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Mietzuschüsse für Betagte Wenn das Geld zum Wohnen kaum reicht

Legende: Audio Die Mietzinszuschüsse sollen angepasst werden abspielen. Laufzeit 02:44 Minuten.
02:44 min, aus HeuteMorgen vom 14.03.2018.
  • Zehntausende arme Renterinnen und Rentner erhalten zu wenig Ergänzungsleistungen für ihre Wohnungsmiete.
  • Die Betroffenen müssen sich die Wohnkosten sonstwo absparen.
  • Doch jetzt ist Hilfe in Sicht: Das Thema beschäftigt heute den Nationalrat.

Alleinstehende alte Menschen in der Schweiz erhalten maximal 1100 Franken als Mietzinszuschuss, Paare 1250 Franken. Diese Mietzinszuschüsse sind Teil der Ergänzungsleistungen. Sie wurden seit 2001 nie mehr angehoben.

Im gleichen Zeitraum aber stiegen die Mieten um mehr als 20 Prozent. In 24 von 26 Kantonen liegen die durchschnittlichen Mietzinse über den maximalen Zuschüssen, die arme alte Menschen fürs Wohnen erhalten.

Ein drängendes Problem

In den Beratungen von Pro Senectute seien die zu tiefen Mietzinszuschüsse eines der drängendsten Probleme, sagt Ex-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Sie ist Präsidentin der Pro Senectute.

«Der Leidensdruck der Betroffenen ist sehr hoch», sagt sie. Sie müssten sich die Miete vom Lebensbedarf absparen und könnten sich deshalb kaum mehr einen Kaffee oder eine Jassrunde in einem Restaurant gönnen. Folge: «Sie ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück.»

Vom Staat im Stich gelassen

Was es bedeutet, auf soziale Aktivitäten zu verzichten, bei Essen, Kleidern, Gesundheit zu sparen, oder Schulden zu machen, um die Miete zahlen zu können, weiss die 74-jährige Margrith Mirza aus Biel. Sie wohnt in einer winzigen Zweizimmerwohnung für 1200 Franken.

Nach Rechnungen und Miete blieben 20 Franken pro Tag übrig, erzählt sie. Freizeit und Ferien gibt es nicht mehr. Ein Spaziergang und ein Kaffee ist das einzige, was noch drin liegt. Mirza sagt: «Das kränkt.» Ein Leben lang sie als Damenschneiderin gearbeitet und Steuern bezahlt. Jetzt fühlt sich die Rentnerin vom Staat im Stich gelassen.

Symbolbild: Alte Frau vor einem Spiegel.
Legende: Die Ergänzungsleistungen reichen vielen Rentnern nicht, um die Miete zu bezahlen. Das soll nun ändern. Keystone

Revision auf gutem Weg

Pro Senectute-Präsidentin Widmer-Schlumpf versteht das. Jeder dritte Haushalt mit Ergänzungsleistungen müsse heute einen Teil der Miete selber berappen, sagt sie. Deshalb müssten die Mietzinszuschüsse dringend ans aktuelle Mietzinsniveau angepasst werden. Zudem müsse man die Zuschüsse der laufenden Preisentwicklung anpassen wie bei der AHV.

Das Parlament hat das Problem grundsätzlich schon vor Jahren erkannt. Die Räte wollten die Mietzinszuschüsse aber nicht einzeln regeln, sondern haben auf die Gesetzesrevision der Ergänzungsleistungen gewartet. Widmer-Schlumpf ist deshalb zuversichtlich, dass die Räte in der heutigen Debatte die vorgeschlagene Lösung durchwinken werden.

Revision des ELG

Die Frage der Mietzinszuschüsse macht bei der Revision des Ergänzungseistungsgesetzes (ELG) nur einen kleinen Teil aus. Für mehr Bürger Auswirkungen haben die Änderungen beim Vorbezug und der Auszahlung von Pensionskassenkapital. Die restriktivere Handhabung soll mithelfen, dass später weniger Rentner EL beantragen müssen. Ein anderer Punkt der Revision betrifft etwa die Höhe der Krankenkassenprämien-Zuschüsse. Die Vorlage war bereits im Ständerat, nun kommt sie in den Nationalrat.

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89 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Jorns (rjo)
    Alle selber schuld, ihr habt unsere Regierung so gewählt und die Abzocker, Geldverschleuderer, Profiteure usw. nicht in die Schranken gewiesen. Leider haben alle vergessen dass wir, das Volk, der Chef von unserern Politikern sind. Die Blauäugigkeit wird nun bestraft und trifft jetzt zuerst die sozial schwachen und Alten.
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    1. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      Danke für den guten Kommentar. Das denke ich als Bezüger von IV und Zusatzleistungen auch. Früher waren die Linken Parteien noch für die Mittellosen Menschen da. Heute nur noch für den eigenen Geldbeutel und die SP ist zur Elitepartei verkommen.
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    2. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Ich frage mich wirklich wie Sie zu dieser Überzeugung/Aussage kommen? Der Bundesrat, Ständerat und der Nationalrat sind in bürgerlichen Händen! Wenn es nach der FDP und der SVP gehen würde, dann wäre die AHV/IV bereits wieder abgeschafft. Seit Jahzehnten versuchen diese beiden Parteien die AHV/IV schlecht zu reden und zu demontieren. Warum? Weil Altersvorsorge privatangelegenheit ist, man mit der AHV kein Geld verdienen kann im Gegensatz zur Pensionskasse. Keine AHV = 2/3 Klassensystem!
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    3. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Herr Weiss, haben Sie die letzte Debatte im Rat mitverfolgt? Die SVP UND FDP wollen die EL kürzen, beschränken. Die SP wehrt sich dagegen! Ich frage mich woher Sie ihre Infos beziehen?
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    4. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      "? Der Bundesrat, Ständerat und der Nationalrat sind in bürgerlichen Händen! Wenn es nach der FDP und der SVP gehen würde, dann wäre die AHV/IV bereits wieder abgeschafft." Dies stimmt nicht. Weder der Bundesrat noch der Ständerat ist in Bürgerlichen Hand. Der Ständerat wird von der SP und CVP dominiert. Also-Mittelinks. Das die AHV,IV bereits abgeschafft würde, können Sie ganz sicher belegen, da diese Behauptung doch gewagt ist. Was tun denn genau die Grünen oder die SP für AHV/IV?
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    5. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      " Die SVP UND FDP wollen die EL kürzen, beschränken" Und warum? Erstens weil die SP und Grünen so verschwenderisch mit Steuergeld umgehen und diese Löcher gestopft werden müssen. Zweitens wegen dem Missbrauch. Dieser Missbrauch zu bekämpfen, bekämpft die SP und die Grünen. Es gibt viel Missbrauch. Ich gönne jedem der nicht so wie zb. ich ein IV-Fall ist. Man kann dann aber auch nicht erleben wie es ist. Betrüger machen allen wirklich erkrankten das Leben schwer. SP schaut leider nur für sich.
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    6. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Herr Weiss ihre Behauptung, dass keiner der Räte Bürgerlich ist, ist einfach falsch! BR - 2 SVP, 2 FDP, 2 SP und 1 CVP. Mit oder ohne CVP --> Bürgerlich! Wobei wahrscheinlich jeder Politologe sagen würde, dass CVP Bürgerlich ist, entgegen Ihrer Aussage? Ständerat - FDP 13, CVP 13, SP 12, SVP 6, GP 1, BD 1 --> Bürgerlich! Nationalrat - SVP 68, SP 43, FDP 33, CVP 30, GP 12, BD 7, GLP 7 --> Bürgerlich (auch ohne CVP)! Wenn ich die Sitze zusammenzähle komme ich immer zu einer Bürgerlichen Mehrheit!
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    7. Antwort von Steff Stemmer (Steff)
      Herr Weiss hier noch zwei Links zum Nachlesen betreffend dem Schlechtreden der FDP, SVP und UBS der AHV/IV: https://sichere-renten-ja.ch/2017/09/05/fdp-30-jahre/ http://pk-netz.ch/2017/06/08/av-2020-warum-die-ubs-die-ahv-schlechtredet/
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    8. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      Steffi Stemmer. Erstens der Ständerat ist Mitte-Links. Zeigen Sie doch die Experten welche die CVP als Mitte-Rechts bezeichnet. Gerade jetzt gibt es eine Bewegung innerhalb der CVP. Welche fordert, dass die Partei noch stärker nach Links rutscht. Wie sich der neue Bundesrat mit Herr Cassis entwickelt muss sich zeigen. Unter Burkhardt war er klar Mitte-Links. Sie zählen den Ständerat richtig auf und kommen auf Mitte-Rechts. Entschuldigung das kann nicht ihr ernst sein. NR klar Bürgerlich, Ja!
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    9. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      Die SVP wollte zb. dass nach der gescheiterten Abstimmung zur AHV-Reform Siehe Votum Fraktionspräsident Thomas Aeschi , der Bund solle die frei gewordenen 440 Millionen Franken dem AHV-Fonds geben. Weiter bekämpft die Partei die Betrüger. Welche uns Bedürftigen das Geld wegnehmen. als IV-Bezüger kann ich Ihnen sagen man muss für alles x-Bescheinigungen einreichen und nachweisen. Auch dieses Misstrauen entstand wegen den Betrügern, welche die SP zb. schützen will. Jahrelang Missbrauch verneinte
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    10. Antwort von Tobias Weiss (Weiss)
      Bitte um Entschuldigung. Ich wollte Steff Stemmer schreiben. Das war ein Fehler von mir. Genau so wie wenn man die CVP als Mitte-Rechts und nicht Mitte-Links sieht. Es tut mir leid.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Fangen wir doch an die Steuergeschenke auch Konzernzuschüsse zu nennen und nennen die Ergänzungsleitungen Leistungen, die alte Menschen erhalten für ihre Lebenswerk, dafür, dass sie da sind, für all das was sie der Gemeinschaft an Gutem und an Schwierigen beigetragen haben. Eine Leistung, die eine anständige Gesellschaft, die was auf sich hält, ihnen zukommen lässt. Denn die Qualität einer Gesellschaft misst sich daran, wie sie ihr Alten behandelt und nicht nach dem BIP.
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Warum laesst man Alte (Betagte) mit einem Minimum lebend so himmeltraurig im Stich... Erhoehung nach 17 Jahren... mich ueberkommt das Wuergen..
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