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Nach dem Regen die Mücken: Stehendes Wasser ist ein Paradies für die stechenden Tiere
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 03.08.2021.
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Mückenplage im Mittelland Verregneter Sommer führt zu einem Mückenjahr

Ungewohnt viele Mücken: Der nasse Sommer hat in der Schweiz Spuren hinterlassen, auch in der Natur.

Der regelmässige Regen, die hochstehenden Flüsse, noch ist nicht alles Wasser weg. Nach wie vor zeugen stehende Wasseransammlungen von den sommerlichen Gewittern – besonders im Mittelland. Für Stechmücken sind Pfützen und überschwemmte Felder der ideale Brutort und das spürt man aktuell zum Beispiel im Kanton Aargau oder auch im Zürcher Limmattal. Es surren vermehrt Mücken durch die Luft und stechen zu.

Legende: Überschwemmtes Kulturland im Aargauer Seetal. Ein Paradies für Stechmücken. Christiane Büchli/SRF

Wassermenge und Temperaturen stimmten für die Mücken, sagt Professor Alexander Mathis, Leiter der Abteilung Parasitologie an der Universität Zürich. Er leitet eine Forschungsgruppe, die sich unter anderem mit Stechmücken beschäftigt. Die Tiere benötigen nicht unbedingt klassische Sommertemperaturen: «Sobald es 20 Grad warm ist und stehende Gewässer zur Verfügung stehen, können die Weibchen der Stechmücken ihre Eier ablegen», erklärt Mathis.

Legende: Nur die Weibchen der Stechmücke stechen zu. Institut für Parasitologie, Uni Zürich

Parasitologie-Professor Alexander Mathis wohnt seit vielen Jahren in der Stadt Aarau und ist sich die grosse Anzahl der Stechmücken nicht gewohnt. «In Aarau hat es sonst nie so viele Mücken. Es hat momentan Stechmücken im Lift, in der Wohnung, auf der Terrasse. Es ist wirklich ein Mückenjahr», bestätigt er.

Es hat Stechmücken im Lift, in der Wohnung, auf der Terrasse. Es ist wirklich ein Mückenjahr.
Autor: Alexander Mathis Professor für Parasitologie an der Universität Zürich

In der Schweiz gibt es 30 bis 40 Mückenarten. Die Häufigste ist die gemeine Hausmücke. Eine ebenfalls weit verbreitete Mückenart ist die Buschmücke. Zu dieser wurde kürzlich in der Zürcher Gemeinde Dietikon ein Forschungsprojekt gestartet. In Rahmen dessen wolle man in Dietikon die Buschmücke zurückdrängen, so Mathis. Deshalb habe man die Bevölkerung gebeten, Brutstätten wie Wasserfässer abzudecken. Ähnliche Aufrufe gab es in Basel oder auch in Bern.

Eliminieren könne man die Mücken nicht. Man könne die Insekten zurückdrängen, im besten Fall die Population halbieren, sagt der Experte Alexander Mathis. Das Brüten unterbinden, ist es dafür dieses Jahr schon zu spät? Wahrscheinlich schon. Das Wasser bleibt an gewissen Orten im Flachland wohl noch eine Weile stehen, auch weil das Hochsommerwetter auf sich warten lässt. Mathis empfiehlt für die laufende Saison Insektengitter vor dem Schlafzimmerfenster zu montieren und Anti-Insekten-Mittel, die vor unangenehmen Stichen schützen.

Berner Kampf gegen Mücken

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Legende: Keystone

In der Stadt Bern haben Fachleute in den letzten beiden Jahren erstmals Tigermücken gefunden. Die Funde deuten darauf hin, dass sich die Asiatische Tigermücke im Quartier Schosshalde angesiedelt haben könnte. Die Fachleute gehen von einer lokalen Ansiedlung aus. Dennoch rufen sie dazu auf, das Ausbreiten der Mücke zu bekämpfen. Dabei sei die Mithilfe der Bevölkerung nötig.

Wasserbehälter sollen bis Ende Oktober wöchentlich entleert und mit einem Tuch oder einer Bürste gut ausgerieben werden, um allfällige Eiablagen zu entfernen. Es gilt, Regentonnen mit einem Deckel oder einem Mückennetz dicht zu verschliessen und Abflüsse und Dachrinnen regelmässig auf Verstopfungen zu kontrollieren und falls nötig zu reinigen.

Gewisse Kantone gehen seit Jahren mit Helikoptern in überschwemmten Gebieten auf Mückenjagd, darunter die Kantone Tessin, Freiburg und Waadt. Sie spritzen ein Bio-Pestizid auf überschwemmten Flächen. «​​​​​​​In der Magadinoebene und am Greyerzersee kontrollieren wir die Stechmücken mit einem eingespielten Team seit 30 Jahren», sagt Professor Peter Lüthy vom Institut der Mikrobiologie der ETH Zürich auf Anfrage von SRF.

Bald auch Heli-Einsätze im Mittelland?

Einsätze gegen die Wasserstadien der Stechmücken seien logistisch anspruchsvoll und sie benötigen Bewilligungen der Bundesämter für Umwelt, Gesundheit und Zivilluftfahrt, die meist Monate zuvor eingeholt werden müssen.

«Pläne für Interventionen gegen Stechmücken in den Kantonen Aargau und Solothurn bestehen zurzeit nicht», sagt Lüthy weiter. Man sei bisher immer dort aktiv geworden, wo die Bevölkerung Bekämpfungsmassnahmen verlangt habe oder der Tourismus durch Stechmückenplagen grosse Verluste erlitten hat.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 03.08.2021, 17:30 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Studer  (veee)
    Eigentlich bin ich sprachlos!
    Umwelterkrankte, und ich spreche von jenen, welche auf geringste Spuren von Chemikalien reagieren, ringen vergeblich seit Jahren um Anerkennung! Und unsere Behörden wissen nichts besseres, als die Umwelt von oben noch mehr zu vergiften?! Liebe Politiker und Umweltämter, wisst ihr eigentlich, dass wir dieses Zeug einatmen? Ihr nehmt seit Jahren steigende Zahlen an Allergikern in Kauf, wie lange wollt ihr Umwelterkrankungen noch verheimlichen? Schämt euch!
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Jetzt auch das noch, was uns die Klimaerwärmung neben Trockenheit und Dürren noch alles beschert.
  • Kommentar von Patrick Bolli  (Pat_)
    In Grönland schmilzt das ewige Eis so schnell wie no nie und man hat soeben den wärmsten Tag seit Beginn der Temperaturmessungen gemessen. Aber die Schweiz interessiert sich für mehr Mücken…traurige Welt..