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Nach geleakten Angriffs-Plänen Natalie Ricklis Gegenkandidat entschuldigt sich

Grosse Aufregung kurz vor Natalie Ricklis Nomination als Regierungsrats-Kandidatin durch die Zürcher SVP-Delegierten. Das Verhalten von Ricklis Opponenten Christian Lucek wirft Fragen nach dem Umgang mit Frauen in der SVP auf.

Legende: Video So geht das nicht, sagen SVP-Frauen abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.09.2018.

Am Abend hat die Zürcher SVP entschieden, neben Finanzdirektor Ernst Stocker Natalie Rickli ins Rennen um einen Sitz im Regierungsrat zu schicken. Im Vorfeld hatte Ricklis parteiinterner Gegenkandidat Christian Lucek mächtig für Wirbel gesorgt. In einem E-Mail, das der Tagesanzeiger öffentlich machte, hatte er Parteikollegen aufgefordert, Rickli mit persönlichen Fragen zu ihrem Zivilstand und ihrer Familiensituation zu konfrontieren.

Kurz vor dem Anlass entschuldigte sich Lucek gegenüber «10vor10» dafür: «Ich habe am Morgen mit Natalie Rickli gesprochen. Mit den Erfahrungen aus dem Gespräch muss ich sagen, dass ich einen Fehler gemacht habe. Es tut mir leid.»

Mich hat irritiert, dass Natalie Rickli ihren Zivilstand bei der Einreichung der Bewerbungsunterlagen nicht öffentlich machen wollte.
Autor: Christian Lucek

Gleichzeitig besteht er aber darauf, die Intervention bei den Parteikollegen sei sachlich begründet gewesen: «Mich hat irritiert, dass Natalie Rickli ihren Zivilstand bei der Einreichung der Bewerbungsunterlagen nicht öffentlich machen wollte. Ich war der Meinung, man sollte transparent sein.»

SVP-Frauen wehren sich für Rickli

Längst sorgen Luceks Äusserungen weit über die Kantonsgrenzen hinaus für Empörung. Verschiedene SVP-Parlamentarierinnen bringen ihre Verärgerung zum Ausdruck. Die Luzerner Nationalrätin Yvette Estermann fordert ihre männlichen Kollegen zu mehr Fair-Play gegenüber Frauen auf: «Ein starker Mann hat solche Äusserungen nicht nötig. Vielleicht sehnen sich gewisse Männer nach den Monokulturen von früher, als sie alleine bestimmen konnten.» Aber das sei heute vorbei.

Legende: Video Estermann: «Es gibt Nachholbedarf» abspielen. Laufzeit 00:05 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.09.2018.

Auch die SVP-Nationalrätin Nadja Pieren zeigt sich über das Vorgehen von Lucek entrüstet: «Als Mitkandidat mit einem E-Mail zu solchen Fragen aufzurufen, ist nicht tolerierbar.»

Zurückhaltender äussert sich Pierens Nationalratskollegin Andrea Geissbühler. Auch sie zeigt sich zwar erstaunt ob den Äusserungen Luceks: «Ich frage mich, was seine Motivation dabei ist. Die Sache nützt am Ende des Tages seiner Gegenkandidatin und ganz sicher nicht ihm.» Aber: Sie will nicht, dass wegen des Vorfalls eine generelle Debatte über die ungerechte Behandlung von Frauen in der SVP ausgelöst wird: «Ich habe in der SVP nie schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht.»

Die ehemalige SVP-Nationalrätin Ursula Haller sieht das anders. «Vordergründig ist man zwar stolz auf die SVP-Frauen. Aber sobald sie Männern gefährlich werden, ist jedes Mittel recht, um sie zu verhindern.»

Politologe spricht von grundsätzlichem Problem

Auch der Politologe Michael Hermann sagt, dass die SVP noch immer ein Männer-Club sei. Luceks Äusserungen kommen für ihn deshalb nicht überraschend: «Auf subtile Art findet man Vorurteile und Vorstellungen zu Frauen überall in der Politik. Aber Linke sind wegen der hohen Frauenbeteiligungen in ihren Reihen sensibilisierter auf das Thema.»

Linke sind wegen der hohen Frauenbeteiligungen in ihren Reihen sensibilisierter auf das Thema.
Autor: Michael HermannPolitologe

Hermann beobachtet, dass Frauen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen noch immer auf die Geschlechterfrage reduziert werden: «Macht ein Mann einen Fehler, ist das in der öffentlichen Wahrnehmung kein Männerproblem. Bei Frauen schon.»

Legende: Video Hermann: «Die SVP ist ungeschminkter» abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus 10vor10 vom 11.09.2018.

Hermann gibt sich aber zuversichtlich, dass Äusserungen wie jene Luceks heutzutage keinen breiten Zuspruch mehr finden: «Man sieht, dass die Sensibilität der Öffentlichkeit für die Frauenfrage grösser geworden ist.» Das läge primär daran, dass die Frauen sich inzwischen entschieden gegen persönliche Angriffe wehrten.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Errinnert irgendwie ans Motorradrennen vom Wochenende:BeimUeberholversuch greift man dem Gegner an den Bremshebel.Fenati wurde umgehend suspendiert und entlassen...
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  • Kommentar von A. Zuckermann (azu)
    Man frage mal SVP-Fraktionschef wie Er die Rolle der Frau in der Gesellschaft sieht… Erschreckend! Es ist Zeit für eine Korrektur. Die nächste Möglichkeit sind die Wahlen im Oktober 2019. Save the Date!
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Der Zivilstand ist Privatsache Herr Lucek und gehört nicht in einen Wahlkampf. Ihre Feststellung müsste Sie und dürfte Sie also gar nicht irritieren, es geht Sie nichts an, wer mit wem verlobt, verliebt oder verbunden ist. - « Mich hat irritiert, dass Natalie Rickli ihren Zivilstand bei der Einreichung der Bewerbungsunterlagen nicht öffentlich machen wollte. » Autor: Christian Lucek !!! - So viel Anstand darf es sein, nein muss es gar sein !
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