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Nach jahrelanger Planung «Sabbat-Zone» in Zürich erleichtert jüdischen Alltag

Dank einem sogenannten «Eruv» können Jüdinnen und Juden in Zürich trotz Arbeitsverbot gewisse Arbeiten verrichten.

Nach jahrelanger Vorbereitung hat die jüdische Gemeinde in Zürich ihren Eruv fertiggestellt. Diese symbolisch abgegrenzte Zone erlaubt es streng gläubigen Jüdinnen und Juden, während des Sabbats bestimmte Tätigkeiten auszuführen, die im öffentlichen Raum sonst verboten sind.

Eruf in Zürich
Legende: Für ein geschlossenes System mussten an gewissen Orten durchsichtige Nylonschnüre gespannt werden, wie hier an der Zürcher Gessnerallee. SRF/Dominik Steiner

Dazu gehört das Tragen von Gegenständen, etwa von Gebetbüchern und Mahlzeiten. Auch die Benutzung eines Rollstuhls oder das Schieben eines Kinderwagens sind untersagt.

Arbeitsverbot während Sabbat

Box aufklappen Box zuklappen

Der jüdische Ruhetag, der Sabbat, setzt am Freitagabend mindestens eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang ein und dauert bis zum Samstagabend, wenn die Dunkelheit vollständig eingetroffen ist. Während dieser Zeit gelten zahlreiche religiöse Vorschriften. Wie streng diese befolgt werden, hängt von der jeweiligen jüdischen Strömung ab.

In einer weit gefassten, traditionellen Auslegung sind verschiedene Tätigkeiten und der Gebrauch bestimmter Gegenstände untersagt. Grundsätzlich gehört dazu, jegliche Form von Arbeit zu vermeiden – ebenso das Reisen. In besonders strengen Interpretationen kommt hinzu, dass elektrische Geräte nicht bedient werden dürfen. Auch Einkäufe, Verkäufe oder das Schreiben sollen unterlassen werden. Zudem gilt ausserhalb des eigenen Hauses das Verbot, Gegenstände mit sich zu tragen.

Das Arbeitsverbot gilt auch an gewissen anderen jüdischen Feiertagen.

Quelle: Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG)

«Auch kleine Kinder, die noch nicht selbst gehen können, gelten als Gegenstände, die man nicht mitnehmen darf», führt Initiant Cédric Bollag aus.

Ein Spaziergang mit der ganzen Familie sei während des Sabbats deshalb nicht möglich gewesen. «Dank des Eruvs können Jüdinnen und Juden nun mehr am sozialen Leben teilnehmen, auch als ganze Familie.»

Nylonschnüre machen Zone komplett

Die Grenze des Eruvs erstreckt sich über rund 18 Kilometer und umfasst mehr als Hundert definierte Punkte in den Quartieren Wiedikon, Enge und Wollishofen, wo die meisten orthodoxen Jüdinnen und Juden leben.

Wie Projektleiter Cédric Bollag erklärt, konnte ein grosser Teil der Abgrenzung mithilfe bereits vorhandener baulicher Elemente wie Mauern, Zäunen oder Gebäudefassaden realisiert werden.

Cédric Bollag vor dem Eruf
Legende: Spaziergänge während des Sabbats kann Cédric Bollag nun wieder mit der ganzen Familie machen. SRF/Dominik Steiner

Ergänzend wurden feine Nylonfäden oder zusätzliche Pfosten gespannt, um die Verbindungslinien zu schliessen. Am Stadtbild selbst habe dies keine sichtbaren Veränderungen hinterlassen.

Eruv wird regelmässig geprüft

Damit der Eruv ordnungsgemäss funktioniert, wird seine Struktur wöchentlich vor Beginn des Sabbats überprüft. Ein speziell dafür eingesetztes Team kontrolliert die gesamte Strecke und behebt allfällige Schäden.

Auf einer Website lässt sich jeweils nachsehen, ob der Eruv für das kommende Wochenende als «gültig» eingestuft wurde.

Auch Basel plant einen Eruv

Für die Umsetzung des Eruvs war eine Baubewilligung nötig. Das Gesuch wurde bereits 2022 eingereicht. Die Stadt Zürich zeigte sich schon damals offen für das Projekt.

Stange mit Nylonfaden, dem Eruv
Legende: Die Grenze des Eruv erstreckt sich über rund 18 Kilometer. Keystone/Michael Buholzer

«Der Eruv ist ein Zeichen für die gelebte Vielfalt in unserer Stadt», wird die Zürcher Stadträtin Simone Brander (SP) in einer Mitteilung vom Freitag zitiert.

Eruvim gibt es schon länger in anderen Städten wie London, Amsterdam, Wien und Antwerpen. Auch die jüdische Gemeinschaft in Basel treibt ein Projekt voran. Im vergangenen Sommer wurden die konkreten Pläne kommuniziert.

Regionaljournal Zürich Schaffhausen, 16.1.2026, 12:03 Uhr ; 

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