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Eine Ausbildung für alle Religionen – so funktioniert es
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 06.09.2021.
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Neue Ausbildung für Seelsorge Wenn religiöse Praktiken für die Schweiz adaptiert werden

Die Universität Bern bietet neu eine Ausbildung für verschiedene Religionen an. Denn: Die Seelsorge muss gelernt sein.

Naht das Lebensende, beginnen viele, sich eingehend mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Der Wunsch, sich mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger auszutauschen, wächst. In Schweizer Altersheimen stellen die Verantwortlichen fest, dass vermehrt nicht nur christliche Geistliche gefragt sind, sondern auch die Unterstützung eines Imams, einer Rabbinerin oder Hindupriesters.

Die Universität Bern hat auf diese Nachfrage reagiert. Das Institut für Praktische Theologie bietet seit dem Sommer eine Ausbildung für interreligiöse Seelsorgerinnen und Seelsorger an. Es handle sich um ein «europaweit einmaliges Ausbildungsprogramm».

Legende: Tharmalingam Sasikumar nimmt an der Ausbildung teil. Sonja Mühlemann/SRF

Einer, der sich ausbilden lässt, ist Hindupriester Tharmalingam Sasikumar. Seit 32 Jahren lebt der gebürtige Tamile in der Schweiz. Er amtet ehrenamtlich als Priester. Als Seelsorger ist er in Gefängnissen unterwegs, häufig aber auch an Sterbebetten, in Spitälern oder Altersheimen.

Seine spirituellen Dienste seien gefragt wie noch nie:  «Fast 10'000 pensionierte Tamilinnen und Tamilen leben in der Schweiz», erzählt er. «Diese leben – anders als in ihrer Heimat – im Alter häufig alleine und werden nicht ausschliesslich von den eigenen Kindern betreut.»

«Missionieren verhindern»

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Isabelle Noth vom Institut für Praktische Theologie der Universität Bern betont die Wichtigkeit der professionellen Aus- und Weiterbildung: «Seelsorgerinnen arbeiten mit verletzlichen Personen in schwierigen Lebenslagen.» Den Seelsorgerinnen und Seelsorgern werde oftmals viel Vertrauen entgegengebracht. «Sie müssen sich diesem Vertrauen als würdig erweisen. Fehler oder mögliche Übergriffe gilt es zu verhindern.» Durch die Ausbildung werde auch das Missionieren unterbunden.

Mit der Einsamkeit im Alter kommen seine Landsleute oftmals nicht gut zurecht – sie suchen bei Tharmalingam Sasikumar Hilfe. Der Seelsorger und Hindupriester ist nicht nur spiritueller Begleiter – sondern auch Vermittler: zwischen den älteren Leuten, den Familienmitgliedern sowie den Pflegern und den Leiterinnen von Spitälern und Altersheimen. Es geht um Rituale, die hierzulande eher ungewöhnlich sind.

Legende: Gläubige Hindu schmücken im Berner Tempel eine Säule und stimmen sich auf das Gebet ein. Im Haus der Religionen ist auch Tharmalingam Sasikumar tätig. Sonja Mühlemann/SRF

Beispielsweise verabreichen Angehörige sterbenden Menschen Milch oder heiliges Wasser. Daran mussten sich die Leute in Schweizer Institutionen zuerst gewöhnen. 

Die Institutionen werden offener – und holen uns Seelsorger schneller als früher.
Autor: Tharmalingam Sasikumar Hindupriester und Seelsorger

In Sri Lanka ist es auch Brauch, Verstorbene auf einen Stuhl zu setzen und von Kopf bis Fuss zu waschen. Das sei in Schweizer Spitälern nicht möglich, sagt Tharmalingam Sasikumar. Deshalb hat er dieses Ritual auf Schweizer Verhältnisse adaptiert. Er stellt jeweils hinter den Sarg einen Spiegel. Dadurch kann das «Spiegelbild» des Verstorbenen gewaschen werden.

Was hierzulande jeweils üblich ist und was nicht, ist unter anderem Teil der Ausbildung. Auch der intensive Austausch mit den Gläubigen wird thematisiert. So sind etwa Gesprächstechniken Thema. «Das gibt mir Sicherheit», sagt Tharmalingam Sasikumar.

Wer an der Ausbildung teilnehmen darf

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Die Theologische Fakultät der Universität Bern bietet seit 2008 akademisch zertifizierte Aus- und Weiterbildungen in Seelsorge für dafür qualifizierte Pfarrpersonen an. Das Programm ist neu ökumenisch ausgeweitet, es sind also verschiedene Religionen vertreten. Und: Die Aufnahme ist auch «sur dossier» möglich. Das heisst, die Ausbildung steht Personen offen, die zwar nicht über die formellen akademischen Aufnahmekriterien verfügen, jedoch für die Ausbildung geeignet sind.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 3.9.2021, 17:30 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Andrey Elenev  (Le Baguette)
    Finde ich gut. Jeder hat recht auf friedliches Lebensende bzw. Sterben. Wenn dabei ein Priester sein muss - warum denn nicht? In Grunde genommen, die sind nichts mehr als Psychologen mit speziellen zielgerichteten Taktiken, die bestimmte Personen helfen, sich mit das grosse Nichts auseinander zu setzen, ohne dabei unnötig zu leiden.
    1. Antwort von Alexander Markert-v.Weljaminoff  (Trollfrei)
      Schreiben Sie, .. sich mit dem grossen "Anders" auseinanderzusetzen, dann stimmt es aus meiner Sicht. Den Tod des Bewusstseins gibt es nicht so, wie ihn es sich die materialistische Wissenschaft einbildet.
  • Kommentar von Werner Gerber  (Emmentaler)
    ich frage mich immer wieder, warum die theologie an einer universität studiert werden muss. predigten frei von der leber weg. eine warme atmosphäre schaffen damit kinder, ältere menschen die aus tradition jeden sonntag weil die vorfahren es auch so hielten die gottesdienste besuchen nicht einschlafen und kinder das akademische gerde von der kanzel nicht verstehen.
    1. Antwort von Mona Grieder  (papaver)
      Weil die Theologie ein wissenschaftliches Fach ist. Hebräisch, Griechisch, Latein; Historische und literarische Forschung zu biblischen und ausserbiblischen Schriften, historische Studien uvm. Seelsorge lernt man via CAS an der Uni Bern NACH der Ausbildung zur Pfarrperson (Ordination). Ein ziemlich langer Weg.
      Ich bin Pflegefachfrau und Theologin. Trotzdem kann ich nicht als Spitalseelsorgerin arbeiten. Es werden nur ordinierte Pfarrer*innen angestellt. Gilt nur für die reformierte Kirche ;-)
    2. Antwort von Werner Gerber  (Emmentaler)
      das weiss ich dass dies ein wissenschsftliches fach ist. jetzt sie frau grieder sind pflegefachfrau und theologin, also meines erachtens eine prädestienierte persönlichkeit, der es unmöglich ist zb. als spitalseelsorgerin tätig zu sein warum nicht? mich persönlich stört das. ich bin überzeugt, dass genau sie durch ihre tätigkeit als pflegefachfrau das menschliche in den vordergrund stellen. ordiniert sein ist ein verstaubter alter zopf und sollte reformiert werden
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Werner Gerber: Theologie und interreligiöse Seelsorgerin oder Seelsorger ist schon nicht ganz das gleiche. Deshalb bin ich skeptisch gegenüber solchen Ausbildungen wie, sie hier von der Universität Bern angeboten werden sollen, an staatlichen Universitäten.
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Also sind Staat und Religion jetzt nicht mehr getrennt. Was hier von einer staatlichen Universität angeboten wird, unterscheidet sich doch wesentlich von einem klassischen Theologiestudium.
    1. Antwort von Fabian Malovini  (MLaw, Rechtsanwalt)
      staat und religion waren in der schweiz noch nie richtig getrennt. leider.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Fabian Malovini: Das ist sehr allgemein formuliert. Es kommt eben sehr draufan, was staatliche Universitäten übernehmen sollen. Da gilt strikte Neutralität und Seelsorger-Coaching gehört meiner Meinung nach nicht an staatliche Universitäten. Das soll der Markt übernehmen.
    3. Antwort von Andi Briner  (RoyalFlush98)
      Verstehe icg richtig? Sie fragen sich, warum in einer staatlichen Universität Lehtstühle für Religionen aufbaut, die innerhalb des Staates ausgeübt werden?
      Gibt es denn inländische und ausländische Religionen? Wie sieht es mit Religionsfreiheit aus?
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andi Briner: Ich glaube Sie verstehen nicht richtig. Es geht nicht um die Lehrstühle für Theologie, sondern um Bildungsangebote in Seelsorge. Dazu braucht es nicht unbedingt eine staatliche Universität. Wenn das Schule macht, müssen/wollen die Universitäten letzten Endes auch noch die Skilehrerinnen ausbilden.