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Missbrauchte Internetadressen Statt Hebammeninfos ploppen Pornobilder auf

Legende: Audio Statt Hebammeninfos ploppen Pornobilder auf abspielen. Laufzeit 04:15 Minuten.
04:15 min, aus Espresso vom 26.11.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Trick des Internet-Milieus: Unter unverdächtigen Internetadressen taucht ein völlig anderer Inhalt auf, meist Werbebotschaften.
  • Bei der ehemaligen Webseite eines Berner Hebammendienstes sind es Sexinserate. Der Domain-Name war verwaist, ein Anbieter aus Russland hat ihn sich unter den Nagel gerissen.
  • Wer sich daran stört, kann bei der Polizei Anzeige erstatten. Unter Umständen verstossen solche Seiten gegen das Gesetz.

«Das ist die Höhe: Unter einem falschen Verpackungsnamen werden hier Leute auf eine Seite gelockt, die das nicht wollen», ärgert sich Patricia Diermeier. Sie betreibt das Internetportal «Babywelten».

Ein Leser habe sie auf das Problem aufmerksam gemacht, dass unter der scheinbar harmlosen Adresse der Berner Hebammenzentrale, auf die auch Diermeiers Portal hingewiesen hatte, pornografische Bilder und eindeutig zweideutige Inserate erscheinen.

Einst eine seriöse Seite

Das war nicht immer so: Ursprünglich verbarg sich hinter der Adresse tatsächlich auch das, was sie verspricht: Eine Hebammen-Vermittlungsstelle. Die Seite wurde aber laut der Organisation Switch, welche die ch-Adressen verwaltet, eingestellt.

Seit Kurzem gehört sie nun einem angeblich in St. Petersburg in Russland lebenden Mann – und dieser versucht offensichtlich, ahnungslose Ratsuchende mit seinem nicht jugendfreien Angebot zu überrumpeln.

Anzeige bei der Polizei könnte sich lohnen

Patricia Diermeier sagt, sie habe den Link umgehend gelöscht, nachdem sie den Hinweis auf den neuen Inhalt der Seite bekommen habe. Sie fragt sich nun, wie man dagegen vorgehen könnte.

Beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) heisst es, es komme ab und zu vor, dass sich jemand eine unverdächtige Adresse sichere, um seine Werbebotschaften oder pornografischen Inhalte zu publizieren. Wer sich daran störe und auch einen Gesetzesverstoss vermute, könne die Seite bei der Kantonspolizei des Wohnortes melden: «Diese prüft, ob ein Straftatbestand vorliegt und je nachdem, ob man die Seite sperren oder löschen müsste», erklärt Florian Näf, Mediensprecher des Fedpool.

Kein Schutz und Irreführung

IT-Jurist David Rosenthal nimmt einen Augenschein der anstössigen «Hebammen»-Seite und stellt fest: Es handelt sich hier nicht um verbotene Pornografie. Aber er sieht zwei Möglichkeiten, um rechtlich gegen den Anbieter vorzugehen.

Einerseits die Bestimmung im Strafgesetzbuch, wonach Pornografie nicht unaufgefordert und ohne Warnung gezeigt werden dürfe, wie in diesem Fall. Andererseits verbiete das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) eine Irreführung, wie in diesem Fall, wo man angesichts der Adresse eindeutig eine Hebammenvermittlung erwarte.

Eine solche Adressen-Inhalts-Schere im Internet gibt es übrigens auch unter einer ähnlichen Adresse für eine Zürcher Hebammenvermittlung. Hier ist der Inhalt allerdings gänzlich jugendfrei: Ein Cateringunternehmen bietet Apéro-Häppchen an.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    @schmidlin: Sie haben recht. Porn hat weder mit Moral noch Ethik zu tun und schon gar nichts mit Sexualität und Eros. Es ist ein ganz banales, lukratives Geschäftsmodell, wie die Waffen-Kriegsindustrie. Da ein paar Pimps, dort ein paar Konzernchefs, die sich an der Reduzierung vor allem der männlichen Spezies auf seine Reproduktionsorgane oder als Killerrobots eine goldene Nase verdienen. Wie immer auf Kosten aller, die ausbeutbar sind. Ein steiniger Weg den männliche Emanzipation zu gehen hat.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Es gibt Sex und es gibt Porno. Das kann/sollte man nicht vermischen.Da hilft eine offene Sexualerziehung wenig oder garnichts.
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  • Kommentar von Andre Baumann (AnBa)
    Auch ich habe die selbe Erfahrung gemacht. Ich hatte eine gutbesuchte Webseite. Mit erreichen des Pensionierungsalters und damit verbundenen Geschäftaufgabe wurde der Name meiner Webseite wieder frei. Ein Schuhdiscounter aus der EU hat dan den Namen genommen und die scheinbar unbrauchbare Ware mit meiner Adresse verschickt. Ich habe ein Mail an den Registrar in Amsterdam geschickt mit der Aufforderung den Account zu löschen was unerwartet sofortgeschah.
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