Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Video E-Mountainbike-Boom in den Bergen abspielen. Laufzeit 02:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.08.2019.
Inhalt

Mit dem E-Bike am Berg Streit um Schweizer Wanderwege

Die SRF-User diskutierten rege über E-Bikes auf Wanderwegen. Wir sind einigen Kommentaren auf den Grund gegangen.

Die Schweizer Bergwelt erfreut nicht nur die Herzen der Wandernden. Immer häufiger sind Besucher auch auf Pneus unterwegs – per Bike oder sogar E-Bike. Das sorgt für Aufruhr und bewegte Kommentare der SRF-User.

«Die Rechtslage wäre eigentlich klar: Gemäss Art. 43 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) dürfen keinerlei Velos auf Wanderwegen fahren, und damit natürlich auch keine E-Bikes. Und leider sind auch die Behör-den offensichtlich nicht gewillt, auch nur schon auf dieses Verbot aufmerksam zu machen, geschweige es durchzusetzen.»Gustav DietrichZustimmen (414)Ablehnen (119)«Leider ist die Rechtslage nicht so, wie Sie diese darstellen. Das SVG gilt für öffentliche Strassen. Wanderwege sind keine Strassen. Man muss die kantonalen Gesetze konsultieren. In den meisten Kantonen ist das Befahren mit Velos von Waldstrassen und Wanderwegen erlaubt.»Christian MurerZustimmen (81)Ablehnen (37)

Das Strassenverkehrsgesetz hält fest:

Art. 43 im Strassenverkehrsgesetz

Wege, die sich für den Verkehr mit Motorfahrzeugen oder Fahrrädern nicht eignen oder offensichtlich nicht dafür bestimmt sind, wie Fuss- und Wanderwege, dürfen mit solchen Fahrzeugen nicht befahren werden.

Diese Regel gilt in der ganzen Schweiz und ist auch ohne entsprechende Signalisation gültig. Ob sich ein Weg jedoch eignet oder nicht, liegt im Ermessen des Bikers oder der Bikerin.

Aber: Dadurch, dass sich die Bikes in den letzten Jahren technisch rasch weiterentwickelt haben, kommt man mit ihnen auch auf steilen und gewundenen Strassen – oder eben Wanderwegen – voran. Und mit dem Aufkommen der E-Bikes fällt der sonst sehr kräftezehrende Akt viel leichter.

Unterschiedlich strenge Auslegung

Dadurch liegt es nun in der Kompetenz der Kantone, ihre Wege entsprechend freizugeben oder eben nicht. Im Kanton Appenzell-Innerrhoden ist das Biken beispielsweise sehr eingeschränkt. So dürfen sich Biker nur auf den dafür ausgeschilderten Pfaden aufhalten.

Im Kanton Graubünden sieht man das ein wenig lockerer. Wobei auch dort ausdrücklich festgehalten wird, dass Fussgänger auf gemeinsam genutzten Wegen immer den Vortritt geniessen.

Doch wo informiert man sich am besten über die geltenden Rechte des jeweiligen Kantons?

Michael Roschi ist Geschäftsleiter des Dachverbands «Schweizer Wanderwege», der sich um die gut 65’000 Kilometer Wanderweg in der Schweiz kümmert. Er rät: «Auskunft kann die jeweilige Tourismusregion am besten erteilen. Sie kennen die örtlichen Verhältnisse und die signalisierten Routen ebenso wie die erweiterte Infrastruktur.»

Sorgen um bestehende Wege

Einige SRF-User haben auch ihre Sorgen betreffend des Zustands der Wanderwege geäussert.

«Die Wanderwege aller Kantone werden durch freiwillige Helfer*innen «unterhalten». Wer macht dies bei den Bikern? Bei ihnen ist die Abnutzung der Wege wesentlich grösser und somit der Unterhalt aufwändiger. Wer soll den Mehraufwand letztlich bezahlen?»Heinz HugentoblerZustimmen (199)Ablehnen (20)

«Bezüglich der Instandhaltung der Wanderwege in Anbetracht der Nutzung durch E-Mountainbike-Fahrer und Fahrerinnen können wir aktuell noch keine Veränderungen beobachten», entgegnet Michael Roschi. Denn bei den E-Bikes handle es sich um eine sehr neue Fortbewegungsart und es liegen dazu noch keine konkreten Zahlen vor. Diese sollten aber in den nächsten Jahren erhoben werden.

SRF-User Markus Isenmann hatte die Idee auch die Biker beim Instandsetzen der Wege einzubeziehen.

«Wie bei den Wanderern sollten aber auch die Biker freiwillig zur finanziellen Unterstützung beitragen. Auch Biker können den Wanderwegorganisationen beitreten. Das wäre vielleicht mal eine Kampagne wert. Oder?»Markus Isenmann

«Dies ist ein guter Vorschlag und ist auch bereits in einigen Kantonen/Regionen Realität. Auf jeden Fall ist eine Beteiligung der Mountainbikenden am Wegunterhalt sehr erwünscht. Dies dient auch dem gegenseitigen Verständnis», findet Michael Roschi.

Ko-Existenz ist möglich

Nicht nur die rechtliche Auslegung und Sorge um den Zustand der Wege sorgte für erhitze Gemüter. Auch die «fehlende Toleranz» auf Seiten der Biker wird bemängelt.

Michael Roschis Empfehlung: «Die wichtigste Voraussetzung ist gegenseitige Toleranz. Der Wanderer hat auf dem Wanderweg immer Vortritt. Mountainbiker gefährden Wandernde nicht und verlangsamen ihr Tempo rechtzeitig, machen sich bemerkbar und machen den Wanderern Platz.» Mountainbiker haben ihre Fahrweise dem Können und der Wegbeschaffenheit anzupassen. Der Wanderer im Gegenzug behindert die Mountainbike Fahrer nicht absichtlich.»

So ist man beim Verband «Schweizer Wanderwege» der Meinung, dass an vielen Orten eine Ko-Existenz möglich ist. Besonders auf stark frequentierten Wegen setzte man sich jedoch wo möglich und sinnvoll für eine Entflechtung der verschiedenen Nutzergruppen ein.

Aus darstellerischen Gründen wurden einige User-Kommentare leicht gekürzt, inhaltlich aber nicht verändert.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

20 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Es braucht keine neuen Gesetze, Verbotstafeln und Kontrolleure, die Bussen ausstellen. Was es aber dringend braucht, ist gesunder Menschenverstand, Selbstverständlichkeiten (dass ein schmaler Wanderweg eben kein Biker-Weg ist) und Anstand gegenüber und untereinander, die sich in der freien Natur bewegen wollen! Wer diese Eigenschaften nicht hat oder missachtet, muss sich nicht wundern, wenn er (sie) beschimpft und verunglimpft wird (etwas, das in allen Lebensbereichen gilt!)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Oskar Schneider  (Oski2)
    Eigentlich sollte es gar keine Diskussion sein dass Wanderwege für Wanderer sind und nicht für Bikers aber die Biker wollen sich etwas holen was Ihnen nicht gehört und sobald sie Gewonnen haben, siehe sogennante Toleranz, dann sind Wanderer bloss lästig und müssen weg. Das ist der nächste Schritt. Alles mit Rädern hat nichts auf Wanderwegen verloren und unterliegt dem Strassengesetz.Gib den kleinen Finger und der Arm ist weg. PS Ich wandere nicht und habe kein Velo, finde bloss Gesetz zählt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Eine Entflechtung der Wander-/Bikerwege hätte zwar viele Vorteile, bedeutet aber noch mehr Infiltration des Menschen in die Natur. Ob auf Strassen, Flughäfen, in ÖV, Fussgängerzonen, Warenhäusern, an u.auf Gewässern... es ist immer wieder eine Frage des Masses, u.so wie es aussieht, wird es enden wie überall. Immer mehr Sommer- und Wintersportler fluten die letzten Refugien der Wildnis, geniessen die Natur, geben ihr nichts zurück. Fauna, ja selbst Flora finden keine Rückzugsmöglichkeiten mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen