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Neue Geschäftsmodelle Gerangel im Kampf um Stromkunden

Legende: Audio Potential auf dem Schweizer Solarstrommarkt abspielen. Laufzeit 01:25 Minuten.
01:25 min, aus HeuteMorgen vom 11.07.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Besitzer von Solaranlagen brauchen ihren Strom selbst oder verkaufen ihn an Dritte. Hierfür brauchen sie allerdings Hilfe von Profis.
  • So ist ein neues Geschäftsfeld entstanden, in dem Start-ups und Stromkonzerne um Kunden buhlen.
  • Die kleinen Anbieter beklagen sich, sie seien auf dem Markt gegen die grossen Stromkonzerne mit Monopolcharakter chancenlos. Diese verteidigen sich, man halte sich an geltende Gesetze.
  • Das Gerangel auf diesem neuen Geschäftsfeld ist gross – und zeigt das Potential des neuen Strommarkts.
Solarpanel neben eine Wiese
Legende: Zurzeit gibt es etwa 2000 Eigenverbrauchsgemeinschaften, um die sich private Start-ups und Stromkonzerne streiten. Keystone

Wer eine Solaranlage auf dem eigenen Dach hat, kann diesen Strom seit Anfang Jahr einfacher selber verbrauchen oder seinen Nachbarn verkaufen. Damit dies reibungslos gelingt, brauchen diese sogenannten Eigenverbrauchsgemeinschaften jedoch die Unterstützung von Profis.

Diese Profis sind immer gefragter. Rund um diese Eigenverbrauchsgemeinschaften ist so ein neuer Markt entstanden – ein Markt, auf dem sich private Start-ups und lokale Stromanbieter um die Kunden streiten.

Grosse Konkurrenz im neuen Markt

Damit der Strom nämlich ohne Umweg in die eigene Steckdose fliesst, müssen zahlreiche technische und rechtliche Fragen geklärt werden. Cyrill Burch hat sich in diesem Bereich selbstständig gemacht; er bietet Beratungen und Dienstleistungen an.

Die Konkurrenz sei jedoch gross, denn auch die Stromanbieter seien in das Geschäft mit Eigenverbrauchsgemeinschaften eingestiegen – und versuchten den kleinen Unternehmen die Kunden abzujagen. Sie nutzten das Wissen, das sie aufgrund ihres Strommonopols haben, um den privaten Anbietern die Kunden wegzuschnappen.

«Man muss dem Monopolisten melden, dass man eine Solaranlage baut. Dann wird der Bauherr direkt bearbeitet» so Burch – mittels Katalogen oder Verkäufern. «Viele Angebote sind preislich auf einem Niveau, dass Private gar nicht mithalten können.»

Stromkonzerne verteidigen sich

Die Stromkonzerne ihrerseits verteidigen ihre Aktivitäten. So schreiben die Centralschweizer Kraftwerke CKW etwa, dass das Unternehmen den Eigenverbrauchstrend fördere, da der Solarstrom damit effizient genutzt werden könne. Die Trennung zwischen Stromversorgung und weiteren Dienstleistungen halte man, wie vom Gesetz vorgesehen, strikt ein.

Aussage gegen Aussage also. Aber der Disput zeigt: Eigenverbrauchsgemeinschaften sind im Aufwind, im Moment gibt es schätzungsweise 2000, und alle Anbieter sind sich einig: Die Nachfrage steigt.
Das Gerangel auf diesem neuen Geschäftsfeld ist deshalb gross.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Aus meiner Sicht ist es gut, wenn die Stromkonzerne begreifen, dass sie mitspielen müssen, denn andernfalls machen einfach andere den Deal. Das bedeutet dass die Monopole angefangen haben zu wackeln.
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  • Kommentar von Tim Buesser (TimBue)
    Letztendlich ist das Ganze ein Gerangel um Subventionen. Gemäss EEG Abrechnung 2016 betrug die Einspeisevergütung für Solarstrom ca 27cts/kWh. Gleichzeitig war der mittlere Marktwert an der europäischen Strombörse ca 3.2cts/kWh. In Summe wurde Solarstrom also mit rund 700% subventioniert. In CH liegt dieser Subventionsgrad bei bestehenden Solaranlagen noch etwas höher.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Sie liegen falsch, denn dieser Artikel von SRF behandelt einzig und allein die Situation in der CH. Das was Sie schreiben stimmt jedoch einzig für D, was EEG betrifft, und für den Spotmarkt, was den Börsenpreis betrifft. Die Rede ist jedoch von Eigenverbrauchsgemeinschaften, wo der Mittlere Preis bei ca. 10 Rp./KWh liegen dürfte, also nur ca. 20 - 30% unter dem Selbstkostenpreis, da dieser bei neueren Solaranlagen bei ca. 12 - 13 Rp./KWh liegt.
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  • Kommentar von Dani Keller (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    Schlussendlich geht es auch hier nur wieder um das Abschöpfen der Stromsubventionen über die Mieter. Besser wäre: keine Subventionen für PV Anlagen. Stattdessen kleine Hausstromspeicher fördern. Somit mehr Eigenverbrauch, Netzentlastung und nebenbei könnte ein E-Auto damit günstig und sinnvoll übers Jahr betrieben werden (in der Nacht den Solarstrom aus dem Hausspeicher). Damit käme man annähernd auf 100% Eigenverbrauch. Passt den grossen Stromanbietern natürlich nicht, weil kein Geld verdient.
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Dani Keller: Das eine tun und das andere nicht lassen. Die vielen kleinen Produzenten dienen als Netz-Ausgleich, da auch die Grossproduzenten von erneuerbarer Energie keine permanente Stabilität liefern können. Klar, es wird komplizierter, kann aber mit der heutigen, sich im Aufbau befindenden Technik gemanaget werden. Die Ingenieure sind ganz scharf darauf, hierfür Lösungen zu entwickeln.
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    2. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Die Hausspeicher sind wenig sinnvoll, ausser jemand macht das als Hobby, denn die Effizienz ist niedrig und der Eigenverbrauch kostet so natürlich mehr als Strom vom EW, und auch mehr als vernetzter Eigenverbrauchsstrom.
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