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Neue Deza-Studie Schweizer Bildungssystem als Vorbild für Afrika?

Legende: Audio «Wir wollen uns vom Schweizer Bildungssystem inspirieren lassen» abspielen. Laufzeit 12:20 Minuten.
12:20 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.09.2018.

Was das Schweizer Bildungssystem zu bieten hat: Die Schweiz investiert viel in Schulbildung, die dezentrale Volksschule ist stark verankert und die Mehrsprachigkeit des Landes ist ein prägendes Merkmal. «Es sind Aspekte, die wir verstärkt in die Arbeit mit unseren Partnerländern einfliessen lassen möchten», sagt Sabina Handschin, Bildungsspezialistin der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza). Beispielsweise sehe man, dass auch in Entwicklungsländern dezentrale Systeme mehr Erfolg hätten als zentral gesteuerte. In vielen Ländern fehle aber das Wissen darüber. Ausserdem müssen in vielen Ländern Kinder in der Schule eine Sprache sprechen, die sie eigentlich nicht verstehen. Das wirkt sich auf den Lernerfolg aus. Diese Länder können sich von der Vielsprachigkeit der Schweiz inspirieren lassen.

Schule für 500'000 Kinder: Die Schweiz investiert schon heute in Schulprojekte. Gegenwärtig setzt sich die Deza mit 60 Projekten in 18 Ländern für gute Schulbildung ein – hauptsächlich in Subsahara-Afrika, im Mittleren Osten, Süd- und Ostasien. «So konnten in den letzten vier Jahren 500'000 Kinder in Mali dank der Unterstützung der Schweiz trotz der Konfliktsituation die Schule besuchen», sagt Sabina Handschin.

Kinder im Südsudan in Schulbänken
Legende: Schulbildung ist die Basis für wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Auch für diese Kinder im Südsudan. Keystone

263 Millionen Kinder ohne Bildung: Das Engagement in die Bildung ist unabdingbar. Denn weltweit haben immer noch rund 263 Millionen Kinder keinen Zugang zur Schulbildung – unter anderem wegen Armut, fehlender Schulen, kultureller Barrieren, Kriegen, oder Flucht. Und 330 Millionen lernen nichts, auch wenn sie in der Schule sind, weil die Unterrichtsqualität so schlecht ist, schreibt die Deza. Was in der Schweiz gelte, gelte auch in den Entwicklungsländern, betont die Bildungsexpertin: Jedes zusätzliche Schuljahr verbessere das Einkommen und die Lebenssituation im Erwachsenenalter. «Gute Schulbildung ist die Basis für wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Fehlende Schulbildung kann später kaum aufgeholt werden.»

Direkter Erfahrungsaustausch zwischen Schulen: Auf Basis der Studie möchte die Deza den direkten Austausch mit Schweizer Institutionen wie Kantonen, Gemeinden oder Schulen und Deza-Partnerländern ermöglichen. Beispiel Libanon. Das Land hat leidet unter der Flüchtlingskrise, das Schulsystem ist am Anschlag. Wie schaffe es die Schweiz, ihre Flüchtlinge in die Schule zu integrieren? Warum sei Gewalt an den Schulen kein Thema? Das wurde die Deza-Mitarbeiterin bei ihrem Besuch im Libanon gefragt. «Warum nicht Vertreter vom Bildungsministerium aus dem Libanon einen Besuch einer Schweizer Volksschule ermöglichen?», nennt Sabina Handschin ein Beispiel. Solche Ideen wolle man in Zukunft fördern. Man wolle das Expertenwissen des Schweizer Bildungssystems nutzen. «Es geht aber nicht darum, das Schweizer Modell zu exportieren oder anderen überzustülpen.»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Guido Infanger (Gweid)
    Im Verhältnis was die Schweiz in das Bildungssystem in der Volksschule investiert, zu dem was raus schaut, ist unser Bildungssystem eines der schlechtesten der Welt. So etwas zu exportieren hat schon fast etwas tragisches an sich
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    1. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Herr Ifanger: Unser Schuldystem insgesamt d.h. inklusive die Berufsausbildungen ist eines der besten in der Eelt. Darum haben wir sehr gute Berufsleute, was ebenfalls weltweit anerkannt ist. Da sind wir Staaten wie FR, GB, IT etc weit voraus. Man kann natürlich immer alles schlecht reden.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Hoffentlich wird was daraus. - Bei der Schule beginnen und mit der Berufs-Lehre oder Weiterbildung fortfahren. Scheint mir zumindest ein recht guter und lohnenswerter Ansatz zu sein, den man unterstützen kann. Nicht vergessen sollte man dabei sog. Kinderspitäler wie in Kambodscha, dies aus aktuellem Anlass hier erwähnt. Auch da muss es stimmen. Da holt man die Menschen ab und die sind sehr dankbar dafür.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Ach ja, den Glauben, bzw. die Religion darf man nicht verbannen, aber deren Einfluss auf diese Art von Hilfe muss man so gering wie nur möglich halten. Auch darf es nicht zu einer politisch, ideologisch geprägten Schulung (ver-)kommen. NB: Marx, Engels, Mao, Lenin, Stalin und sonstige ideologische Fehlleistungen und Weltanschauungen, haben da nichts verloren, das bringt nur Krieg, Leid und Elend, und damit ist diesen Kindern nicht geholfen.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Wieder einmal macht ein kleineres Land den EU-Granden etwas vor. Das ist die genau richtige Methode, Bildung gibt den Menschen Möglichkeiten der Entwicklung. èbrigens läuft ja bereits ein ähnliches Projekt der Schweiz in den USA. Hallo EU - aufwachen.
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    1. Antwort von Johannes Rösinger (JohMuc)
      Läuft in der EU schon seit 2010.... Bisschen spät dran das kleine gelobte Land ;-) https://www.bmvg.de/de/themen/dossiers/engagement-in-afrika/das-engagement/grundlagen/die-europaeische-afrika-strategie
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    2. Antwort von Peter Imber (Wasserfall)
      Herr Rösinger, können Sie auch mal etwas gut finden in der Schweiz? Berufsbildungsmässig müssen wir ganz sicher keine Angst haben, uns mit DE zu messen. Ich spreche da aus praktischer Erfahrung aus dem Berufsleben. Mir haben selbst schon Deutsche gesagt, dass dies bei Ihnen in DE nicht so konsequent umgesetzt wird wie bei uns. Glaube auch nicht, dass unsere Berufsleute einen Vergleich mit ihren Kollegen in DE scheuen müssen.
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