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So soll das Problem mit dem Wildcampen gelöst werden
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 18.03.2021.
abspielen. Laufzeit 09:43 Minuten.
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Neue Strategie Wie das Wildcampen eingedämmt werden soll

Wegen Corona boomt das Campen im eigenen Land – doch viele brechen die Regeln. Das soll sich jetzt ändern.

«Bleiben Sie zu Hause», sagte Alain Berset im Frühjahr 2020. «Machen Sie Ferien in der Schweiz», ergänzte Ueli Maurer im Sommer. Die Schweiz hörte auf die beiden Bundesräte und wurde – mehr als bereits zuvor – zur Camper-Nation.

Der Ansturm wird kommen, bald, über die Ostertage. Sofern das Wetter mitmacht. Am 1. April starten zudem die offiziellen Campingplätze in die Saison. Doch: Wie ist man dieses Mal vorbereitet auf die hohe Nachfrage?

Ein Camper aus der Froschperspektive.
Legende: Campen boomt: Rund 26 Prozent mehr Camper wurden letztes Jahr zugelassen. ZVG/Martin Aeschbach

Keine Regeln im Oberland, Versuch im Gantrisch

Für Ostern habe man viele Anfragen auf den offiziellen Campingplätzen im Berner Oberland, bestätigt Martin Zysset, Präsident von Swiss Camps. Aber es wird auch einige geben, die nicht auf einem offiziellen Platz ihr Zelt aufbauen oder ihr Wohnmobil abstellen. Irgendwo an einem Fluss oder auf einer Alpweide übernachten – «wildcampen» ist für viele das höchste der Gefühle.

Im Berner Oberland waren Wildcamperinnen und -camper ein so grosses Problem, dass letzte Saison Verbotsschilder aufgestellt wurden. Für diese Saison wurden aber keine speziellen Massnahmen beschlossen – auch im Emmental nicht, wie es auf Anfrage heisst.

Die Natur ist kein Selbstbedienungsladen.
Autor: Raphael ZahndNaturpark Gantrisch

Anders im Naturpark Gantrisch zwischen Bern und Freiburg. Zeltende Menschen wurden zum Problem: «Die Situation hat sich wegen Corona verschärft», so Raphael Zahnd vom Naturpark. «Wir möchten nicht zur Selbstbedieungungsregion werden, wo sich einfach jede und jeder ein Plätzchen sucht zum Wildcampieren.»

Die Aussicht aus einem Zelt.
Legende: Möglichst verbunden mit der Natur: Eine Übernachtung im Zelt ist aber nicht überall erlaubt. ZVG/Martin Aeschbach

Legale wilde Plätzchen

Abhilfe schaffen sollen Landwirtinnen und Landwirte, die ihr Land zur Verfügung stellen. Dafür arbeitet der Naturpark Gantrisch mit der Online-Plattform Nomady zusammen.

Je mehr Angebote wir schaffen können, umso geringer ist der Anreiz, auf verbotenen Plätzen zu campen.
Autor: Raphael ZahndNaturpark Gantrisch

Es funktioniert so: Man hat Land, das man zur Verfügung stellt und meldet sich bei Nomady. Dieser Anbieter erstellt dafür ein Inserat auf seiner Plattform im Internet. Camperinnen und Camper können diesen Platz dann buchen. In den ersten drei Monaten habe man mit zwei Plätzen über 50 Übernachtungen verkauft.

So sei garantiert, dass die Natur gewürdigt und geschützt werde, sagt Zahnd. Zudem soll die lokale Bevölkerung vom Camper-Boom profitieren können. «Verbote sind kontraproduktiv.»

Braucht es mehr solche Stellplätze?

«Die Menschen, die ein Platz im Schilf suchen, die suchen den, auch wenn es mehr Stellplätze gibt», meint Martin Zysset von Swiss Camps. Er steht ein für die Bedürfnisse der traditionellen Campingplatz-Betreiberinnen und -Betreiber. Wildcampieren sei nicht immer im Einklang mit der Natur, kritisiert er. Es gäbe Leute, die Abfall liegen liessen oder Tiere störten.

Es ist im Moment hip, einen möglichst wilden Platz zu finden für sein Zelt.
Autor: Martin ZyssetPräsident Swiss Camps

Ihm ist es deshalb lieber, wenn Leute, die einen Platz für sich alleine suchen, einen solchen Stellplatz privat mieten – anstatt irgendwo zu zelten oder campen. «Es geht nicht, dass überall auf jedem Parkplatz plötzlich Camper stehen.»

Was ist eigentlich erlaubt?

Es gibt Orte in der Schweiz, wo man wildcampen darf. Das Übernachten unter freiem Himmel und campieren ist kantonal oder auf Gemeindeebene geregelt. Gewisse Grundregeln gibt es laut dem SAC allerdings, die überall gelten.

Wildcampieren: Die Regeln

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Wildcampieren: Die Regeln
Legende: zvg/Martin Aeschbach

Wann ist Wildcampieren laut dem SAC unbedenklich?

  • Einzelne Übernachtungen (nicht in Gruppen) im Gebirge, oberhalb der Waldgrenze (bei mehreren Übernachtungen tagsüber das Zelt wieder abbauen)
  • Auf Privatgrundstücken mit Erlaubnis des Grundstückbesitzers
  • Not-Biwakieren

Wann ist Wildcampieren laut SAC verboten?

  • Campieren in Naturschutzgebieten.
  • Campieren im Schweizerischen Nationalpark
  • Campieren in eidgenössischen Jagdbanngebieten
  • Campieren in Wildruhezonen
  • Campieren dort, wo ein allgemeines Betretungsverbot herrscht

Wenn man mit einem Wohnmobil, einem Bus oder Auto unterwegs ist, gelten wiederum separate Bestimmungen. Zum Beispiel, was das Übernachten auf einem Parkplatz angeht.

Diese Frage ist in der Schweiz nicht einheitlich geregelt. In einzelnen Kantonen oder Gemeinden gilt das Übernachten im Auto als wildes Campieren und ist ausdrücklich verboten. Andernorts ist es ausdrücklich erlaubt.

Auch für Landwirtinnen und Landwirte, die ihr eigenes Land anbieten möchten, gibt es keine einheitliche Regel. Raphael Zahnd vom Naturpark Gantrisch empfiehlt, mit der Bauverwaltung der jeweiligen Gemeinde Kontakt aufzunehmen: «Lösungen sind fast immer möglich.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 18.03.21, 17:30 Uhr;

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93 Kommentare

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  • Kommentar von Bea von Känel  (helvetia007)
    Wenn Corona das für meine Wahrnehmung Camping-Schlafland zum Aufwecken bringt, dann ist das einer der wenigen Vorteile aus dieser Zeit. Ich persönlich wünsche mir mehr einfache, saubere Campingplätze an geeigneten Lagen. Und die Schweiz benötigt nicht nur Glamping. Und wenn Regionen denken, die wollen wir nicht, wir wollen unsere Hotels füllen, dann sei euch gesagt: dann kommen die Camper gar nicht in eure Region. Die lassen nicht ihr WoMO oder ihren Wohnwagen daheim und buchen ein Hotel.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Bea von Känel: An den "geeigneten" Lagen der Schweiz stehen bereits die Villen der Upperclass.
    2. Antwort von Bea von Känel  (helvetia007)
      @Thomas Leu: Es hat was. In Klosters gäbe es in der Loipenregion ev. noch Raum für einen Sommerplatz...
      Zwischen Lanquart und Davos Glaris gibt es leider keinen Campingplatz...
    3. Antwort von Marcel Lehmann  (Mike123)
      Ein einfacher Platz mit Übernachtung ist alles was die meisten Camper wollen. Sie haben ihre kleine Wohnung dabei und 99% der Camper sind zudem umweltbewusste Eltern und CH-Bürger. Die überteuerten Hotels glauben, es würde ihnen Umsatz entgehen, schädigen aber die Dorfläden und Beizen wenn sie die gutbetuchten Camper ins Hotel zwingen wollen.
      Bleibt diese Unsitte der Gemeinden bestehen, wird nach Corona das Ausland sich freuen, gut zahlende Schweizer-Bürger begrüssen zu dürfen.
  • Kommentar von Pascal Gienger  (Pascal Gienger)
    Wieder einmal ein Beispiel für die Tatsache dass es in Skandinavien einfacher ist.

    Übernachtung im eigenen Auto geht immer (eine Nacht, nicht dauerhaft) und ein Zelt für sich selbst aufbauen ist dann Jedermannsrecht fast immer möglich...
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Es ist krass wie wir locker mit dem täglich erfahrenen Hundekot leben können aber beim Camper laufen wir zum Bully auf obwohl deren Hinterlassenschaft im Vergleich zu dem was Tiere hinterlassen wohl keine 2% ausmachen dürfte.
    Da frage ich mich, geht es hier um ein echtes Problem, nur ein Prinzip oder ist die von uns subventionierte Landwirtschafts- und Forstlobby dahinter, die zwar immer unser Geld aber möglichst wenig dafür leisten will?
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ René Baron: Ich glaube nicht, dass die Menschen locker mit dem Kot der Hunde und Katzen leben. Viele Häuslebesitzer riegeln ihre Gärten systematisch mit hohen Zäunen und sogenannten Katzenschrecks (Geräte die Töne aussenden, die Katzen in die Flucht schlagen sollen) ab. Da kommen nicht einmal mehr Igel rein. Also der Siedlungsdruck in der Schweiz ist schon enorm und wenn jetzt auch noch Wildcamper dazukommen, dann eskaliert das ganze früher oder später.
    2. Antwort von Jana Michel  (Milkyway)
      René Baron ich möchte weder Hundekot, noch Querfeldein-Biker, noch irgendwelche Picknicker oder Wildcamper auf meinen Weiden.

      Bezüglich Subventionen bitte ich Sie sich schlau zu machen und mal zu lesen, was dafür alles geleistet werden muss.

      Gerne verzichte ich auf Subentionen wenn Sie dann für mich die ganzen Arbeiten und Auflagen erledigen. Die Landwirtschaft ist kein 8 - 17 Uhr Job und damit Sie schön wandern können, bin ich zum Unterhalt der Wege verpflichtet.
    3. Antwort von Jana Michel  (Milkyway)
      Es macht mich sauer, dass die Landwirtschaft immer den Sündenbock spielen muss. Wer von euch hätte den gerne Hundekot, Wanderer, Biker, Camper etc. bei euch in euren Vorgärten? Wer von euch benutzt Rasen- und Gemüsedünger und Spritz das Unkraut? Stimmt, ABER ihr erhaltet alle ja keine Subentionen....Sprecht bitte von dem was ihr versteht.