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Neue Anlaufstelle bei Gewalt 100 Anrufe pro Tag: Neue Opferhilfe-Hotline 142 wird oft genutzt

Seit dem 1. Mai gibt es in der Schweiz eine neue Anlaufstelle für Menschen, die von Gewalt betroffen sind: Das Angebot wird stark genutzt.

«Guten Tag, da ist die Opferhilfe Zürich, wie kann ich Ihnen helfen?» – so beginnen viele Gespräche bei der 142. Eine der Stimmen am anderen Ende ist Ursula Frisch, Telefonberaterin der Opferhilfe Zürich. Sie erlebt täglich, wie gross die Hemmschwelle ist, Hilfe zu suchen: «Viele Betroffene sagen uns, sie hätten lange darüber nachgedacht, ob sie anrufen sollen oder nicht. Ob das, was sie erlebt haben, ‘genug schlimm’ ist.» Gerade diese Unsicherheit sei typisch, sagt Frisch.

Gewalt zu erleben, hinterlasse oft eine gewisse Unordnung im Innern. Umso wichtiger sei es, in den Gesprächen Halt zu geben: «Gewalt führt immer zu einer gewissen Unsicherheit, weil die Schutzfunktion entfällt. Unsere Aufgabe ist es, diesen Menschen ein Stück Sicherheit zurückzugeben.»

Gespräche als erster Schritt aus der Gewaltspirale

Für viele ist der Anruf ein erster entscheidender Schritt. Oft gehe es nicht nur um konkrete Informationen, sondern auch darum, die Situation zu ordnen, sagt Frisch: Das Gespräch könne helfen, diese Unordnung zu strukturieren und nächste Schritte sichtbar zu machen.

Ältere Person in oranger Bluse hält den Kopf in den Händen und sitzt auf einem Sofa in einem Wohnzimmer.
Legende: Getty Images/Hispanolistic/Symbolbild

«Wenn ein Gespräch gut verläuft, steigt die Chance, dass Betroffene den Mut finden, weiterzugehen und Hilfe anzunehmen.» Damit hat die Hotline auch eine präventive Wirkung: Wer früh Unterstützung sucht, kann helfen, Gewaltspiralen zu durchbrechen.

Erste Einschätzung – und bei Bedarf sofortige Hilfe

Die Beraterinnen und Berater klären in einem ersten Schritt, wie dringend die Situation ist. Geht es um eine akute Krise, werden sofort weitere Stellen eingeschaltet – etwa Polizei, Notfallpsychiatrie oder medizinische Hilfe.

Liegt keine akute Gefährdung vor, folgt eine Einordnung: Handelt es sich um eine Straftat im Sinne des Opferhilfegesetzes? Entsprechend wird die betroffene Person an spezialisierte Beratungsstellen weitergeleitet. Wichtig dabei: Alles ist freiwillig. Die Anrufenden entscheiden selbst, ob sie anonym bleiben oder weitervermittelt werden möchten.

Wer anruft – und wann

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Gemäss SRF-Recherchen wählen derzeit täglich rund 100 Personen die neue Opferhotline. Sie ist Teil der schweizweiten Strategie von Bund und Kantonen gegen Gewalt. Die Zahlen zeigen ein klares Bild:

  • Rund 100 Anrufe pro Tag in den ersten Wochen
  • 80 Prozent der Anrufenden sind Frauen
  • Die meisten Gespräche finden tagsüber statt, insbesondere am Nachmittag.
  • In der Nacht gehen bisher nur wenige Anrufe ein.

Christoph Amstad, Vizepräsident der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und -direktoren, zieht eine positive Zwischenbilanz: «Die Nachfrage ist hoch. Was wir sehen: Die Menschen rufen vor allem während der Öffnungszeiten an, nachts sind es bislang nur vereinzelte Anrufe.»

Gewalt betrifft alle

Ein wiederkehrendes Thema in den Gesprächen: Scham und Selbstzweifel. «Viele Frauen sagen: Ich bin doch eine selbstbewusste Frau, ich habe studiert – und jetzt ist mir das passiert», erzählt die Telefonberaterin Ursula Frisch. Ihre Antwort darauf ist klar: «Das hat nichts mit Status oder Ausbildung zu tun. Gewalt kann jedem passieren.»

Die Hotline richtet sich an alle Betroffenen – Männer wie Frauen, sowie Minderjährige, unabhängig davon, ob es sich um psychische, physische oder sexuelle Gewalt handelt. Auch Angehörige können sich beraten lassen.

Um die neue Nummer noch bekannter zu machen, planen Bund und Kantone eine nationale Kampagne. Ziel ist es, die Hemmschwelle weiter zu senken und noch mehr Betroffene zu erreichen. Denn die wichtigste Botschaft der Beraterinnen und Berater bleibt: Wer unsicher ist, ob die 142 die richtige Stelle ist – soll trotzdem anrufen.

Hilfe bei häuslicher Gewalt

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Hilfe bei Gewalt: Telefonnummer 142
Legende: PD

Menschen, die physische, psychische oder sexuelle Gewalt erfahren haben, erhalten unter der Nummer 142 Hilfe. Dieses Angebot der Opferhilfe Schweiz ist kostenlos und anonym. Das Angebot richtet sich auch an Angehörige von betroffenen Personen.

Die Nummer 142 ist keine Notrufnummer. Bei Gefahr gilt es weiterhin, die Polizei oder Rettungskräfte zu kontaktieren. Weitere Informationen: www.opferhilfe-schweiz.ch

Tagesschau, 1.6.2026, 19:30 Uhr

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