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Ein massiver Ernteausfall im Wallis
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 24.06.2021.
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Nach Frostnächten im April Wallis verzeichnet immensen Aprikosenernte-Ausfall

Einen solchen Verlust hat es seit über 30 Jahren nicht mehr gegeben: 85 Prozent der Erträge fallen weg. Das trifft die Bäuerinnen und Bauern hart.

Es ist ein düsteres Bild: Ganze Aprikosenplantagen ohne eine einzige Frucht – und das zu Erntebeginn. Schon im April zeichnete sich ab, dass die Ausbeute wegen der Frostschäden massiv geringer als sonst sein würde. Aber nun kommt es noch deutlich schlimmer als erwartet.

Wir rechnen damit, dass nur etwa 15 Prozent der üblichen Menge an Walliser Aprikosen geerntet werden können.
Autor: Georg BregyDienststelle für Landwirtschaft des Kantons Wallis

Georg Bregy von der Kantonalen Dienststelle für Landwirtschaft sagt: «Wie wir jetzt am Anfang der Ernte sehen, sind die Schäden sogar noch höher als damals geschätzt. Wir rechnen damit, dass nur etwa 15 Prozent der üblichen Menge an Walliser Aprikosen geerntet werden können. Das ist aussergewöhnlich wenig.»

«Dieses Jahr sieht die Ernte gar nicht gut aus.»

Normalerweise werden im Wallis pro Jahr rund 8500 Tonnen Aprikosen produziert, doch dieses Jahr sind es gerade mal 1300 Tonnen. Eine beispiellos tiefe Ernte. Besonders hart trifft es Aprikosenlandwirtschaftsbetriebe wie jenen von Bauer Heinrich Fux. Erstmals seit 25 Jahren kann er seinen Verkaufsstand nicht öffnen.

Er sagt: «Dieses Jahr sieht die Ernte gar nicht gut aus. Alles war zu 100 Prozent eingefroren. Das sind null Aprikosen.» Es reiche dieses Jahr nicht einmal für einen Aprikosenkuchen, sagt Fux.

Eine Versicherung ist zu teuer

Viele Aprikosenbauern verlieren ihr gesamtes Jahreseinkommen. So etwa auch der Unterwalliser Martin Vogel. Er sagt: «Das Jahreseinkommen ist weg. Das ist eine Katastrophe.»

Eine Versicherung habe er keine, denn die wäre viel zu teuer gewesen, fügt Vogel an. Er müsse jetzt von seinen Ersparnissen leben.

Immerhin: Der Kanton wolle helfen und Geld für Härtefälle bereitstellen, sagt Bregy von der Dienststelle für Landwirtschaft. Denn sonst würden wohl viele Aprikosenbauern schon bald das Handtuch werfen.

Auch andere spüren die Ausfälle

Nicht nur die Walliser Bauern leiden, sondern auch die Aprikosen-Händlerinnen und Händler sind betroffen. So zum Beispiel Manuela Bayard. Seit 15 Jahren betreibt die Geschäftsfrau aus Susten elf Stände entlang der Walliser Kantonsstrasse sowie drei in Thun. Doch die Stände im Kanton Bern bleiben dieses Jahr geschlossen. Manuela Bayard sagt: «In einem normalen Jahr verkaufen wir rund 65 Tonnen, dieses Jahr werden es höchstens 45 Tonnen sein. Dies aber nur, wenn mir die versprochenen Aprikosen tatsächlich auch geliefert werden.»

Ich hoffe, die versprochenen Aprikosen werden geliefert.
Autor: Manuela BayardAprikosen-Händlerin

Normalerweise kann Manuela Bayard ihre Stände ab dem 20. Juni öffnen. Dieses Jahr wird das frühstens Anfang Juli der Fall sein, weil es im Moment noch zu wenig Aprikosen gibt. An ihren Ständen verkauft sie auch Aprikosen-Konfitüre und Aprikosenschnaps. «Dieses Jahr kann ich leider keinen Schnaps brennen lassen», sagt Bayard.

Aus den Aprikosen, die sie nicht verkaufen könne, werde sie Konfitüre herstellen. Dies sei dringend nötig für ihren Online-Shop. «Die Aprikosen-Konfitüre ist derzeit sehr begehrt. Ich brauche dringend Nachschub.»

HeuteMorgen, 24.06.2021, 06:00 Uhr

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50 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Wetterkapriolen sind nicht neu, mag mich an einen Sommer erinnern, da gab es Schnee im Juli beim Heuen. Hagelschäden, Windböen gab es auch die zu Ernteausfällen führten. Eiszeit darf auch nicht vergessen werden. Dass es eher öfter und heftiger vorkommt, hat vielleicht auch mit dem Ressourcenverbrauch der Menschen zu tun. Auf dem Planet leben heute 2/3 mehr Menschen, innerhalb einer Generation, dies schlägt bestimmt auch aufs Klima, durch höheren Ressourcenverbrauch. Jeder kann etwas beitragen.
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      An unserer Hauswand hängt heuer auch keine einzige Aprikose. Wir verlieren uns seit Jahren im Detail! Unzählige Massnahmen gegen Klimaerwärmung, in jeder Beziehung neue Einschränkungen, Regeln, Gesetze, Verbote, Empfehlungen, Gebühren, Steuern... und selbstverständlich Enttäuschungen, weil sich kaum einer nachhaltig verhält, wohin wird das führen? Wie sinnvoll ist denn das alles, wenn gleichzeitig exponentiell derzeit pro Jahr die Welt um etwa 100 Millionen naturunverträgliche Menschen zunimmt?
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Die Klima Veränderung und die Verschiebung im 4 Jagreszeiten Zyklus haben besonders Folgen für unsere Früchte und Obst Bauern!
    Frost und Hagel bedrohen und zerstören immer öfters die Ernte
    Von Obst, Aprikosen, Kirschen Kulturen und es stellt sich die Frage wie und ob die Anbaumethoden geändert werden müssen oder überhaupt können?
    1. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Die Verschiebung hat auch Folgen für bspw.Wildbienen, Änderungen u.Umdenken wäre auch hier angesagt. Salweiden zB blühen zunehmend zu Unzeiten, viel zu früh, Wochen bevor jene Spezialistinnen unter den Wildbienen fliegen, welche nur auf Weiden, mit Vorliebe auf Salweiden Pollen sammeln. Es wäre deshalb auch für sie wichtig, späte Sorten wie zB männl.Schwarzweiden zu pflanzen. Privatgartenbesitzer hätten hier Gelegenheit, ihren Beitrag an der Natur zu leisten, endlich mit ihren Exoten abzufahren.
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Mein Steuergeld jederzeit für die Walliser Aprikosenbauern (&alle anderen Bauern) zur Entschädigung bei Ernteausfall.
    Mein Steuergeld zu keiner Zeit für den Kauf von Luftferraris, und damit zur Füllung fremder Taschen, die eh schon bersten.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Werner Gürr: Ich kann auf meiner Steuererklärung nicht ankreuzen wer mein Geld erhält. So könnte ein Staat zusammenpacken.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Da bin ich nicht mal so sicher Herr Leu. Wäre mal interessant die Leute beim Ausfüllen der Steuererklärung zu fragen, für was ihr Geld ausgegeben werden sollte. Meine ersten 3 Plätze wären belegt durch Bildung auf jeder Stufe, Grundeinkommen und Nachhaltigkeit. Und Ihre?
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Felix Meyer: Mit à la carte funktioniert kein Staat. Dazu gibt es bereits den Markt. Jeder würde nur das ankreuzen, was ihm in seiner momentanen Lebenssituation gerade kurzfristig einen Vorteil bringt. Sie sehen ja, wie weit Sie mit Freiwilligkeit und Spenden im Umweltschutz kommen. Nirgendwohin! Der Sinn des Staates ist es ja gerade, das Ganze im Auge zu behalten.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Leu, Mit meinem Kommentar habe ich lediglich die vielseitigen Interessen aufzeigen wollen, wie Steuern verwendet werden sollen. Ob dies wirklich ein grosser Unterschied zu den effektiven Ausgaben ist, bin ich nicht überzeugt. Wahrscheinlich wird es sich im ähnlichen Rahmen bewegen. Und mir reicht schon alleine die gedankliche Verteilung meines Beitrages. Vielleicht wäre sogar der Umweltschutz besser dran, wer weiss. Der Staat sind ja schlussendlich wir alle, also das Volk. Und wer bestimmt?
    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Felix Meyer: Wie gut der Umweltschutz dran ist, wenn die Bevölkerung selber bestimmen kann, haben Sie ja am letzten Sonntag gesehen: Null. Damit die Staatsausgaben auch langfristig effizient eingesetzt werden und nicht der Maximierung des individuellen Glücks dienen, haben wir bereits einen Rechtsstaat mit Parlament und Regierung, der das organisieren sollte. Dort ist ein demokratisch legitimierter Prozess festgelegt, um Einnahmen und Ausgaben der öffentlichen Hand zu bestimmen.
    6. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Leu, Genau durch die Abstimmung geschieht im Moment nichts mehr im Bereich C02. Angenommen die unterlegenen 48.41% würden trotzdem die Vorlage für sich umsetzen, könnte vielleicht die Mehrheit umgestimmt werden, sobald sie merkt, es funktioniert. Natürlich ist das utopisch, aber ich finde es langweilig und ideenlos immer in den gleichen Gedankengängen stecken zu bleiben. Mit dieser Einstellung wären wahrscheinlich viele Ideen und Visionen nie umgesetzt worden.