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Legende: Audio Spenden für Kriegsgebiete – ein Fass ohne Boden? abspielen. Laufzeit 05:44 Minuten.
05:44 min, aus SRF 4 News aktuell vom 28.03.2019.
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Nationaler Sammeltag für Jemen «Schweizer helfen auch gern bei Not durch Kriege»

Die Spendenbereitschaft bei Wirren wie in Jemen sei nicht selbstverständlich, sagt Daniela Toupane von der Glückskette.

Vier Jahre Krieg im Jemen haben laut UNO zur derzeit grössten humanitären Krise weltweit geführt. Die Hilfe mache für jeden einzelnen Betroffenen einen Unterschied, betont Daniela Toupane im Namen der Glückskette und ihrer Partnerhilfswerke.

Daniela Toupane

Daniela Toupane

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Die Soziologin Daniela Toupane ist Kommunkationsverantwortliche der Glückskette.

SRF News: Wer und was wird mit dem für Jemen gespendeten Geld unterstützt?

Daniela Toupane: Fünf Partnerhilfswerke der Glückskette sind bereits im Jemen tätig. Das sind unter anderem die Ärzte ohne Grenzen (MSF), die in Spitälern arbeiten und auch Material und Apparate bereitstellen. Nur noch die Hälfte der Spitäler ist in Betrieb. Es gibt zwar gutes Personal, aber kein Geld für den Betrieb und die Löhne.

Wie nahe verfolgen Sie die Arbeit ihrer Partnerorganisationen?

Der Austausch ist immer sehr eng und im Kriegskontext von Jemen noch enger. Von einem auf den anderen Tag kann alles ändern. Da müssen wir rasch umdisponieren können. Wenn in einem Gebiet die Arbeit unmöglich wird, muss andernorts Hilfe geleistet werden.

Die humanitären Fakten zu Jemen

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Die humanitären Fakten zu Jemen
Legende:Keystone/Archiv

Über vier Jahre Krieg haben für die jemenitische Bevölkerung katastrophale Auswirkungen:

  • 24 Millionen Menschen sind für ihr Leben auf humanitäre Hilfe angewiesen.
  • 1.8 Millionen Kinder leiden unter Mangelernährung.
  • Fast 4 Millionen Menschen wurden in den letzten 3 Jahren im eigenen Land vertrieben.
  • Weniger als 50 Prozent der Gesundheitseinrichtungen funktionieren noch.
  • Der mangelnde Zugang zu Wasser und dessen schlechte Qualität führen zur Ausbreitung von Krankheiten wie der Cholera.

MSF musste wegen wiederholten Angriffen Stationen aufgeben. Können unterstützte Projekte nicht immer zu Ende geführt werden?

Damit muss gerechnet werden. Allerdings zahlen wir die gesprochenen Gelder in Tranchen nach Projektfortschritt aus. Nicht aufgebrauchte Mittel werden in neue Aktivitäten investiert.

Wie wird sichergestellt werden, dass die Gelder bei den Menschen vor Ort ankommen?

Es gibt verschiedene Kontrollmechanismen. Dazu gehört die Auswahl der Partner. Bei laufenden Projekten erhalten wir regelmässig Berichte von Hilfswerken. Auf dieser Basis zahlen wir Gelder aus. Nach Möglichkeit besuchen wir Projekte selber, etwa im Irak. In Jemen gestalten sich Besuche wegen der Visa-Situation schwierig, wie auch schon unser Direktor erfahren musste.

Ist das jetzt gesammelte Geld für Jemen nicht nur einen Tropfen auf einen heissen Stein oder bringt es etwas?

Für jeden Menschen, dem geholfen werden kann, macht das einen Unterschied. Ein Projekt haben wir mit einer Spendenmillion bereits finanziert. Es ist eine Bargeldhilfe «Save the Children». In gewissen Gegenden von Jemen gibt es sehr wohl Nahrungsmittel, doch das Geld fehlt. Solche Hilfe finanzieren wir gern, denn es lässt den Betroffenen die Würde, selbst zu entscheiden. Sie werden es für Essen und Medikamente brauchen. Weitere 800'000 Franken sind für ein weiteres MSF-Projekt geplant, sobald die nötigen Mittel eingegangen sind.

Wie gut fliessen die Spenden bei kriegerischen Ereignissen?

Schweizerinnen und Schweizer sind auch in Kriegskontexten sehr spendenfreudig, was nicht selbstverständlich ist. Bei Naturkatastrophen spenden die Menschen in der Regel schneller und spontaner als bei menschengemachten Katastrophen. Trotzdem sehen wir, dass das humanitäre Gedankengut in der Schweiz bei Jung und Alt verbreitet ist. Es ist zwar ein bisschen weniger, aber es wird auch im Kontext mit Jemen gespendet.

Das Gespräch führte Eliane Leiser.

Glückskette sammelt für Jemen

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Glückskette sammelt für Jemen
Legende:Reuters

Seit vier Jahren tobt im Jemen ein erbitterter Krieg. Bombardierungen, Übergriffe und der Tod sind zum traurigen Alltag geworden. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln ist extrem schwierig geworden. Zudem ist das Gesundheitssystem praktisch komplett zusammengebrochen. Die Folge: 1.8 Millionen Kinder leiden an Mangelernährung.

Die Glückskette organisiert deshalb einen nationalen Sammeltag für die Opfer des Krieges in Jemen. Spenden können auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Krieg im Jemen» überwiesen werden. Auf www.glueckskette.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster sind ebenfalls Spenden möglich. Hier finden Sie auch weitere Informationen.

Legende: Video Die Situation in Jemen spitzt sich zu abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.03.2019.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Olaf Schulenburg (freier Schweizer)
    Anstatt die Katastrophen welche die Schweiz durch Waffenverkäufe, mit Zustimmung des Volkes, mit verantwortet zu verhindern, kaufen wir Schweizer unser Gewissen lieber mit Spenden wieder frei. Hier Waffen verkaufen, dort Rohstoffe und Menschen ausbeuten und dann Spenden. Das verleiht uns Schweizern doch den Glanz der braven und guten Leute. Nichts desto Trotz ein herzliches Dankeschön an die Glückskette und andere Organisationen für ihre redliche Arbeit
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  • Kommentar von Luzius Brotbeck (LuziBrot)
    Warum erwähnt weder SRF noch Glückskette wer (Saudi's & VAE + US-Drohnen) mit wessen Waffen (neben USA, UK, FR auch aus CH) den Jemen bombardiert.

    In kein anderes Land exportierte die CH 2014-2018 mehr Waffen als zu den Saudi's (20% aller Rüstungsexporte).

    2014-2018 importierte weltweit niemand mehr Waffen als die Saudi's (68% aus USA, 16% aus UK, 4,3% aus FR), bzw. exportierte niemand mehr als USA (22% an Saudis). Militäretat Saudi's: $70 Mia. = Platz 3 nach USA & China (vgl. SIPRI).
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Einmal mehr wird klar, dass die Schweiz keine "Kriegsmaterial-Blut-Geschäfte" - egal wohin und mit wem - tätigen darf, aus Verantwortung und humanitären Gründen!
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