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Schweizer Käser will Milch aus Deutschland verarbeiten
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 22.01.2021.
abspielen. Laufzeit 01:37 Minuten.
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Milchimport aus Deutschland Bauern sind empört über deutsche Milch für Schweizer Käse

Eine Ostschweizer Käserei will drei Millionen Liter Milch aus Deutschland importieren. Für Schweizer Bauern «ein No-Go».

Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung liegt das Gesuch einer Käserei aus dem St. Galler Rheintal. Sie will drei Millionen Liter Milch aus Deutschland importieren. Die Schweizer Milchbauern machen Druck, dass der Zoll dieses Gesuch ablehnt.

«Verheerende Folgen» für Milchproduzenten

Aus den drei Millionen Litern deutscher Milch will die St. Galler Käserei Schweizer Käse für deutsche Grosshändler produzieren. Das ist der Plan. Weil aber die Milch in der Schweiz unter Grenzschutz steht, muss für den Import von ausländischer Milch zuerst noch die eidgenössische Zollverwaltung grünes Licht geben. Tut sie das, so hätte dieser Entscheid für die einheimischen Milchproduzenten verheerende Folgen, sagt Markus Berner, Geschäftsführer der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost VMMO.

Man hat Angst ein Präjudiz zu schaffen, dass andere kommen und sagen, wir machen das auch.
Autor: Markus BernerGeschäftsführer Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost VMMO

Würde diese Praxis Schule machen, dann würden die Schweizer Milchproduzenten ausgebootet, und es wäre nur noch eine Frage der Zeit, bis der Milchpreis auf EU-Niveau absinke.

Der Toggenburger Bio-Milchproduzent steht vor seinen Kühen im Stall.
Legende: Dass eine Schweizer Käserei Importmilch verarbeiten will, stösst dem Toggenburger Milchproduzent Urs Werder sauer auf. ZVG/VMMO

Gleicher Meinung ist Urs Werder, der einen Milchwirtschaftsbetrieb im Toggenburg führt. Dort produziert er Bio-Milch, die zu Appenzeller Käse verarbeitet wird.

Man kann nicht Milch einführen, weil wir hier genug haben. Das drückt auf unseren eigenen Milchpreis.
Autor: Urs WerderVorstandsmitglied Schweizer Milchproduzenten SMP

Wenn Milch importiert werde, dann sinke der Wert der Schweizer Milch und das könne er nicht akzeptieren, so Urs Werder weiter.

Kein Kommentar

Die Käserei selbst will zu ihrem Gesuch keine Stellung nehmen. Sie hat auf mehrmaliges Nachfragen von Radio SRF lediglich ausrichten lassen: «Kein Kommentar.» Warum will die Ostschweizer Käserei deutsche Milch importieren? Der Grund ist offensichtlich: Die deutsche Milch ist um einiges günstiger als die Schweizer Milch.

Hohe Zollabgaben

Laut dem Grenzschutz darf erst dann Milch importiert werden, wenn diese in der Schweiz Mangelware ist. Und das sei zurzeit nicht der Fall, sagt Berner weiter.

In der Schweiz herrscht kein Milchmangel.
Autor: Markus BernerGeschäftsführer Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost VMMO

Es gebe genug Milch in der Schweiz, sagt auch Andreas Widmer, Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands gegenüber Radio SRF. Man müsse den Milchproduzenten einfach genug dafür bezahlen, dann bekäme man diese Milch auch, ergänzt Berner.

Entscheid liegt beim Zoll

Um die einheimische Milch zu schützen, gelten in der Schweiz hohe Zollabgaben. Auf ein Kilo Milch werden 76 Rappen verrechnet. Weil aber im Fall der Ostschweizer Käserei die Milch zu Käse weiterverarbeitet und als Käse zurück nach Deutschland ginge, würde der Zoll wegfallen.

Ob ein Milchimport aus Deutschland für die Käserei im St. Galler Rheintal darum rechtens ist, muss nun die Eidgenössische Zollverwaltung entscheiden.

Regionaljournal Ostschweiz, 22.1.21, 06.32 Uhr; ;

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Suter  (Sut)
    Weshalb sollen Betriebe ausländische Milch nicht hier in der Schweiz verarbeiten. Machen wir ja mit vielen Produkten. Das Problem ist nachher die Deklaration.
    Wie soll der Käse heißen. Vorschlag: "Appenzeller mit deutscher Milch verarbeitet mit dem Geheimrezept ".
    Die Deklaration müsste eindeutig sein.
  • Kommentar von Charles Morgenthaler  (ChM)
    Manche stören sich daran, dass das Fertigprodukt als "schweizer Käse" in D verkauft werden soll.
    Aber man darf "schweizer Schokolade" weltweit verkaufen, obwohl das wichtigste Rohmaterial, der Kakao, z.B. aus der Elfenbeinküste kommt.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Charles Morgenthaler: Ich bezweifle die Vergleichbarkeit. Käse besteht nur aus Milch. Schokolode hat aber viele Zutaten. Die wichtigsten sind wieder Milch und Zucker, daneben Kakao, aber auch Nüsse, Honig usw. Deshalb ist es bei verarbeiteten Nahrungsmitteln etwas komplizierter mit der Herkunftsbezeichnung. Wie das genau geregelt ist, weiss ich nicht. Aber es sollte so sein, dass sich weder die Deutschen, die glauben Schweizer Käse zu kaufen, noch die Schweizer über den Tisch gezogen fühlen.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      In der Schweiz gibt es nun mal keinen Kakao. Das ist auch ein Unterschied.
      Aber mich ärgert es natürlich auch aus dem Grund, weil es ohnehin immer schwieriger wird in der Schweiz z.B. Rohmilch zu kaufen. Je mehr die Bauern unter Druck kommen und auf Fleischproduktion oder Selbstverarbeitung umstellen, desto schwieriger wird es.
    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      @Leu: Wenn eine gewisse Prozentzahl der Zutaten, die ich gerade auch nicht weiss, aus der Schweiz stammt, darf das Produkt als Schweizer Produkt vermarktet werden.
  • Kommentar von Robert Frei  (RFrei)
    In dieser ganzen Diskussion geht wohl vergessen, dass der Butterpreis (bei Coop und Migros) in den letzten Monaten klamm und heimlich erhöht wurde. So kosteten 200g Floralp Butter vor 1 Jahr 3.85, im Juni 3.95 und heute 4.15 Franken. Es ist an der Zeit, dass sich die Konsumenten hier mal entgegenstellen und nicht einfach immer nur blind Heimatschutz predigen.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Robert Frei: Ja hoffentlich auch! Ein Bauer erhält nur rund 50 Rappen pro Liter Milch, obwohl es ohne Bauern nicht einmal Milch gäbe. Ein neues Samsung-Smartphone kostet heute auch über Fr. 1'000. Vor wenigen Jahren waren es noch um die Fr. 600. Da hat auch niemand aufgeheult. Offenbar ist den Menschen das Smartphone wichtiger als die Milch, obwohl man das Smartphone nicht essen kann.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Durch Knappheit wurde kürzlich Butter auch aus dem Ausland verkauft, verpackt war er aber wie immer. Mir ist es insofern aufgefallen, weil die Farbe heller war, die Butter eher fade und es befand sich ein Luftloch im Ballen. Ein Blick auf die Herkunft zeigte EU. Gute Butter hat ihren Preis und ich sehe nicht ein, warum Mann/Frau immer nur bei den Lebensmitteln sparen möchte. Ich kann Herrn Leu nur beipflichten.
    3. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Wir haben uns mittlerweile schon so daran gewöhnt, wenig für Lebensmittel zu bezahlen, dass wir ein völlig falsches Verständnis von deren Wert haben. Menschen, die für unsere absolute Lebensgrundlage arbeiten, wollen wir so wenig wie möglich bezahlen. Menschen, die am Computer imaginäre Werte hin- und herschieben, werfen wir das Geld nur so nach. (Nichts gegen diese Menschen, auch deren Arbeit ist wichtig - aber das Verhältnis ist mittlerweile ungesund.)