Zum Inhalt springen

Header

Audio
Etwa 360 Lastwagen voller Kartoffeln sind übrig
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 24.02.2021.
abspielen. Laufzeit 03:35 Minuten.
Inhalt

Nachfrage nach Pommes ist weg Wegen Corona werden 9000 Tonnen Kartoffeln den Kühen verfüttert

Weil kaum noch Pommes frites gegessen werden, landen nun 9000 Tonnen Kartoffeln anstatt auf dem Teller im Futtertrog.

In der Pommes frites-Fabrik Frigemo im neuenburgischen Cressier herrscht Hochbetrieb. Die Kartoffelernte vom letzten Herbst muss verarbeitet werden. Frites, Kroketten oder Pommes Duchesse werden produziert. 70 Prozent der Ware liefert die Frigemo an die Gastronomie. Diese bestellt derzeit praktisch nichts, trotzdem muss die Fabrik die Kartoffeln verarbeiten. «Sonst verfaulen die Kartoffeln», sagt Daniel Jenni, Chef der Frigemo.

Pommes frites Fabrik
Legende: Fehlende Open Airs, geschlossene Restaurants: Die Pommes frites werden nicht gebraucht, müssen aber verarbeitet werden. Sonja Mühlemann/SRF

Darum wächst der Pommes frites-Berg in den Kühllagern weiter an, Frigemo hat sogar zusätzlichen Platz dazu gemietet. Voll sind auch die Lager der Zwischenhändler, welche die Kartoffeln der Landwirte sammeln.

9000 Tonnen Tierfutter

Nun wird klar: 9000 Tonnen Kartoffeln sind zu viel da, die nicht verarbeitet werden können, aber auch nicht auf dem Kompost landen sollen. Aus ihnen wird Tierfutter, sagt Christian Bucher von der Branchenorganisation Swisspatat: «Die Kartoffelhändler verkaufen sie an die Rindviehalter. Der Preis für diese Futterkartoffeln entspricht aber nur einem Bruchteil des normalen Kartoffelpreises.»

Die Zwischenhändler erhalten nur etwa zehn Prozent des Preises, den sie von der Pommes frites-Fabrik in normalen Zeiten erhalten würden. Diese finanziellen Einbussen werden von einem speziellen Corona-Fonds gedeckt, in den alle einzahlen – die Landwirte, Kartoffellager, Verarbeiter.

Sie sind nicht für die Katz, sondern für die Kuh.
Autor: Hans PerlerKartoffelbauer

Schlechter sieht es für die Landwirte selbst aus. Sie können in diesem Jahr weniger Kartoffeln für die Verarbeitung anpflanzen, weil erst die Pommes-Lager geleert werden müssen, bevor neue Kartoffeln gefragt sind. So braucht es in diesem Jahr rund 20'000 Tonnen Verarbeitungskartoffeln weniger als in einem normalen Jahr. Das entspricht in etwa ein Sechstel der Jahresproduktion an Verarbeitungskartoffeln der Schweiz. Diese Einnahmen werden den Landwirtinnen und Landwirten in diesem Jahr fehlen.

Bauer mit Kartoffeln
Legende: Bauer Hans Perler hofft, dass die Nachfrage im nächsten Jahr wieder normal sein wird. Sonst werde es sehr schwierig. Sonja Mühlemann/SRF

Das hat auch Auswirkungen auf das Saatgut. Wenn weniger Kartoffeln angepflanzt werden, braucht es entsprechend weniger Saatgut, aus dem die Verarbeitungskartoffeln wachsen. Hans Perler aus dem freiburgischen Kleinguschelmuth sitzt auf den Saatkartoffeln dafür, die nun ebenfalls zu Tierfutter werden. «Am Schluss ist es für nicht für die Katz, sondern für die Kuh», so Perler.

Das Kartoffel-Dampfschiff

Er hofft, dass bald wieder alles normal läuft, denn jetzt muss er entscheiden, wie viele Saatkartoffeln er vermehrt. Das Kartoffel-Geschäft sei ein Dampfschiff, das man nicht spontan stoppen könne. Er ist zuversichtlich. Ende März würden sie trotzdem die normale Menge Saatkartoffeln vermehren: «Wir sind positiv eingestellt», sagt Perler. Wenn es im nächsten Jahr aber nicht wieder normal laufe, werde es schwierig.

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 24.02.21, 17:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

29 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Liebe SRF Mitarbeitende, wegen Corona «muss» ich immer wieder solche «doofen» Headlines lesen. Sind wegen Corona aussagekräftige, nicht boulevardmässige Schlagzeilen Titel ohne das «Zauberwort» nicht mehr möglich? Es ist sicherlich nicht das erste Jahr indem ein paar Tonnen Kartoffeln zusätzlich an Nutztiere verfüttert werden (müssen).
  • Kommentar von Uwe Frings  (Baggi)
    ...eine Welt ohne Pommes ist ein grosser Schritt für die Volksgesundheit...!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Uwe Frings: Dann müssten Sie aber konsequenterweise auch Alkohol und Tabak verbieten. Die richten noch viel grösseren Schaden an der Volksgesundheit an.
  • Kommentar von René Widmer  (Widmer)
    Kartoffeln in Form von Cerbelat und Filets schmecken doch toll! Besser CH Kartoffeln verfüttern als Soja aus Übersee!