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Nach Scheidung oder Trennung Zurück in den Job, sobald das Kind in der Schule ist

Wer die Kinder betreut, kann bereits ab deren Einschulung wieder 50 Prozent arbeiten. Das entscheidet das Bundesgericht.

Legende: Video Bundesgericht entscheidet über Berufsarbeit von Eltern abspielen. Laufzeit 02:10 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.09.2018.

Bisher galt bei Scheidung oder Trennung die Regel: Bis das jüngste Kind 10 Jahre alt ist, muss der hauptbetreuende Elternteil nicht arbeiten. Neu orientiert sich das Bundesgericht an den Schulstufen. Eine Mutter oder ein Vater, der die Kinder hauptsächlich betreut, muss ab der Einschulung des jüngsten Kindes 50 Prozent arbeiten, ab dem Übertritt in die Sekundarstufe dieses Kindes dann 80 Prozent.

Das Bundesgericht setzt ein starkes Signal. Erwerbskontinuität wird erwartet von Männern – und Frauen.
Autor: Markus TheunertDachverband maenner.ch

Wie heute bleibt: Wenn das jüngste Kind die Schule abgeschlossen hat, muss grundsätzlich 100 Prozent gearbeitet werden. Ein wichtiges Urteil für Markus Theunert, Geschäftsleitungsmitglied von maenner.ch, dem Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen: «Das Bundesgericht setzt ein starkes Signal. Erwerbskontinuität wird erwartet von Männern – und Frauen.»

Kind mit Schulranzen.
Legende: Wie heute gilt weiter: Wenn das jüngste Kind die Schule abgeschlossen hat, muss grundsätzlich 100 Prozent gearbeitet werden. Keystone

Es sei für eine Frau heute keine Option mehr, ihre Erwerbsarbeit einzustellen und sich ganz auf die Mutterrolle zu konzentrieren, so Theunert. Nach sechs Jahren werde erwartet, dass sie wieder einer Erwerbsarbeit nachgehe.

Das alte Modell führte dazu, dass der Karriereschaden den Müttern angelastet wurde.
Autor: Anna MurphyAnwältin

Aber nicht nur für die Männerverbände ist dieses Urteil wichtig – auch für die Frauen sei es wichtig, sagt die Berner Anwältin und Spezialistin für Familienrecht, Anna Murphy: «Das alte Modell führte dazu, dass der Karriereschaden, der mit persönlicher Kinderbetreuung verbunden ist, den Müttern angelastet wurde. Mütter blieben zehn Jahre zuhause und konnten im gelernten Beruf nicht mehr arbeiten.»

Urteil widerspiegelt gesellschaftlichen Wandel

Da gab es aber bereits einen Wandel: Frauen sind berufstätig, in den Städten ohnehin und auch auf dem Land immer mehr. Das Urteil widerspiegle diesen gesellschaftlichen Wandel. Und es schaffe auch Rechtssicherheit. Seit der Einführung des neuen Unterhaltsrechts verabschiedeten sich die Kantonsgerichte bereits vom alten Modell – es fehlte aber eine Rechtsprechung des Bundesgerichts.

Für Anwältin Anna Murphy wird der Druck auf die Frauen damit nicht übermässig erhöht: «Selbst wenn man sehr abgelegen wohnt: In die Schule müssen die Kinder ohnehin. Und spätestens dann hat man die Möglichkeit zu arbeiten, selbst wenn es in der Gegend keine Fremdbetreuungsangebote gibt.»

Kosten werden gerechter aufgeteilt

Dieses Leiturteil bedeutet also: Die Kosten werden gerechter aufgeteilt unter Müttern und Vätern, auch weiterhin wird aber jeder Einzelfall geprüft. Und das Bundesgericht geht sogar noch weiter: Wenn das Geld knapp ist, dann müssen die Gerichte künftig prüfen, ob schon eine Erwerbsarbeit im Vorschul-Alter der Kinder sinnvoll sein kann. Auch das dürfte noch zu diskutieren geben unter den Richtern in den Kantonen.

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31 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Weibel (JJW)
    Beim Versuch, eine Scheidumgssituation für alle Beteiligten "erträglich" zu gestalten, sollten 1. die Bedürfnisse der Kinder Priorität haben. 2. lässt sich dies nicht mit Pauschallösungen bewerkstelligen, sondern es braucht ein regelmässiges sorgfältiges Hinschauen und Abwägen der Interessen (die sich im Laufe der Jahre auch verändern) um anschliessend individuelle, für den Moment "stimmige" Lösungen finden zu können.
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Von richterlicher Willkuer, welche sich auf dem Puckel des Ruins des Mannes austobt, haben die meisten Maenner die Schnauze gestrichen voll. 50 % nach 6. Monat des juengsten gemeinsamen Kindes, 100 Prozent nach 3. Altersjahr, wie auch vom Sozialamt vorgeschrieben....
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  • Kommentar von Samuel Egger (S.Egger)
    Ich will nicht dass meine Frau (oder im schlimmsten Fall Ex Frau) arbeiten muss. Solange es uns finanziell gut geht soll es so bleiben, denn meine Kinder brauchen in erster Linie die Mutter. Und selbst im worst case Szenario: wie soll eine Mutter einen Teilzeit Job nach 6 Jahren finden?? Selbst in einer Stadt ist es schwierig!
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    1. Antwort von Alex Volkart (Lex18)
      An Herr Egger: Eine Mutter soll arbeiten können wenn sie will und kann. Das ein Mann die Kindererziehung der Frau überlässt und allleine Geld verdient ist ein veraltetes und vor allem unfaires Modell. Bei einer Scheidung möchte ich nicht die Ehefrau sein. Ein Mann soll sich gefälligst ebenfalls an der Kindererziehung beteiligen und der Karriere seiner Frau nicht im Wege stehen. Wenn ein Mann meint dass seine Kinder in erster Linie die Mutter brauchen sollte er keine Kinder zeugen.
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    2. Antwort von Samuel Egger (S.Egger)
      Herr Volkart, wer hat gesagt, dass ich meine Frau zwingen möchte, zuhause zu bleiben? Wir beide haben uns für die Kinder entschieden; und sie bleibt sehr gerne für die Kinder Zuhause. Es geht nicht um eine Karriere, sondern um das Wohl unserer Kinder. Dies ist unsere persönliche Entscheidung. Wir (beide) wollen nicht, dass Drittpersonen wie Sie oder das Gericht meine Frau aus "wirtschaftlichen Gründen" zwingen, eine Arbeit aufzunehmen.
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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Dieses Gezetere geht mir auf die Nerven. Habt Ihr alle keine Grosseltern oder Tagesmütter. Ich habe meine Tochter vom ersten Tag an allein erzogen, und Vollzeit gearbeitet. Mein Enkelkind ging die ersten Jahre zu einer Tagesmutter, meine Tochter arbeitete 50%, und machte nebenbei das Handelsschul-Diplom. Bei einer Scheidung sind immer beide schuld, also hört auf zu jammern.
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