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Wie das Museum zu Allerheiligen Menschen zusammenbringt
Aus Regionaljournal Zürich Schaffhausen vom 22.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:12 Minuten.
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Museums-Tour mit Flüchtlingen Ein fremder Blick auf alte Schaffhauser Schätze

Für einmal sind es keine Kuratorinnen oder Kunsthistoriker, die Besucherinnen und Besucher durchs Schaffhauser Museum zu Allerheiligen führen. Es sind Flüchtlinge. Flüchtlinge wie Sherin Abdulhannan aus Syrien und Hemen Saidpur aus Kurdistan/Iran.

Bettina Bussinger, Leiterin des Projekts, mit Sherin Abdulhannan und Hemen Saidpur.
Legende: Bereit für den ersten Auftritt: Bettina Bussinger, Leiterin des Projekts, mit Sherin Abdulhannan und Hemen Saidpur. SRF

Am Samstag gilt es für sie ernst, dann führen sie zum ersten Mal Flüchtlinge aber auch Einheimische durchs Museum in der ehemaligen Klosteranlage. Das braucht Mut. Die beiden haben ihn aufgebracht: «Man lernt etwas, dass man nicht im Deutschkurs lernen kann», sagt Hemen Saidpur. Und Sherin Abdulhannan wünschte sich, dass es mehr solche Möglichkeiten für Flüchtlinge geben würde: «Es ist wunderbar, es hilft mir auch mit der Sprache.»

Sherin Abdulhannan kniet vor einer Handmühle im Museum zu Allerheiligen
Legende: Ein Exponat weckt Erinnerungen: Die Mutter von Sherin Abdulhannan mahlte früher Mehl mit einer solchen Handmühle. SRF

Die ungewöhnlichen Führer zeigen auf ihren Rundgängen Objekte, die ihnen speziell aufgefallen sind. Immer wieder stossen sie dabei auf Dinge, die Erinnerungen an die Heimat wecken, sei es eine antike Handmühle oder Tonkrüge und Vasen aus der frühen Besiedlungsgeschichte der Region Schaffhausen. Es sind Objekte, die sich zu völlig unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Gegenden der Welt entwickelt haben.

Hemen Saidpur vor einer Vitrine mit römischen Tonkrügen und Vasen
Legende: Auch Hemen Saidpur hat ein Déjà-vu: In seiner Heimat hat er ähnliche Tonkrüge und Vasen gesehen. SRF

«Wie ist das möglich?», fragt sich Hemen Saidpur. Und nicht nur er. Es seien genau solche spannende Fragen, welche miteinander diskutiert werden könnten, sagt Bettina Bussinger: «Das bringt uns als Menschen einander näher», ist sie überzeugt. Der Austausch über diese ausgewählten Objekte sei wahnsinnig bereichernd für alle.

Wie werden Flüchtlinge zu Museums-Guides?

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Ihr Rüstzeug für die Führungen haben sich die Geflüchteten im Rahmen des Projekts conTAKT-museum erarbeitet, einer Initiative des Migros-Kulturprozents. Gemeinsam mit Verantwortlichen des Museums sowie Mitarbeitenden vom Haus der Kulturen und von conTAKT-museum sind in mehreren Workshops Rundgänge durchs Museum entstanden. Die Idee: Museen sollen für alle da sein und sich mehr öffnen, für Menschen von überall her. Insgesamt beteiligen sich sechs Museen in der Schweiz.

Gefragte Guides im Historischen Museum Bern

Im Historischen Museum Bern sind Flüchtlinge schon seit über einem Jahr als Tourguides unterwegs und führen Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellungen. «Das Angebot ist sehr beliebt», sagt Sprecherin Merja Rinderli auf Anfrage von Radio SRF. Es sei sogar so erfolgreich, dass ab Mitte Juli fünf neue Guides dazu gekommen seien – trotz widriger Umstände durch die Corona-Pandemie.

Halima Jemai, Museumsführerin aus Tunesien
Legende: In Bern führt zum Beispiel Halima Jemai durchs Bernische Historische Museum. Bernisches Historisches Museum Bern Foto: Stefan Wermuth

Eine von ihnen ist Dolmetscherin Halima Jemai aus Tunesien. Auf ihrem Rundgang spricht sie über das Verhältnis von Macht und Geschlecht in Tunesien und der Schweiz. Dabei lernen die Besucherinnen und Besucher einerseits die tunesische Kultur kennen, hinterfragen aber auch die eigenen Vorstellungen der Rollen von Mann und Frau.

Der direkte Kontakt zu den Flüchtlingen wird sehr geschätzt.
Autor: Merja RinderliLeiterin Marketing und Kommunikation, Bernisches Historisches Museum

Diese und andere Führungen seien eine nicht alltägliche Erfahrung, die geschätzt werde, sagt Merja Rinderli, «denn wer hat sonst schon direkten Kontakt zu Flüchtlingen?» Ausserdem erhielten altbekannte, seit Jahren ausgestellte Objekte durch den fremden Blick eine neue Bedeutung – oder – wie auf der Tour mit Halima Jemai – werden die eigenen Vorstellungen gespiegelt und neu bewertet.

Auch in Schaffhausen soll es nicht bei einem einmaligen Anlass bleiben. Geplant ist, dass die Führungen zu einem festen Angebot des Museums zu Allerheiligen werden.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 17:30 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Astrid Meier  (Swissmiss)
    Spannend, diese Möglichkeit muss ich unbedingt in Anspruch nehmen!
  • Kommentar von Heidi Müller Mermer  (Gelincik)
    Nachahmenswert, wir entdecken, was uns Menschen verbindet.
    1. Antwort von Javier López  (Javier López)
      Eigentlich sollte man über so einen Beitrag Freudensprünge machen. Warum 2 mit Ablehnen ihren Kommentar quittieren löst bei mir nur Kopfschütteln aus.
      Wie kann man gegenüber dem Zusammenleben nur so negativ eingestellt sein? Ich begreife es wirklich nicht!
      Ich könnte jetzt weiter schreiben aber dies wäre für den empfindlichen Schweizer Magen wirklich starke Kost.