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Bewertung der Häuser in Mitholz gestaltet sich schwierig
Aus HeuteMorgen vom 05.08.2021.
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Munitionslager wird geräumt Mitholzer Einwohner müssen umziehen – doch zu welchem Preis?

Immobilienexperten des Bundes versuchen die Häuser in Mitholz zu bewerten. Doch die Frage, wie viel Wert ein Haus in Mitholz hat, ist schwierig zu beantworten.

Das Haus von Peter und Verena Zumkehr steht nahe an der Bahnlinie, welche Bern mit dem Wallis verbindet. Unweit von ihnen schlummert der Sprengstoff im Felsen. Vor 51 Jahren hätten sie ihr Haus gebaut und seien eingezogen, sagt Peter Zumkehr.

Er versucht, seine Verbundenheit mit seinem Haus zu beschreiben. «Man kennt die Wände, man kennt die Fenster. Es ist einfach ein vertrautes Stück Umgebung.» Dieses Stück Umgebung wurde bereits durch die Experten bewertet. 

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Aus dem Archiv: Wie viel sind die Häuser in Mitholz wert?
05:55 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 01.04.2021.
abspielen. Laufzeit 05:55 Minuten.

Peter und Verena Zumkehr haben nun eine Zahl, welche für Mauern, Fenster, Heizung, für ihr Heim steht. Doch diese Zahl sei nicht viel wert, sagt Verena Zumkehr. «Was machen wir mit dieser Zahl, wenn wir sehen, dass das, was uns ringsherum ansprechen würde, nicht erreichbar ist?»

Individueller Geldbetrag?

Würde ihnen das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS das Haus zu diesem Preis abkaufen, könnten sie sich nichts Vergleichbares leisten im Tal. Den doppelten Betrag müssten sie dafür haben. Dass das Geld aus der Immobilienbewertung nicht ausreiche, habe er auch schon gehört, sagt Bruno Locher, der für das VBS diesen Prozess begleitet.

Er sagt, man müsse dem Rechnung tragen, «dass es grundsätzlich teurer wird, wenn man Richtung Frutigen, oder noch weiter nach Thun oder Spiez, ziehen muss.» Abhilfe schaffen könne ein individueller Betrag, der das VBS jeder Besitzerin und jedem Besitzer für seine Ersatzlösung draufzahle. 

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Aus dem Archiv: «Gleichbehandlung: Das gibt es nicht»
10:08 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 14.05.2021.
abspielen. Laufzeit 10:08 Minuten.

Doch das sei heikel, sagt Bruno Locher. Die Lösung müsse fair sein, damit nicht Neid und Unmut entstünden unter den Menschen in Mitholz. Sie müsse so tief sein, dass jene, die das Dorf verlassen müssen, sich nicht gegenseitig beim Kauf einer neuen Bleibe überbieten würden.

Sie müsse derart sein, damit Boden- oder Liegenschaftsbesitzer in der Region ihre Häuser nicht über den Marktpreisen verkaufen wollten, nur weil 170 Menschen aus Mitholz ein neues Zuhause brauchen.

Land- und Immobilienexperten aus der Region wie Paul Indermühle warnen. «Es würde einfach einen Druck, wahrscheinlich auch einen preislichen, geben, weil plötzlich die Nachfrage sehr stark steigt.» Druck auf das knappe Bauland, den verfügbaren Wohnraum, auf die Preise, auf den Markt.

Peter und Verena Zumkehr wünschen sich, dass das VBS ihr Haus einfach an einem neuen Ort wieder hinstellen würde. Doch das wird nicht gehen, wegen des Geldes und aus Platzgründen und weil es so sei, wie VBS-Chefin Viola Amherd gesagt habe. «‹Heimat kann man nicht ersetzen.› Sie ist nicht ganz von gestern», sagt Peter Zumkehr, der nicht schon morgen, aber irgendwann Mitholz verlassen muss.

Was ist in Mitholz passiert?

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  • Im Zweiten Weltkrieg war in Mitholz ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut worden.
  • 1947 waren Teile des Munitionsdepots in die Luft geflogen. Neun Personen starben.
  • 2018 kamen Experten zum Schluss, dass die vom Lager ausgehende Gefahr grösser ist als zuvor angenommen.
  • Im Dezember hat der Bundesrat beschlossen, dass das ehemalige Munitionslager der Armee in Mitholz definitiv geräumt wird.
  • Die Arbeiten starten nach 2030. Während rund zehn Jahren müssen die Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz aus Sicherheitsgründen das Dorf verlassen.

SRF4 News, HeuteMorgen, 05.08.2021, 06:00 Uhr

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46 Kommentare

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  • Kommentar von willi mosimann  (willi mosimann)
    Diese Kosten die hier entstehen müssten eigentlich aus dem normalen Rüstungskredit genommen werden. Am Ende bezahlt alles wieder der Steuerzahler was die Armee verursacht.
  • Kommentar von Beat Steiner  (BeSt)
    Verstehe nicht, warum nicht eine hohe Schutzmauer aus Stahlbeton während der Sanierung erstelkt wird. So könnte das Dorf geschützt und erhalten werden, ohne all die wirtschaftlichen und menschlichen Probleme.
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Aus meiner Sicht sollte das VBS die Liegenschaften überhaupt nicht abkaufen, sondern denen die wegziehen eine Miete in einem anderen Objekt für die Zeit der Sanierung bezahlen. Am Ende gehört das Objekt dann wieder dem ehemaligen Besitzer oder dessen Erben. Das heisst die Heimat bleibt, wenn auch für eine lange Zeit unerreichbar.
    1. Antwort von Mark R. Koller  (Mareko)
      An B. Reuteler: Nur ein Haus, das über 10 oder mehr Jahre nicht unterhalten und im Winter geheizt wird, ist danach eine verlotterte Ruine. Doch warum die Häuser nicht versetzen? Abbauen, transportieren und irgendwo in "Neumitholz" wieder aufbauen. Technisch sollte das möglich sein, die Nachbarschaften blieben erhalten und die Mitholzer würden sich am neuen Ort schnell wieder einleben, wenn ihnen das vertraute Haus erhalten bleibt. Das wäre mein Vorschlag.