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Lawinengefahr bei SAC-Hütten
Aus 10 vor 10 vom 03.09.2021.
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Neue Studie Lawinengefährdung: Sicherheitsdefizite bei SAC-Hütten

Bei rund jeder vierten SAC-Hütte ist eine Lawinengefährdung möglich. Das zeigen Recherchen von «10vor10».

Hoch über dem Urbachtal im Berner Oberland thront die Gaulihütte. 1970 letztmals renoviert, ist die Hütte der SAC Sektion Bern dringend sanierungsbedürftig. Ende 2020 reichte Hüttenchef Daniel Slongo beim Kanton Bern eine sogenannte Voranfrage für ein Baugesuch ein. Die Anfrage kam postwendend mit einer dicken Überraschung zurück.

Legende: Bei der Gaulihütte von Daniel Slongo herrscht Lawinengefahr. SRF

Bei der Gaulihütte bestehe Lawinengefahr durch ein Ereignis, welches im Durchschnitt alle 300 Jahre erwartet wird. Die Hütte stehe in der roten Zone, teilte das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern Daniel Slongo mit: «Das war bis dahin kein Thema!», sagt Slongo. Weder Bergführer noch langjährige Hüttenwarte hätten bei diesem Hang je Lawinen beobachtet.

Studie zeigt Defizite auf

Anfang Februar 2019 erreichte den SAC Schweiz die Nachricht, das «Mittelaletschbiwak» im Oberwallis sei von einer Lawine komplett «weggefegt» worden. Aufgeschreckt von diesem und älteren Lawinenereignissen lässt der SAC Schweiz seine 153 Hütten in der Schweiz vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF auf eine mögliche Lawinengefährdung überprüfen.

Legende: Bei 29 von 153 Hütten in der Schweiz ist eine Lawinengefährdung erwiesen. SRF

Laut der unveröffentlichten Grobbeurteilung, die der Sendung «10vor10» vorliegt, ist bei 29 von 153 Hütten in der Schweiz eine Lawinengefährdung erwiesen. Bei grosser Lawinengefahr besteht ein Risiko, dass die Hütten zerstört werden können, und Personen in den Gebäuden nicht sicher sind.

«Erwiesene Gefährdung»

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Gemäss SLF Studie bedeutet eine «erwiesene Gefährdung», dass der Standort der Hütte entweder dem roten oder blauen Gefahrengebiet zuzuordnen ist.

Rot bedeutet, dass eine Lawine mit einer Wiederkehrdauer von 300 Jahren Intensitäten von mehr als drei Tonnen pro Quadratmeter entwickeln kann. Lawinen von dieser Intensität vermögen Gebäude komplett zerstören.

Bei 37 weiteren Hütten ist eine Gefährdung möglich. 22 dieser Hütten haben Winterbetrieb, sie sind im Winter für Skitourengängerinnen und Skitourengänger geöffnet. Einige weitere Hütten haben «unbewartete» Winterschutzräume.

Klimawandel vergrössert Lawinenanrissgebiet

Der Rückgang von Gletschern als Folge des Klimawandels führt zu grösseren Anrissgebieten für Lawinen. Im Januar dieses Jahres riss eine Lawine bei der Trifthütte im Sustengebiet den Winterschutzraum komplett weg.

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Bei der Trifthütte hat sich die Lawinengefahr verdoppelt
03:17 min, aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 03.09.2021.
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«Oberhalb der Trifthütte hat der Rückgang des Gletschers die Grösse des Lawinenanrissgebiets in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt», sagt Stefan Margreth vom SLF. Weiter führen auch verbesserte Lawinensimulationsmodellen zu einer genaueren Bestimmung der Gefährdung.

SAC überprüft Lawinengefährdung

Daniel Marbacher, Geschäftsführer vom SAC Schweiz, sagt zum SLF-Bericht: «Wir nehmen die Ergebnisse selbstverständlich sehr ernst. Wir wollen das Möglichste tun, damit wir die Leute in den Hütten schützen können.» Auf der Basis der Grobbeurteilung will der SAC Schweiz bei allen Hütten mit erwiesenem und möglichem Schutzdefizit genau hinschauen.

Legende: Daniel Marbacher, Geschäftsführer vom SAC Schweiz: «Wir wollen das Möglichste tun, damit wir die Leute in den Hütten schützen können.» SRF

Marbacher gibt aber auch zu bedenken, dass bei sehr grosser Lawinengefahr kaum Skitourengängerinnen und Skitourengänger in den Hütten übernachten würden. Welche Hütten betroffen sind, will der SAC Schweiz nicht sagen. Denn die SAC-Hütten gehören den schweizweit 111 Sektionen, und diese sollen selbst kommunizieren.

Millionen für den Lawinenschutz

Für die Verbesserung des Lawinenschutzes hat der SAC eine Strategie ausgearbeitet. Bei allen SAC-Hütten mit erwiesenen Schutzdefiziten sollen Lawinengutachten erstellt werden. Auch bei Hütten mit möglicher Gefährdung und Winterbetrieb wird dies der Fall sein.

Der SAC rechnet damit, dass die Umsetzung der Strategie inklusiv dem Bau von zusätzlichen Lawinenschutzvorkehrungen bis 2030 rund 9.4 Millionen zusätzliche Kosten verursachen wird.

10v10, 3.9.2021, 21:50 Uhr

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Das Thema Lawinen und Hütten beschäftigte bereits vor dreissig Jahren. Da wurde z.B. die Lämmerenhütte in ihren Grundfesten verschoben... Auch die Strehlegghütte am Schreckhorn musste deswegen aufgegeben werden und wurde als Schreckhornhütte an einem neuen, sichereren Ort weiter unten neu gebaut.
  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Bei Gefahrenstufe "Gross" macht man keine Skitouren. Dies gilt als grob fahrlässig bei den Versicherungen. Diese Gefahrenstufe ist auch meistens durch Wettermodelle vorher erkennbar. Wer dann freiwillig auf Hütten ist soll halt mit dem Risiko zurecht kommen.
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Mein Gott bin ich froh mit dem Leben davon gekommen zu sein. Habe ich doch in einigen offenbar lawinengefährdeten Hütten übernachtet. Aber natürlich, ich bin ja auch noch nicht ganz 300 Jahre alt.