Zum Inhalt springen

Nachhilfeunterricht boomt Büffeln in den Sommerferien

Es sind Sommerferien – doch nicht alle Kinder haben frei. Die Sorge der Eltern, dass ihre Töchter und Söhne den schulischen Anforderungen nicht mehr genügen, sorgt für einen Boom der Sommerschulen.

Legende: Audio Sommerschulen boomen abspielen. Laufzeit 1:58 Minuten.
1:58 min, aus HeuteMorgen vom 31.07.2018.

«Ich komme gerne hierher, damit ich dann in der Sekundarschule nicht ungenügend bin» oder «Nach den Ferien wird es mir helfen» – so die Reaktionen zweier Jugendlicher, die eine Woche lang jeden Morgen drei Stunden Matheaufgaben in einem Basler Lernzentrum lösen.

Ich komme gerne hierher, damit ich dann in der Sekundarschule nicht ungenügend bin.
Autor: Paula14-jährige Sommerschülerin

Grosse Nachfrage nach Ferien-Nachhilfe

Dass so viele Schülerinnen und Schüler während den Ferien büffeln, freut Lukas Alt, Geschäftsführer von «fit for school». Dieses Jahr bietet seine Schule zum ersten Mal in allen grösseren Schweizer Städten solche Ferien-Lernkurse an.

«Es geht auch immer um innerfamiliäre Konflikte», sagt er. Die Eltern seien froh, dass sie zu Hause nicht mehr Druck aufsetzen müssten und dass das Kind selbstständig arbeitet. 450 Franken kostet eine Woche Mathematik-Nachhilfe. Das sei verhältnismässig wenig, so Alt.

Stirnrunzeln bei Jugendpsychologen

Die Entwicklung, dass die Ferien für immer mehr Kinder zur Schulzeit werden, gibt Urs Kiener, Jugendpsychologe bei Pro Juventute, zu denken. «Ein Element dieser Angebote ist, dass sie in aller Regel von den Eltern verordnet werden», sagt Kiener.

«Eltern wollen immer das Beste für die Kinder. Und das Beste ist in ihren Augen, Wissen zu vermitteln. Da beachtet man oft die Leistungsgrenze der Kinder zu wenig.» Viele Kinder seien schon während der Schulzeit gestresst, weil sie den elterlichen Anforderungen nicht genügen.

Da beachtet man oft die Leistungsgrenze der Kinder zu wenig.
Autor: Urs KienerJugendpsychologe Pro Juventute

Der Jugendpsychologe befürchtet, dass Ferien-Nachhilfeunterricht den Stress der Kinder verstärkt und darum kontraproduktiv sein könnte. Kiener plädiert darum fürs «Ausmisten». Es gehöre auch zur Elternpflicht, zu reduzieren – gerade im Bereich der strukturierten Angebote. Weniger ist in den Augen des Fachmanns mehr. Auch – und gerade – in den Ferien.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

13 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von U. Müller (ponca)
    Das Problem ist das Schulsystem, das noch vom 19. Jahrhundert stammt und die Lehrer vom 20. Jahrhundert. Die heutigen Schüler aber sind vom 21. Jahrhundert. Ich bin zwar eher altmodisch, aber wir befinden uns nun mal in einer Zeit des Wandels und das Bewusstsein, besonders von Kindern, ist heutzutage höher als noch vor 50 Jahren. Deswegen ist dieses Schulsystem überholt und nicht länger dienlich. Im Gegenteil, sogar. Mehr Individualität und Flexibilität sind gefragt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    Das ist nichts anderes als ein eindeutiges Zeichen für das grandiose Scheitern des herkömmlichen Schulsystems – und das Fatale daran ist, dass dieses Missstände im Schulwesen seit Jahrzehnten bekannt und benannt werden kann ...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Ferien sind zum auspannen, geniesen, relaxen und energieauftanken und nicht zum "Materie büffeln" vorgesehen!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen