Nach jahrelanger Vorbereitung hat die jüdische Gemeinde in Zürich ihren Eruv fertiggestellt. Diese symbolisch abgegrenzte Zone erlaubt es streng gläubigen Jüdinnen und Juden, während des Sabbats bestimmte Tätigkeiten auszuführen, die im öffentlichen Raum sonst verboten sind.
Dazu gehört das Tragen von Gegenständen, etwa von Gebetbüchern und Mahlzeiten. Auch die Benutzung eines Rollstuhls oder das Schieben eines Kinderwagens sind untersagt.
«Auch kleine Kinder, die noch nicht selbst gehen können, gelten als Gegenstände, die man nicht mitnehmen darf», führt Initiant Cédric Bollag aus.
Ein Spaziergang mit der ganzen Familie sei während des Sabbats deshalb nicht möglich gewesen. «Dank des Eruvs können Jüdinnen und Juden nun mehr am sozialen Leben teilnehmen, auch als ganze Familie.»
Nylonschnüre machen Zone komplett
Die Grenze des Eruvs erstreckt sich über rund 18 Kilometer und umfasst mehr als Hundert definierte Punkte in den Quartieren Wiedikon, Enge und Wollishofen, wo die meisten orthodoxen Jüdinnen und Juden leben.
Wie Projektleiter Cédric Bollag erklärt, konnte ein grosser Teil der Abgrenzung mithilfe bereits vorhandener baulicher Elemente wie Mauern, Zäunen oder Gebäudefassaden realisiert werden.
Ergänzend wurden feine Nylonfäden oder zusätzliche Pfosten gespannt, um die Verbindungslinien zu schliessen. Am Stadtbild selbst habe dies keine sichtbaren Veränderungen hinterlassen.
Eruv wird regelmässig geprüft
Damit der Eruv ordnungsgemäss funktioniert, wird seine Struktur wöchentlich vor Beginn des Sabbats überprüft. Ein speziell dafür eingesetztes Team kontrolliert die gesamte Strecke und behebt allfällige Schäden.
Auf einer Website lässt sich jeweils nachsehen, ob der Eruv für das kommende Wochenende als «gültig» eingestuft wurde.
Auch Basel plant einen Eruv
Für die Umsetzung des Eruvs war eine Baubewilligung nötig. Das Gesuch wurde bereits 2022 eingereicht. Die Stadt Zürich zeigte sich schon damals offen für das Projekt.
«Der Eruv ist ein Zeichen für die gelebte Vielfalt in unserer Stadt», wird die Zürcher Stadträtin Simone Brander (SP) in einer Mitteilung vom Freitag zitiert.
Eruvim gibt es schon länger in anderen Städten wie London, Amsterdam, Wien und Antwerpen. Auch die jüdische Gemeinschaft in Basel treibt ein Projekt voran. Im vergangenen Sommer wurden die konkreten Pläne kommuniziert.