Die Brandschutzkontrollen in der Unglücksbar in Crans-Montana fanden zu selten statt. Die Gemeinde ist ihrer Pflicht nicht nachgekommen. Das ist nach der Katastrophe der Silversternacht klar. Recherchen von RTS zeigen nun, dass die Behörden der Unterwalliser Gemeinde Leytron warnende Berichte ihrer Sicherheitsbeauftragten bewusst ignoriert haben. Auch der Kanton wusste davon – und reagierte nicht.
Unmissverständliche Warnung der Experten
«Gäste und Personal sind in Gefahr, solange die Räumlichkeiten nicht saniert sind», schrieben die Sicherheitsbeauftragten der Unterwalliser Gemeinde Leytron 2015 und erneut 2022 an die Betreiber des «Café de la Coop». Zu diesem gehört auch ein grosser Saal, wo die Blasmusik auftritt, Lotto gespielt wird und sich auch die lokale FDP trifft.
Die Sicherheitsfachleute von Leytron beanstandeten, dass im Gebäude mit Platz für bis zu 500 Personen die meisten Brandschutzmassnahmen nicht den Vorschriften entsprächen. So müsste etwa der Tankraum durch eine feuerfeste Tür verschlossen sein – war er aber nicht. Der Mangel wurde 2010, 2015 und erneut 2022 beanstandet.
Im Obergeschoss forderten die Sicherheitsbeauftragten, dass die Türen mit Panikgriffen ausgestattet werden. Auch das geschah nicht. Die Gemeinde warnte die Betreiber vor den Konsequenzen, sollten sie die Forderung der Sicherheitsbeauftragten nicht umsetzen. Doch nichts passierte.
2023 genehmigte der Gemeinderat von Leytron sogar den Weiterbetrieb des Saals mit der Anmerkung «so wie das bisher der Fall war». Man wolle die effiziente Nutzung der Räumlichkeiten sicherstellen, hiess es. Die Gemeinde überging also die Warnungen ihrer eigenen Sicherheitsbeauftragten.
Zuständiger Gemeinderat reagiert gelassen
Der für die Sicherheit zuständige Gemeinderat von Leytron, Pascal Collaud, stellt sich auf den Standpunkt, dass es unverhältnismässig wäre, Veranstaltungen im «Salle Coop» wegen der Brandschutznormen nicht mehr zuzulassen. Es gebe Alternativen wie zum Beispiel mehr Feuerlöscher oder mehr Sicherheitspersonal. Die Brandschutzvorkehrungen seien inzwischen verbessert worden oder die Arbeiten seien im Gang, so Collaud. Das brauche halt manchmal Zeit.
Über die Sicherheitsmängel in Leytron und die Tatsache, dass diese über Jahre nicht behoben wurden, war auch das Walliser Amt für Feuerwesen informiert. Es erhielt Kopien der Berichte und wurde vom Sicherheitsbeauftragten informiert, dass der Gemeinderat von Leytron seine Empfehlungen ignorierte.
Auf Anfrage von RTS gibt die kantonale Stelle zu, dass man, so weit man wisse, nichts unternommen habe. Mehr will man dort nicht dazu sagen. Auch der Sicherheitsbeauftragte, dessen Berichte ignoriert wurden, will sich nicht äussern.
Sind die Gemeinden überfordert?
Der Fall von Leytron zeigt, dass die mangelhafte Durchsetzung der Brandschutzvorschriften im Wallis nicht auf Crans-Montana beschränkt ist. Und beide Fälle werfen die Frage auf, ob der Kanton die Verantwortung für den Brandschutz tatsächlich fast vollständig den Gemeinden überlassen darf oder ob er nicht vielmehr Verantwortung übernehmen müsste. Insbesondere wenn er, wie im Fall von Leytron, gewarnt wird, dass die Gemeinde ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.