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So will der Kanton Luzern bis 2050 klimaneutral werden
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 11.01.2021.
abspielen. Laufzeit 04:55 Minuten.
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Netto-Null bis 2050 Luzern wird konkreter beim Klimaschutz

Der Kanton Luzern will bis 2050 klimaneutral sein. Der Klimabewegung geht das zu langsam.

Das Ziel ist klar: Ab dem Jahr 2050 soll die Schweiz klimaneutral sein – also nicht mehr Treibhausgase ausstossen, als durch natürliche und technische Speicher aufgenommen werden kann. Netto-Null-Emissionen, diese Losung hat der Bundesrat vor eineinhalb Jahren herausgegeben. Doch um diese Vorgabe zu erreichen, müssen die Kantone mitmachen.

Der Kanton Luzern hat nun eine Klima- und Energiestrategie ausgearbeitet. Die Regierung stellte am Montag einen 170 Seiten starken Bericht vor, den das Kantonsparlament an der Klima-Sondersession vom Juni 2019 in Auftrag gegeben hatte.

Verkehr und Industrie ganz ohne Treibhausgase

Kernpunkte darin: Beim Verkehr, in der Industrie und bei den Gebäuden sollen bis 2050 keine Treibhausgase mehr ausgestossen werden. Erreichen will dies der Kanton etwa, indem er beim Privatverkehr das Umsteigen auf Elektrofahrzeuge unterstützt – zum Beispiel mittels einer ökologischen Motorfahrzeugsteuer. Sämtliche Gebäude sollen zudem nur noch mit erneuerbarer Energie beheizt werden, und auch die Industriebetriebe sollen ihre Energie nur aus erneuerbaren Quellen beziehen dürfen.

FDP-Regierungsrat Fabian Peter, Vorsteher des Bau-, Umwelt und Wirtschaftsdepartements, zeigte sich stolz bei der Präsentation des Berichts. «Wir sind einer der ersten Kantone, der in einem so umfassenden Bericht aufzeigt, wie er das Ziel Netto-Null bis 2050 erreichen will», sagte er. Der Zeithorizont sei zwar weit gefasst, räumt er ein – «wichtig ist jetzt aber, dass wir dieses Ziel im Blick haben und den Weg dorthin konsequent weitergehen».

Bewegung Klimastreik ist «enttäuscht»

Der Bericht geht nun in die Vernehmlassung, auch die Bevölkerung soll sich über ein Online-Tool dazu äussern können. Bereits jetzt steht aber fest: Vielen Akteuren geht die Luzerner Regierung zu bedächtig voran.

Zum Beispiel der Bewegung Klimastreik Zentralschweiz. Sprecherin Milena Hess bezeichnet den Bericht als «enttäuschend». «Es werden zwar Massnahmen aufgeführt, aber es ist nirgends festgehalten, wann genau was passieren soll, um die Ziele zu erreichen», sagt sie. Zudem hätte sie sich ein ehrgeizigeres Vorgehen gewünscht: «Im Pariser Klimaschutz-Abkommen ist festgelegt, dass reiche Länder wie die Schweiz schon vor 2050 auf Netto-Null sein sollten.»

Unzureichend für die Grünen, unvollständig für SVP

Auch die Grünen bezeichnen den Bericht als «unzureichend» – er benenne zwar die richtigen Handlungsfelder für den regionalen Klimaschutz, der laufende Prozess gehe jedoch zu langsam vonstatten.

Kritik am Bericht gibts auch von der SVP, wenn auch aus anderen Gründen. Für die Partei gibt der Bericht «eine reine Behördensicht» wieder, es fehlten jegliche Angaben dazu, was die Umsetzung der Massnahmen für die Bevölkerung bedeute.

Unternehmen sehen Chancen

Positive Rückmeldungen auf den Klimabericht gibt es dagegen von der Wirtschaft. Zum Beispiel von der Organisation Neue Energie Luzern (NELU), einem Verbund von Unternehmen, der sich für den Klimaschutz einsetzt.

Die vorgeschlagenen Massnahmen seien verbunden mit Innovationen und neuen Geschäftsfeldern, sagt NELU-Präsident Raymond Studer – etwa in Sachen Heiztechnologie oder Mobilität. «Da gibt es zum Beispiel die Wasserstofftechnologie, die sehr interessant ist, etwa als alternativer Treibstoff», sagt er. Sein Verband stehe daher voll und ganz hinter den Klimazielen des Kantons Luzern.

SRF 1, Regionaljournal Zentralschweiz, 11.01.2021; 17:30 Uhr;

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Handeln sollen wir - nicht nur zusehen, wie unsere Welt vor die Hunde geht. Wir brauchen einen Klima- und Artenschutz. Die Biodiversität ist komplex und reicht von der genetischen Vielfalt über die Artenvielfalt bis hin zur Lebensraumvielfalt! Wie wir Menschen, leiden auch Pflanzen, Tiere unter Stress, insbesondere unter Trockenheit- und Hitzestress. Ein Handeln seitens der Bevölkerung ist bei der Erhaltung von Artenvielfalt in der Pflanzenwelt also zwingend nötig. Pestizide in der LW ungesund.
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  • Kommentar von Thomas Trefzer  (ttre)
    Möchte die luzerner Stadtplaner oder alle diesbezüglich Interressierten auf den Algenbaum des mexikanischen Startups BiomiTech hinweisen. Die darin wachsenden Microalgen könnten sogar zur Produktion von Co2 neutralen Biotreibstoffen verwendet werden...
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  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Zitat: "Positive Rückmeldungen auf den Klimabericht gibt es dagegen von der Wirtschaft. Zum Beispiel von der Organisation Neue Energie Luzern (NELU)" - DAS soll DIE WIRTSCHAFT sein?
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