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Nach jahrelangen Verhandlungen Velokuriere sollen Gesamtarbeitsvertrag erhalten

Die Velokuriere sind zwar flexibel einsetzbar, aber oft auch sozial wenig abgesichert – nun soll sich das ändern.

Legende: Audio Velokuriere erhalten einen Gesamtarbeitsvertrag abspielen. Laufzeit 01:49 Minuten.
01:49 min, aus HeuteMorgen vom 30.10.2018.

Ein Anruf oder eine E-Mail genügt, und schon sind sie auf Achse, die Velokuriere. Sie sind nicht nur blitzschnell in den Städten unterwegs, sondern auch ein Sinnbild für das moderne Wirtschafts- und Arbeitsleben. Sie sind flexibel einsetzbar, allerdings häufig auch sozial wenig abgesichert und abhängig von Aufträgen. Gewerkschaften und Arbeitgeber haben nun zum ersten Mal in der Schweiz einen Gesamtarbeitsvertrag für Velokuriere abgeschlossen.

David Roth, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syndicom.
Legende: David Roth, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syndicom, äussert sich zum abgeschlossenen Gesamtarbeitsvertrag. Keystone/Archiv

Es waren jahrelange und schwierige Verhandlungen, doch nun steht der Gesamtarbeitsvertrag für die Schweizer Velokuriere. Das bestätigt David Roth, Zentralsekretär der Gewerkschaft Syndicom.

«Dieser Schritt ist enorm wichtig für diese Branche», sagt Roth. Und er erklärt weiter: «Gerade im Ausland sehen wir, wie in den Kurierdiensten die Arbeitsbedingungen und das Lohniveau sehr stark unter Druck sind – gerade durch die internationalen Milliardenkonzerne.» Das sind Konzerne wie zum Beispiel Kurierunternehmen wie Foodora oder Deliveroo.

Dieser Schritt ist enorm wichtig für diese Branche.
Autor: David RothZentralsekretär Gewerkschaft Syndicom

Solche internationalen Grosskonzerne werden in naher Zukunft ebenfalls in der Schweiz aktiv sein; das erwarten sowohl die Gewerkschaften wie auch die Schweizer Kurierunternehmen.

Ausländische Konkurrez soll sich an gleiche Regeln halten

Deshalb begrüsst auch Hans Ulrich Köhli, Präsident des Arbeitgeberverbandes Swiss Messenger Logistics, den Gesamtarbeitsvertrag. «Wir wollen natürlich auch, dass die Konkurrenz, die jetzt durch grosse Milliardenfirmen entsteht, auch dort Löhne bezahlt, die wirklich ein Leben ermöglichen», sagt Köhli.

Es sollten nämlich die gleichen Spielregeln für Schweizer Kurierunternehmen und für ihre ausländischen Konkurrenten gelten, die hier auf den Markt treten – das verlangt Köhli. Dazu müsste es in Zukunft aber möglich sein, dass der Gesamtarbeitsvertrag für die ganze Branche als allgemeinverbindlich gilt.

Wir wollen natürlich auch, dass die Konkurrenz auch dort Löhne bezahlt, die wirklich ein Leben ermöglichen.
Autor: Hans Ulrich KöhliPräsident Arbeitgeberverband SwissMessengerLogistics

Für die Gewerkschaften wiederum, die bislang vor allem in traditionellen Dienstleistungs- und Industriebereichen verwurzelt waren, ist es wichtig zu zeigen, dass sie nun auch in einer modernen, digitalisierten und flexiblen Wirtschaft eine Rolle spielen und einen Gesamtarbeitsvertrag aushandeln konnten.

Weder Gewerkschaften noch Arbeitgeber wollen sich im Moment zu den Details des jetzt abgeschlossenen Gesamtarbeitsvertrags äussern, denn: Der Vertrag muss zuerst noch von den Verbandsgremien abgesegnet werden.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Und bereits ist wieder eine Branche konkurenzlos zu teuer im Wettbewerb... Und wieder legt sich eine Branche einen Strick um den Hals. Unverständlich. Velokurieredienste werden in Zukunft nur noch der Staat oder int. Grosskonzerne anbieten können. Wann merken wir es denn?
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  • Kommentar von M. Jaeger (jegerlein)
    Sie haben einen GAV erhalten und dürfen nun die paritäischen Zwangsabgaben an die Gewerkschaften abliefern. Jeder GAV ist eine Intensiv-Cashmaschine für die UNIA.
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  • Kommentar von Alex Moser (AM)
    Ich sehe den Sinn in diesen GAV betreffend den "ausländischen Milliardenkonzernen" durchaus - problematisch ist aber, dass er vor allem die kleinen, schweizerischen Velokuriere betreffend wird und diese nach und nach von der Bildfläche verschwinden werden. Aber eben, die "Milliardenkonzerne" werden einspringen - und das ist ja schlussendlich das Ziel: die KMU ausbluten lassen und durch erpressbare Grosskonzerne ersetzen - nicht nur in dieser Branche!
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