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Sexualaufklärung für Menschen mit Beeinträchtigung: Neue App macht's möglich
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 07.01.2021.
abspielen. Laufzeit 05:28 Minuten.
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Neue App Sexualaufklärung für Menschen mit Behinderung

Eine neue App soll Themen rund um Sexualität und Aufklärung auch für Menschen mit einer geistigen Behinderung verständlich machen.

Die erste Liebe, der eigene Körper, der erste Sex: Diese Themen beschäftigen vermutlich alle jungen Menschen, auch solche mit einer geistigen Beeinträchtigung. Sexualaufklärung und wichtige Themen rund um Sexualität sind Menschen mit einer Behinderung allerdings nicht leicht zu vermitteln.

Weil es dafür im ganzen deutschsprachigen Raum bisher kein gutes Angebot gab, nahm sich die Aargauer Behindertenstiftung Schürmatt dem Thema an. Nach mehr als drei Jahren Arbeit ist so die App «Klar und Einfach» entstanden.

Zentrale Elemente der App sind viele Bilder und Illustrationen sowie eine leichte Sprache. Alle Informationen kann man sich zudem auch vorlesen lassen. Die Bilder und die leichte Sprache sollen es Menschen mit einer geistigen Behinderung oder Menschen, die Mühe mit Lesen haben, ermöglichen, sich selber Informationen zu Sexualität, Körper und Gefühlen zu beschaffen.

Diese Selbstermächtigung ist gerade im Bereich der Sexualität auch für Menschen mit einer Behinderung sehr wichtig, wie auch die UN-Behindertenrechtskonvention festhält.

Federführend bei der Umsetzung der App war die Aargauer Behindertenstiftung Schürmatt. «Wir haben im Austausch mit den BewohnerInnen immer wieder gemerkt, dass bei der Sexualität ein Bedürfnis nach eigener Information besteht, ohne Hilfe von Betreuungs- oder Lehrpersonen», sagt Gisela Roth von der Stiftung Schürmatt.

Die Sexualität von Menschen mit einer Behinderung sei lange Zeit ein Tabuthema gewesen, sagt Sibylle Ming von der Aargauer Fachstelle für sexuelle Gesundheit, die an der Umsetzung der App ebenfalls beteiligt war: «Früher hat man ganz vielen Behinderten das Recht auf Sexualität abgesprochen, das waren wie die ewigen Kinder».

Hier habe sich die gesellschaftliche Haltung sicher verändert, weswegen es heute ein guter Zeitpunkt für eine solche App ist – die Erste im deutschsprachigen Raum.

Für die Vermittlung von Themen zu verschiedenen Körpern, sexuellen Orientierungen, Sexpraktiken oder Pornografie setzt die App auch auf ziemlich explizite Bilder.

Das sei auch so gewollt, da man die Themen direkt ansprechen wolle, sagen die Macherinnen. Dies hat nun allerdings auch dazu geführt, dass die App im Google-Store für Android-Handys gesperrt wurde.

Seit Ende September 2020 ist die «Klar und Einfach» App gratis verfügbar im ganzen deutschsprachigen Raum. Bisher habe man gute Rückmeldungen erhalten und die Macherinnen sind überzeugt, dass sie mit der App einen Nerv getroffen haben.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 7. Januar 2021, 17:30 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Wird auch über Verhütung gesprochen? Wichtig!
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Damals gab es auch einen Film, der der oder dem Behinderten un seinem /er Patrner/in verschiedene Techniken zeigte. Der war allerdings für Körperbehinderte und auf englisch. Kam aus den USA.
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  • Kommentar von Claudia Beutler  (Claudia)
    Eigentlich ist das Thema Bedingungen und Sexualität nichts neues. Im Paraplegiker Zentrum wird schon seit Jahren ein Kurs zu dem Thema angeboten. Er wir von einer Tetraplegikerin geleitet. Sozusagen von Betroffenen zu Betroffenen. Ausserdem wurde über das zulassen von sogenannten "Berüherinnen" diskutieren. Das sind Damen, die sich auf die Sexulelle Befriedigung von Behinderten spezialisiert haben. Diese Diskussionen hatten wir schon 2000.
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    1. Antwort von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
      Zum Glück wird Sexualität im SPZ schon länger thematisiert. Gerade auch, weil eine Rückenmarksverletzung diese beeinträchtigt, viele Betroffene also einen neuen Umgang damit erlernen müssen. Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung wird aber noch allzuoft eine Sexualität abgesprochen... sie werden, wie im Artikel erwähnt, als ewige Kinder behandelt.
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