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Wettkampf der Spitäler – Weniger Spitäler = bessere Qualität?
Aus DOK vom 04.03.2021.
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Mindestfallzahlen So (un)routiniert operiert Ihr Spital

Das Wichtigste in Kürze

  • Jährlich werden tausende Operationen von Schweizer Spitälern durchgeführt, die darin keine oder kaum Routine aufweisen.
  • Dies zeigt eine exklusive Analyse von Fallzahlen aller Schweizer Akutspitäler aus dem Jahr 2018.
  • Das erhöhte Risiko dieser sogenannten Gelegenheitseingriffe tragen die Patientinnen und Patienten – meist ohne ihr Wissen.
  • Das interaktive Tool von SRF zeigt, welche Spitäler in Ihrer Umgebung welchen Eingriff wie oft vornehmen.

Nehmen Sie mal an, Sie hatten vor Jahren einen schweren Skiunfall. Trotz Physiotherapie sind die Schmerzen im linken Kniegelenk geblieben. Nach vielen Abklärungen und Gesprächen mit Ärzten gelangen sie zum Schluss: Ein künstliches Kniegelenk ist die letzte Lösung.

Jedes Jahr unterziehen sich in der Schweiz rund 14'000 Patientinnen und Patienten dieser Operation – ein sogenannter Routineeingriff also. Und weil in der Schweiz freie Spitalwahl herrscht, starten Sie selbst eine Recherche, welches Spital für eine solche Knie-OP in Frage kommt. Wählen Sie Ihre Gemeinde, um die Spitäler in Ihrer Umgebung anzuzeigen.

Neue Qualitätsindikatoren sind in Arbeit

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Fallzahlen sind aber nicht der einzige Hinweis für eine gute Behandlungsqualität. Es spielt zum Beispiel auch eine Rolle, wie erfahren einzelne Operateurinnen und Operateure (und das Team) sind oder über welche Infrastruktur ein Spital verfügt. Das BAG empfiehlt in seiner Dokumentation zu verschiedenen Qualitätsindikatoren der Akutspitäler, Link öffnet in einem neuen Fenster aber ausdrücklich, die Fallzahlen als Hinweis für die Erfahrung eines Spitals zu Rate zu ziehen.

Im April tritt die neueste Revision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) in Kraft. Diese soll eine Verbesserung der Qualitätsentwicklung in der medizinischen Versorgung und damit der Patientensicherheit bewirken. Neu wird auch eine ausserparlamentarische Eidgenössische Qualitätskommission, Link öffnet in einem neuen Fenster eingesetzt. Sie soll den Bundesrat und verschiedene Akteure beraten und neue Qualitätsindikatoren entwickeln. Gemäss Bundesrat soll in diesem Rahmen auch die Frage um Mindestfallzahlen neu aufgenommen werden. Auch die Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK empfiehlt, Link öffnet in einem neuen Fenster den Einsatz von Mindestfallzahlen, mit unterschiedlichen Schranken je nach Kanton. Gleichzeitig ist das Instrument nicht unumstritten. Gegner argumentieren damit, dass solche Schranken auch falsche Anreize zu unnötigen Operationen geben können.

Quellen und Methoden

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Die Daten zu den Fallzahlen der Akutspitäler stammen von H+ Die Spitäler der Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, dem Dachverband der Schweizer Spitäler. Die Fallzahlen für die Analyse wurden vom Bundesamt für Statistik (BFS) für das Jahr 2018 erhoben. Weil das Amt statistische Gewichtungen vornahm, können sich die Fallzahlen von den von den Spitälern gemeldeten Zahlen unterschieden. Ambiguität bei der Kodierung eines Falls sowie bei der Zuteilung zu einer Leistungsgruppe kann zu Ungenauigkeiten und Auffälligkeiten bei den verwendeten Fallzahlen führen.

Nicht alle Daten von spitalinfo.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster lassen sich auf die einzelnen Spitäler runterbrechen. In einigen Fällen liegen die Fallzahlen aggregiert für ganze Spitalgruppen vor. Im Fall von aggregierten Daten wurde ein Spitalstandort ausgewählt, der exemplarisch für die gesamte Spitalgruppe steht. Dies führt dazu, dass nicht alle aufgeführten Spitäler in der Analyse als eigenständiges Spital erscheinen. Zudem führen die aggregierten Daten dazu, dass die Problematik der Mindestfallzahlen für Spitäler innerhalb von Spitalgruppen eher unterschätzt wird.

Informationen zu den Zürcher Mindestfallzahlen sind von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, Link öffnet in einem neuen Fenster. Neben den betrachteten Mindestfallzahlen kennt der Kanton Zürich auch Mindestfallzahlen pro Operateur. Aufgrund fehlender Daten in diesem Detaillierungsgrad wurden diese nicht berücksichtigt.

Für die Typologisierung der Spitäler wurden die Kennzahlen der Schweizer Spitäler 2018, Link öffnet in einem neuen Fenster herangezogen.

Für die Fahrzeit werden die Koordinaten des Hauptorts in der jeweiligen Gemeinde verwendet. Für die Berechnung der Distanzen zwischen Gemeinden und Spitälern wurde die API von Openrouteservice, Link öffnet in einem neuen Fenster verwendet.

Dok, 4. März 2021, 20.15 Uhr

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11 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Fritz Feuz  (F. Feuz)
    Chapeaux ((Mehrzahl))!
    Ein megaguter Artikel über die öffentlich verfügbaren Informationen. Nur, wie gross sind die Grauzonen? Und, wie gross ist der Kundennutzen? Wäre es nicht angebrachter die Medien würden uns Konsumenten beim Erledigen unserer aktuellen Hausaufgaben unter die Arme greifen. Denn sonst wird das bühnenreife Theater, das z. Z. von den „Legislativen zu Bern“ zu einem Dauerbrenner.
    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Fritz Feuz
      Guten Tag. Vielen Dank für das Feedback. Wir nehmen Ihren Input gerne zur Kenntnis. Liebe Grüsse, SRF News.
  • Kommentar von Markus Greenaway  (markus greenaway)
    super geniale Zusammenstellung, Visualisierung !!!!
  • Kommentar von Claudia Lengwiler  (GELB)
    Ich fürchte, es werden auch unnötige Operationen gemacht, um die nötige Routine nachweisen zu können.