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Nachhaltigkeits-Offensive Migros will Vorreiterin sein im Kampf gegen Label-Dschungel

Drei Produkte mit M-Check-Etikette
Legende: Von Getränken bis hin zu Kinder-Unterwäsche: Der M-Check ist auf diversen Produkten zu finden. Migros / Collage SRF
  • Migros lanciert «M-Check». Unter diesem Titel werden ab sofort Nachhaltigkeitsleistungen auf Produkten ausformuliert.
  • So wird etwa der Mehrwert bestimmter Label stichwortartig erklärt und die Migros führt auch ihre eigenen Nachhaltigkeitsleistungen auf den Produkten aus. Unbekannte Label verschwinden von den Packungen.
  • Die Detailhändlerin ist überzeugt, damit «Ordnung in den Label-Dschungel zu bringen».
  • Die Stiftung für Konsumentenschutz befürchtet das Gegenteil: Migros bestimme eigenmächtig, was nachhaltig sei und was nicht – damit gaukle sie ihren Kundinnen und Kunden etwas vor.

«Die Migros räumt den Label-Dschungel auf»: So kündigt die Detailhändlerin ihre neue Nachhaltigkeits-Offensive «M-Check» an. Unter dieser Bezeichnung lässt Migros ihre Kundinnen und Kunden ab sofort wissen, was ein Produkt in Sachen Nachhaltigkeit ihrer Meinung nach leistet. Dabei werden einerseits Label stichwortartig erklärt und die eigenen Nachhaltigkeitsleistungen der Migros ausgeführt. «M-Check»-Produkte werden mit einem gut sichtbaren Hinweis auf der Verpackung gekennzeichnet.

Unbekannte Labels verschwinden

«Viele Konsumentinnen und Konsumenten wollen zwar nachhaltig einkaufen, sind aber überfordert mit der Labelflut», sagt Migros-Sprecherin Alexandra Kunz gegenüber dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Allein im Migros-Sortiment gebe es 14 Nachhaltigkeits-Labels. «M-Check» sei eine Art Kompass, der hier Orientierung stiften soll. «Für unsere Kunden ist damit sofort ersichtlich, welchen Mehrwert ein Produkt hat.»

Während die Logos prominenter Labels wie etwa das Fairtrade-Gütesiegel von Max Havelaar oder Migros Bio beibehalten werden, lässt die Migros weniger bekannte Label wie UTZ, das nachhaltigen Anbau fördert, von den Verpackungen verschwinden. «Wir haben festgestellt, dass UTZ für einen Teil der Kunden zu wenig aussagekräftig ist. Daher setzen wir hier auf ein Symbol mit mehr Aussagekraft und formulieren den Mehrwert zusätzlich aus.»

Kritik am «Alleingang» von Migros

Auf wenig Begeisterung stösst die neue Migros-Initiative bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Geschäftsführerin Sara Stalder sagt, «grundsätzlich stehen wir dieser Initiative kritisch bis sehr kritisch gegenüber». Die Stiftung erachte den Alleingang der Migros als wenig zielführend im Kampf gegen den Label-Dschungel und es sei ungewiss, ob damit die Situation für Konsumentinnen und Konsumenten klarer werde. Die SKS befürchtet eher das Gegenteil. «Migros bestimmt eigenmächtig, was nachhaltig ist und was nicht. Damit gaukelt sie ihren Kundinnen und Kunden Transparenz vor.»

Dieses Problem sieht auch die Umweltorganisation WWF. Es sei unklar, nach welchen Kriterien Migros ihre eigenen Nachhaltigkeitsleistungen auslobe und ob diese auch durch externe Stellen geprüft würden. «Das Ziel der Migros, die Label-Vielfalt übersichtlicher zu machen, ist an und für sich positiv», sagt Mediensprecherin Corina Gyssler. Tatsächlich wüssten Konsumentinnen und Konsumenten oftmals nicht, was hinter welchem Label stehe. WWF macht jedoch ein Fragezeichen hinter gewisse Kennzeichnungen des «M-Check»-Programms: «Wenn Migros etwa von ‹optimiertem Pflanzenschutz› spricht, ist das eine Überforderung für die Konsumentinnen und Konsumenten und insofern sicher nicht hilfreich.»

«Migros wird Optimierungen nicht scheuen»

Auf die Kritik angesprochen, erwidert Migros-Sprecherin Alexandra Kunz: «Wo ‹M-Check› draufsteht, ist Nachhaltigkeit drin.» Hinter den eigenen Nachhaltigkeitsprogrammen der Migros stünden unabhängige Kontrollen. Migros verweist etwa auf die Firma Procert, welche für die Lebensmittelbranche solche Kontrollen durchführt. Zudem würden die Standards auch auf der zusammen mit «M-Check» lancierten Internetseite www.m-check.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster kommuniziert.

Allerdings sei die Lancierung nun erst der Startschuss des Projekts. «Auch wir haben nicht ausgelernt und werden Optimierungen selbstverständlich nicht scheuen.» Sollte sich zeigen, dass gewisse Formulierungen im Rahmen des «M-Check»-Programms zu schwammig formuliert sind oder gar zu Verwirrung führen, wäre Migros also offen für Anpassungen.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Petra Schneider (Holzwurm160)
    Dass die Migros mit diesem Projekt kommt zeigt doch nur, wie kompliziert und uneinheitlich Nachhaltigkeit im Detailhandel ist. Es ist quasi ein Alleingang, der ausgewiesen nachhaltigsten Detailhändlerin der Schweiz. Anstatt wieder alles zu kritisieren (typisch schweizerisch!) sollte der Scheinwerfer mal auf die geschwenkt werden, die sich überhaupt nicht um Nachhaltigkeit und/oder deren Kommunikation kümmern (zB Landi, Non Food).
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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Eine echte Bereicherung währe es eher wenn man zusammen mit anderen Ladenketten die Lasbels vereinheitlichen würde. Es gibt sicher zahlreiche Labels die genau das gleiche aussagen, folglich braucht es auch nicht mehr alle.
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  • Kommentar von Salome Schneider (Detzujiikl)
    Das kritische überprüfen erspart einem so ein Label auch nicht. Schon jetzt steht da z.B. "Tierfreundlich: entspricht den Schweizer Tierschutzvorschriften" auf Fleischverpackungen. Reine Augenwischerei. Wenn das Fleisch in der Schweiz produziert wurde, muss es ja dem Schweizer Tierschutzgesetz entsprechen. Dieses stellt aber nur die Minimalanforderungen an Tierhaltung sicher. Von echter Tierfreundlichkeit sind die erlaubten Bedinungen noch weit entfernt.
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