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Kampfjet-Abstimmung: Im Tessin zeigte sich ein Corona-Effekt
Aus Info 3 vom 12.11.2020.
abspielen. Laufzeit 02:54 Minuten.
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Nachwahlbefragung Das knappe Ja zu den Kampfjets lag auch an Corona

  • Verteidigungsministerin Viola Amherd musste am 27. September zittern: Lange war am Abstimmungstag nicht klar, ob die Armee neue Kampfjets bekommt oder nicht.
  • Am Ende gaben nur gerade 8700 Stimmen den Ausschlag – zugunsten der Kampfjets.
  • Dass es derart eng wurde, hatte auch mit der Corona-Pandemie zu tun, wie eine Nachwahlbefragung zeigt.

Die Voto-Studie des Zentrums für Demokratie in Aarau und der Universität Lausanne zeigt, was den Ausschlag für das hauchdünne Ja zu den Kampfjets gab: Die Stimmberechtigten bewerteten die Abstimmung als Grundsatzabstimmung über die Armee.

Entscheidend war das Mitte-Lager

Und eine knappe Mehrheit von 1.6 Millionen Stimmenden sprach sich dabei für die Notwendigkeit der Armee und moderner Kampfflugzeuge aus. Doch die Befragung von 1500 Stimmberechtigten zeigt auch, dass die Abstimmung über die Kampfflugzeuge die Bevölkerung tief spaltete: Das rechte Lager unterstützte die Beschaffung klar und deutlich, das linke Lager lehnte sie geschlossen ab.

Die Entscheidung zwischen diesen beiden Gruppen führte das Mitte-Lager herbei, das gemäss den Studienautoren stärker zum Ja tendierte.

Weiter waren es vor allem die Männer, die älteren Stimmberechtigten und die bildungsfernen Schichten, die die Kampfjets mehrheitlich unterstützten, während die Frauen, die Jungen und die besser Gebildeten eher Nein sagten.

Parlamentarier und Sympathisantinnen des Nein-Lagers
Legende: Noch selten war eine Abstimmung so knapp wie diejenige über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge. Im Bild: Parlamentarier und Sympathisantinnen des Nein-Lagers. Keystone

Kosten und Nutzen von neuen Kampfjets

Das Nein-Lager, das ebenfalls fast 1.6 Millionen Stimmen auf sich vereinen konnte, punktete vor allem mit zwei Argumenten: Die Kosten von sechs Milliarden Franken waren das Hauptargument, weshalb 49 Prozent der Stimmenden Nein sagten. Für eine beträchtliche Zahl der Nein-Stimmenden war das Rüstungsprojekt also zu teuer. Das zweite Argument, das auf der Nein-Seite zog, waren Zweifel an der Notwendigkeit von hochgerüsteten Kampfflugzeugen.

Video
BR Amherd, was hätten Sie gesagt, wenn es ein Nein gegeben hätte?
Aus News-Clip vom 27.09.2020.
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Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass wohl auch die Pandemie-Situation bei der Abstimmung eine Rolle spielte: Belegen lässt sich das bei der Befragung im Kanton Tessin. Dort sagten 13 Prozent der Nein-Stimmenden, Corona sei der Hauptgrund für ihr Nein. Hier zeigt sich also ein Corona-Effekt, der dazu führte, dass die Vorlage im Tessin knapp abgelehnt wurde.

Auch national dürfte die Pandemie einen Einfluss gehabt haben: Die Studienautoren vermuten, dass die finanzielle Notlage wegen Corona zahlreiche Stimmbürger ins Nein-Lager getrieben habe. Doch am Ende waren die Befürworter der neuen Kampfjets mit 8700 Stimmen im Vorteil – und Verteidigungsministerin Viola Amherd durfte mit dem Abstimmungssonntag doch noch zufrieden sein.

Die Voto-Studie

Für die Voto-Studie im Auftrag des Bundes wurden zwischen dem 29. September und dem 13. Oktober 1513 Stimmberechtigte in der Deutschschweiz, der Westschweiz und im Tessin per Telefon befragt.

Info3 am Mittag, 12.11.2020, 12 Uhr

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99 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    SRF warum werden Menschen in Kategorien aufgeteilt, wie Bildungsfern, ältere Männer usw. dies ist Gesellschaftsbedingt nicht unbedingt förderlich. Die Abstimmung wurde angenommen. Selber finde ich dies eher schlecht, denn auch Intelligente Menschen haben stärken und schwächen. Nur ist es oft schwierig mit intelligenten Menschen zu diskutieren, da sie oft glauben man spreche nicht auf dem gleichen Level wie sie, da sie die einfache Art vielleicht nicht mehr verstehen können, oder wollen.
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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Warum wird immer mehr von Bildung gesprochen. Wer bildet Menschen aus? Wer Intelligent ist, darf und kann sich weiter Bilden. Jedoch was mich jeweils stört ist die Erhabene Art, etwas besseres zu sein, so stellt man sich auf ein Podest des besseren. Wer Talent fürs Handwerk hat, sollte nicht weniger wert sein. Mit Erfahrung im Leben hat man vielleicht ein anderes Bild, da man eine gewisse Weisheit durch die Erfahrung, und Realität erlernt hat. Es hat doch jeder Mensch stärken und schwächen.
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  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Lustig, die bildungsfernen haben also JA gesagt. Nun die Diskussion war ja selber ziemlich bildungsfern - und zwar von den politischen Eliten. Weil da gings meist um irgendwelche technische Details, die von denen die sie in die Diskussion warfen, nicht annähernd begriffen wurde. Soviel zur Sachkompetenz hüben wie drüben. Geopolitische und sicherheitspolitische Kompetenz suchte man vergebens. Da herrschte wirklich Bildungsferne, aber nicht nur bei denen, die nur zu gerne so bezeichnet werden!
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