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Mehr Natur und Begegnungszonen auf den Friedhöfen
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 17.09.2021.
abspielen. Laufzeit 09:25 Minuten.
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Neue Nutzung der Friedhöfe Weniger Erdbestattungen, dafür mehr Platz für die Natur

Am 18. September ist der Tag des Friedhofs. Ein Beispiel aus Baden AG zeigt neue Möglichkeiten für die Friedhofsfläche.

«Das wäre eine wunderbare Brötlistell. Hier wird ab und zu ein Picknick gemacht», sagt Matthias Messerli, Bereichsleiter des Werkshofs Baden, auf einem Rundgang auf dem Friedhof Liebefels in Baden. Auf dem Friedhof wird getrauert, den Verstorbenen gedacht, die Ruhe gesucht. Aber es gibt auf dem Friedhof Liebefels auch Joggerinnen, Spaziergänger und sogar ein Theater ist geplant – im Krematorium auf dem Friedhofsgelände.

Solange es nicht pietätlos ist, ist es kein Problem.
Autor: Matthias Messerli Bereichsleiter Friedhof Stadt Baden

Gut so, findet Matthias Messerli. «Solange es nicht pietätlos ist, ist es kein Problem. Es darf einfach den Friedhofsbetrieb nicht stören», sagt er. Der Picknick-Platz ist im hinteren Teil des Friedhofs, fernab der Grabstätten. In Baden gibt es nur noch etwa fünf Prozent Erdbestattungen, klassische Urnenbestattungen betragen 10 Prozent. «Der Rest kommt in ein Gemeinschaftsgrab, in ein bestehendes Grab oder in den Parkwald», erzählt Messerli weiter.

Legende: Nicht nur Katzen, auch Rehe, Füchse, Dachse oder Eichhörnchen fühlen sich in den Parkanlagen der Schweizer Friedhöfe wohl. Keystone

Der Parkwald ist ein neuer Teil des Badener Friedhofs. Zwischen Bäumen und Wiesen wird die Asche der Verstorbenen vergraben. Auf Wunsch kann der Name der oder des Beerdigten auf einem Stahlgeländer eingraviert werden. Diese Art der Bestattung ist seit 2018 möglich. Schon vorher habe es Anfragen dafür gegeben, heisst es in Baden.

Ein Mann habe bei seinem Tod im Jahr 2016 den Wunsch nach dieser Art der Bestattung geäussert. Seine Angehörigen hätten sich richtig gefreut, als der Parkwald auf dem Friedhof die Beerdigung möglich machte, sagt Matthias Messerli auf dem Rundgang.

Dachs, Fuchs und Reh auf dem Friedhof

Der Friedhof als Ort der Tiere oder zum Verweilen in der Mittagspause? Während in Basel Rehe auf dem Friedhof die Natur schätzen gelernt haben, gibt es in der Region Zürich oder auch in Schaffhausen Friedhöfe, die für das Vorkommen von Glühwürmchen bekannt sind. Die Natur auf dem Friedhof ist kein neues Phänomen, allenfalls aber ihre Nutzung über die Trauerarbeit hinaus?

Legende: Glühwürmchen auf einem Schaffhauser Waldfriedhof. Keystone

Naturbestattungen gibt es nicht nur in den Alpen oder auf Waldfriedhöfen, sondern seit ein paar Jahren also auch auf dem Stadtfriedhof in Baden. Die Nachfrage dafür scheint vorhanden. Dies bestätigt auch Peter Fluri, Co-Präsident des Naturfödervereins Solothurn und Gründer der Interessensgemeinschaft Friedhof Solothurn. «Viele Leute wollen lieber eine naturnahe Bestattung als eine Parzelle in Reih und Glied.»

Wenn Fluri an den Friedhof der Zukunft denkt, ist das gestiegene Bedürfnis nach Natur aber nur ein Aspekt. «Mehr Leben sollte eine Rolle spielen. Friedhöfe könnten ein Ort der Begegnung sein, wo die Leute spazieren und sich an die Verstorbenen erinnern, vielleicht auch lachen und Freude haben.» Weitere Ideen seien ein Friedhofscafé oder Picknickstellen. Im Vordergrund soll aber das Zusammenspiel mit der Natur stehen.

Tag des Friedhofs

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Legende: Die Natur soll auf dem Friedhof Solothurn künftig mehr Raum erhalten. zvg/Thomas Briner,Naturmuseum Solothurn

Der Tag des Friedhofs hat in verschiedenen Städten Tradition. In Solothurn wird er am 18. September dieses Jahr zum ersten Mal gefeiert. Hier ist die Natur und Biodiversität das Thema des Tages, untermalt mit Rundgängen und Musik. Stadt, Einwohnerdienst, Landeskirchen und die Interessengemeinschaft Friedhof möchten der Bevölkerung die Vielfalt des Friedhofs näher bringen.

Für den Friedhof Solothurn wurde deshalb ein Masterplan erstellt, wo die Natur eine viel grössere Bedeutung erhält als heute. «Wir wollen wieder mehr Artenreichtum.» Das geht aber nicht von heute auf morgen und irritiert in Solothurn auch manche Friedhofsbesucherinnen. «In einem Friedhof erwartet man einen kurz geschnittenen Rasen. Manche Leute haben das Gefühl, wir haben den Unterhalt nicht richtig gemacht», erzählt Andreas Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes Solothurn. «Es braucht halt Zeit, bis es naturnah blüht.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 16.09.2021, 17:30 Uhr;

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Ich habe sehr viele Friedhöfe in vielen Ländern besucht, untersucht und studiert.
    Die Schweizer Friedhofskultur ist ziemlich abweichend von der in anderen Ländern.
    1 Beispiel keine Fotos der Verstorbenen auf den Grabmalen.
    Es gibt auch sehr wenig Akademische Studien zu Friedhöfen, nur sehr wenige Universitäten beschäftigen sich mit Friedhöfen, mir sind in Europa nur 3 bekannt.
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Die Beerdigungskultur in der Schweiz bleibt für mich immer ein Graus. Was musste ich dort alles erleiden. Mein Grossvater, wir als Familie wollten an Weihnachten noch einmal vor der Ausräumung sein Grab besuchen, wir fanden nur ein Schlammloch. Nach einem längeren Aufenthalt in der Südsee wollte ich das Grab meiner jung verstorbenen Mutter besuchen, es war nicht mehr da. Ich hatte ganz alleine so geweint. Für die Asche meines Vaters habe ich vorgesorgt, er soll in freier Erde beerdigt bleiben.