1. Antwort von Ueli Feuz  („Üeu“)
      Mit Ihnen einverstanden. Wir Schweizer ein Volk von Mietern mit ca. 70% im Vergleich mit Nachbarländern mit ca. 30%. Das hat auch damit zu tun, dass der Schweizer den Fünfer und das Weggli will und nicht bereit ist mal 20 Jahre zu sparen um die 20% Eigenkapital anzusparen die es für Eigentum braucht. Nein, er will auf nichts verzichten und auf Ferien schon gar nicht. Nimmt aber in Kauf, dass er mit 80zig noch aus der Wohnung geschmissen wird.
  • Kommentar von Curdin Epprecht  (Cuepli)
    Auch der Hauseigentümerverband HEV sollte ein Interesse haben, solche peniblen Praktiken nicht zu tolerieren und im Fall so zu intervenieren, so dass der Schaden innert 1 Woche behoben wird.
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Hier braucht es eine klare Bußgeld Katalog, und zwar so,, das es der Vermieter zünftig weh tut, bei asozialen verhalten. Aber so lange SVP und FDP an der Macht sind wird sich da nichts ändern.
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