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Legende: Video Bürgerdienst für alle Einwohner abspielen. Laufzeit 16:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.06.2019.
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Militär oder andere Einsätze Initiative will Dienstpflicht für alle

Ein Verein will das Miliz-System neu denken. Frauen, Männer und Ausländer sollen einen Bürgerdienst leisten.

Alle für einen, einer für alle. Wenn es ein Motto gibt, das die Schweiz ausmacht, dann ist es dieses – zumindest für Noémie Roten, Ko-Präsidentin des Vereins «Service Citoyen», Link öffnet in einem neuen Fenster. Der Verein arbeitet an einer Volksinitiative für einen «Bürgerdienst», eine Dienstpflicht für alle, die sich nicht auf die Armee beschränkt.

«Wir sehen die Schweiz als Eidgenossenschaft von Bürgern, wo sich jeder für seine Gemeinschaft engagiert. Wir sind der Staat», sagt die 30-Jährige. «Unser Politsystem, ja das ganze Erfolgsmodell Schweiz lebt vom Engagement der Bürger im Staat», so Roten. Doch habe dieses Engagement in den letzten Jahrzehnten immer mehr abgenommen. «Ein Bürgerdienst würde den Miliz-Geist neu beleben.»

Neuer Schwung für alte Idee

Die Idee eines Bürgerdiensts für alle ist nicht neu, doch wurden verschiedene parlamentarische Vorstösse dazu stets mit dem Verweis auf den sogenannten Loepfe-Bericht abgelehnt. Dieser Bericht, den der Bundesrat 2014 in Auftrag gegeben hatte, um das Dienstpflichtsystem zu untersuchen, erschien 2016, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Nun erlebt die Idee des Bürgerdiensts neuen Aufschwung. Hinter ihrem «Service Citoyen» stünden aber keine Armeegegner, betont Noémie Roten, schliesslich habe sie selber den Militärdienst absolviert. «In der RS war ich Lastwagenfahrerin», erzählt die Ökonomin.

Roten, die in Genf und Zürich lebt, hat zusammen mit ihren Mitstreitern inzwischen 18 Initianten aus der West- und Deutschschweiz um sich geschart, viele von ihnen politisch aktiv, bürgerlich bis links gerichtet. Den Verein «Service Citoyen» gibt es bereits seit 2013, er hat rund 60 Mitglieder.

Feuerwehrdienst oder Gemeinderats-Amt

Nun will die Truppe das Miliz-System mit einer Volksinitiative grundsätzlich umkrempeln. Die bisherige Dreiteilung in Militärdienst, Zivildienst und Zivilschutz will sie aufbrechen – und um weitere «Dienstbereiche» erweitern. So sollen auch Einsätze bei der freiwilligen Feuerwehr oder gar ein politisches Amt in einer Gemeinde als Bürgerdienst gelten können.

«Jede zweite Gemeinde hat Mühe, politisches Personal zu finden», so Roten. «Immer weniger Leute sind bereit, solche Ämter zu übernehmen.» Ein Bürgerdienst für alle würde dieser «Individualisierungs-Tendenz» entgegenwirken.

Legende: Video Noémie Roten: «Wir sind der Staat und wir engagieren uns für unsere Gemeinschaft» abspielen. Laufzeit 00:13 Minuten.
Aus News-Clip vom 10.06.2019.

Verschärfung des Personalmangels in der Armee?

Doch ist Zwang der richtige Weg, um den Miliz-Geist wiederzubeleben? Wie lässt sich eine so umfassende Initiative umsetzen? Droht mit der Ausweitung der Dienstbereiche nicht erst recht ein Personalmangel in der Armee? Die Initiative wirft auch viele kritische Fragen auf.

Noémie Roten gibt sich gelassen. «Durch den Bürgerdienst auch für Frauen würde der Rekrutierungspool der Armee verdoppelt.» Die Armee sei genug attraktiv. Und ansonsten könne der Bund immer noch Anreize schaffen, damit der Armeedienst sich mehr oder schneller lohne.

Ohnehin, aus ihrer Sicht überwögen die Chancen, so Roten. Etwa die Chance, auf mehr Zusammenhalt in der Gesellschaft. «Ich freue mich auf die Diskussionen.» Nächstes Jahr soll die Initiative lanciert werden.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Vielleicht sollten sich die Initianten bevor allfällige Unterschriften gesammelt werden, einmal den Artikel 4 der Europäischen Menschenrechtskonvention ein bisschen genauer studieren lassen. Ein juristisches Gutachten würde genügen. Zwangsarbeit und um genau das handelt es sich bei dieser Idee, ist nur sehr eingeschränkt möglich (Wehrpflicht). Mit anderen Worten, die Idee mag gut sein, sie ist leider irrelevant, da rechtlich nicht umsetzbar!
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  • Kommentar von Rahel Müller  (ichselbst)
    wie das die wohl arbeitgeber finden oder die eigenen kids.wenn man dann für solche zwangseinsätze irgendwo hin muss und seinen gewohnten pflichten nicht nachkommen kann.ich glaube kaum,dass mein chef Freude hätte,wenn ich dann nicht arbeiten kann und auch der chef meines mannes ,wenn er nicht zur arbeit kommt,weil er den kids schauen muss.engagement ist gut aber die folgewirkung von solchen pflichten wären doch sehr weitreichend und für den einzelnen sicherlich nicht einfach zu lösen
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    In 2005 war eine Überschwemmung im Dimtigtal. Ich war arbeitslos, habe mich angeboren bei der Gemeinde zum mithelfen aufraumen, die waren überfordert. Nie Antwort erhalten. Habe denn in eine betroffenen private Betrieb mitgeholfen. Darum frage ich mir wie sinnvoll und effektiv die Behörde damit können schaffe.
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