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Recycling zu Dünger Mobile Plumpsklos als ökologische Revolution

Die Miet-Toiletten des Zürcher Anbieters Greenport sind rein biologisch. Statt Spülung gibt's Späne. Und am Ende wird alles zu Dünger.

Legende: Audio Kompost-Toiletten: Eine kleine Revolution abspielen. Laufzeit 4:43 Minuten.
4:43 min, aus Rendez-vous vom 06.09.2017.

Auch diesen Sommer wurden wieder mobile Toilettenhäuschen an Festivals, Openair-Kinos und Sportveranstaltungen aufgestellt. Normalerweise kommt in diesen temporären WC-Kabinen viel Chemie zum Einsatz, damit das, was in der Schüssel landet, möglichst schnell und geruchsfrei zersetzt wird.

Häuschen aus Tanne

Der Zürcher Anbieter Greenport geht seit letztem Jahr einen anderen Weg. Nur schon rein äusserlich unterscheidet sich die Kompost-Toilette von Marc Haueter von den üblichen bekannten Plastik-WC-Kabinen.

Vor einer Scheune im zürcherischen Birmensdorf präsentiert Haueter ein WC-Häuschen ganz aus Tannenholz. An der Tür prangt ein kleines Herz, im Innern sorgt ein kleiner Blumentopf für eine gemütliche Atmosphäre.

Hauter erklärt die Funktionsweise: «Der Topf ist unten mit Stroh ausgelegt. Man streut eine kleine Schaufel Sägemehl-Aktivkohle-Mischung darüber. Das Sägemehl ist dazu da, damit es schön aussieht und die Aktivkohle bindet den Geruch, damit es nicht stinkt. Es ist eine saubere Sache.»

Rohstoff für Pflanzendünger

Weniger sauber ist das, was in den Tanks der Toiletten zurückbleibt. Doch für Haueter und seine drei Greenport-Mitstreiter ist der pfundige WC-Inhalt ein wertvoller Rohstoff. Davon wollen sie kein Gramm, kein Tropfen verschwenden.

Wir haben das Ziel, alle Stoffe, die wir aus dem Abort gewinnen, wiederzuverwerten.
Autor: Marc HaueterGreenport

Konkret heisst das, dass der Urin und die Fäkalien in einem aufwändigen Prozess bei 800 Grad von Schadstoffen und Hormonrückständen befreit werden. Wichtige Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor bleiben zurück.

Diese Stoffe beschleunigen das Pflanzenwachstum, wenn sie in Form von Aktivkohle mit Komposterde vermischt werden.

Überliefertes Wissen der Indios

Die schwarze Erde, die daraus entsteht, ist im Amazonas-Gebiet schon seit hunderten von Jahren bekannt – als Terra Preta. «Man vermutet, dass diese Erde von den Indios mit ihren Schlachtabfällen, Fäkalien und Kohleabfälle produziert wurde. Sie haben das Material auf ihre Felder verteilt. Sie konnten damit die Bevölkerung ernähren, weil die Erde so schön fruchtbar ist.»

In der Masoala-Regenwald-Halle im Zürcher Zoo wird die Fäkalien-Erde aus den Birmensdorfer Miet-WCs seit letztem Jahr getestet. Die Ergebnisse mit Terra Preta seien verblüffend, sagt Chefbiologe Markus Bauert. «Wir haben vor zwei Jahren diesen Bananenhain angepflanzt und Terra Preta eingesetzt. Die Bananenstauden sind in kürzester Zeit vier oder fünf Meter gross geworden und tragen Früchte. Wir sind so begeistert, dass wir die Erde auch noch auf anderen Flächen einsetzen werden.»

Erde aus Menschenkot unter den Bäumen des Zoos Zürich sei kein Grund, sich zu ekeln, sagt Bauert.

Es ist absolut hygienisch, es riecht überhaupt nicht.
Autor: Markus BauertChefbiologe

Trotzdem habe es auch Zoo-intern Überzeugungsarbeit vor dem ersten Einsatz der Terra Preta gebraucht. Dabei, sagt Bauert, sei es überhaupt nichts Neues, menschliche Ausscheidungen als Dünger zu nutzen sei auch in der Schweiz überhaupt nichts Neues. «Für unsere Urgrosseltern und Grosseltern war das normal. Wir sollten unsere Rohstoffe nicht als Abfälle betrachten, sondern wir sollten sie nutzen, um die Produktivität zu erhöhen.»

Bewilligung zum Verkauf noch ausstehend

Auch Haueter in Birmenstorf spricht davon, dass seine Firma Greenport gesellschaftliche Hürden überwinden will. «Wir brechen ein Tabu, indem wir menschliche Fäkalien wiederverwerten und den Kreislauf schliessen können.»

Aktuell ist der Output von Greenport bescheiden, nur wenige Kubikmeter Erde pro Jahr. Für mehr fehlt dem Klein-Unternehmen Zeit und Geld. Ausserdem muss das Bundesamt für Landwirtschaft noch seinen Segen für den Verkauf der Terra Preta geben.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Also das muss man erst einmal im wahrsten Sinn verdauen. Es kann doch nicht möglich sein, dass alle Bakterien und Co entfernt werden können. Schon der Gedanke, dass meine. wunderschön aussehenden Rübli im Supermarkt, natürlich in der Bio-Abteilung, durch diese wunderbare Düngung zu solchen Prachtexemplaren herangewachsen sind. Ne,das könnte ich niemals und sicher kann mich da kein Mensch überzeugen.
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  • Kommentar von pablo quiles (pablo_q)
    Kompotoi macht das schon viel länger Schaut mal unter www.kompotoi.ch Sie Vermieten, Verkaufen und machen auch Festinstallationen. Viel spass beim durchschauen!!
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  • Kommentar von Max Roost (MaxRoost)
    Endlich einmal eine vernünftige Lösung . Man muss nicht unbedingt ein fanatischer Umweltschützer sein, um zu bgreifen , dass es ein Vergehen ist klares , sauberes und immer teurer werdendes Trinkwasser bei herkömmlichen WC hinunter zu lassen . Aber bis heute gab es ja keine andere Möglichkeit einer sauberen und hygienischen Lösung.
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