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Contact Tracing als Datenschleuder
Aus Espresso vom 16.12.2020.
abspielen. Laufzeit 04:40 Minuten.
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Missbrauchte Kontaktdaten Contact Tracing als Datenschleuder

Daten aus dem Contact Tracing dürfen nicht weiterverwendet werden. Trotzdem kommt das immer wieder vor. Ein Beispiel.

Wie ein gutes Glas Wein zu einem guten Essen, gehört mittlerweile auch die Angabe der Kontaktdaten zum Restaurantbesuch dazu. In der Covid-19-Verordnung des Bundes sind die Regeln für die Erfassung dieser Daten für das Contact Tracing klar definiert. Das sind die drei wichtigsten Punkte:

  • Die Kontaktdaten dürfen nur zum Zweck des Contact Tracing erfasst werden. Eine Verwendung der Daten für Marketing- oder Werbezwecke ist nicht zulässig.
  • Die Kontaktdaten müssen 14 Tagen aufbewahrt und anschliessend sofort vernichtet werden.
  • Es werden Name, Vorname, Wohnort, Telefonnummer und Sitzplatz- oder Tischnummer erhoben.

Nicht alle Gastronomen halten sich allerdings an diese Vorgaben. Ein «Espresso»-Hörer erzählt im SRF-Konsumentenmagazin, er habe sich bei einem Restaurantbesuch via QR-Code registriert und eine entsprechende Bestätigung per E-Mail erhalten.

So weit so gut. Nur: Später hat der Hörer noch eine weitere Mail im Posteingang. Es ist die Aufforderung des Restaurants, eine Online-Bewertung abzugeben. «Ich finde das verwerflich», sagt der «Espresso»-Hörer. Und auch Datenschützer sagen klipp und klar: Das geht nicht.

Restaurant bestätigt Fehler

Silvia Böhlen, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten sagt: «Diese Daten dürfen nur zum Zwecke des Contact Tracings gesammelt werden.» Es sei schon möglich, die Daten weiter zu verwenden, beispielsweise für Werbung. Dazu brauche es aber die ausdrückliche Einwilligung der Betroffenen.

Das betroffene Restaurant, das Alte Tramdepot in Bern, schreibt «Espresso» in einer Stellungnahme, man habe das Contact Tracing erst vor wenigen Tagen umgestellt und in das bestehende Reservationstool integriert. Und dabei habe sich ein Fehler eingeschlichen. Bei einer Online-Reservation verschicke das System automatisch die E-Mail mit der Bewertungsanfrage.

«Wir haben bis vor Ihrer Anfrage nicht bemerkt, dass diese Mail nun auch an alle Gäste geht, die sich mit dem QR-Code anmelden für das Contact Tracing. Diese Funktion haben wir jetzt rausgenommen. Es war in keinem Fall beabsichtig das Contact Tracing in irgendeiner Form weiterzuverwenden oder für neue Marketingzwecke zu verwenden.»

Espresso, 16.12.2020, 08:13 Uhr

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Kohl  (Fischers)
    Wenn die Corona App Nutzer den QR code scannen könnten. Könnte man diese Personen ja theoretisch über die App tracen?
    Aber was ist mit der App? Keine Innovation? Zu viele Nutzer?
    Das hätte evt. ein einheitliches System Schweizweit geschaffen...

    Leute ohne Handy könnten es von Hand weiterhin aufschreiben.
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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    Ich wäre auch dafür für die ganze Schweiz eine einzige Registrierung-Stelle zu haben.
    Dort könnten sich dann alle offene Restaurants anmelden.
    Damit wäre es einfacher auch den Datenschutz einzuhalten. Und wir hätten die Daten an einem Ort, wo man sie auch aggregieren könnte.
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    1. Antwort von Martin Ebnöther  (Venty)
      Eine tolle Idee. So brauchen etwaige Interessenten nur bei dieser Registrierstelle anzugreifen. Eine groessere uns besser sichtbare Zielscheibe koennte man gar nicht aufstellen.
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    2. Antwort von Martin Wyser  (Martin Wyser)
      Warum aggregieren? Ich will nicht, dass meine Daten aggregiert werden, oder sonstwie missbraucht für einen anderen Zweck als sie vorgesehen waren.
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    3. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      "Warum aggregieren? Ich will nicht, dass meine Daten aggregiert werden, oder sonstwie missbraucht für einen anderen Zweck als sie vorgesehen waren."

      Es geht um eine anonyme statistische Auswertung. Die Aggregation ermöglicht das, da werden einfach die Fälle als neutrale Zahlen gezählt, ohne weitere Angaben. Damit kann man im Gegenzug auch Risikozonen ausweisen, wie das seit Monaten der Fall in Südkorea oder Taiwan ist.
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  • Kommentar von Ursula Rheinganz  (UrsulaR)
    Ich habe auch den Eindruck, dass mit den Daten gehandelt wird. Da wir sehr selten in Restaurants essen, kann ich das gut verfolgen. Nach fast jedem QR-Login hatte ich 2-3 Tage später jede Menge Bettelbriefe im Spam-Ordner.
    Wieso hat man diese ansich sinnvoll Erfassung nicht gleich in die SwissCovidApp integriert. Das wäre ein Ort. Die Fichen monatlich offenlegen, Rapport an User und via Datenschützer könnten wir sicherstellen, dass der Prozess mit dem Löschen läuft. Wozu bezahlen wir Steuern?
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