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Legende: Video «Freue mich auf die Herausforderungen» abspielen. Laufzeit 00:12 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.09.2019.
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Neuer Chef der Armee Viola Amherd nutzt die Chance der Miliz-Armee

Der erste wirklich eigenständige Entscheid der neuen VBS-Chefin ist ein Ausrufezeichen: Viola Amherd setzt mit Divisionär Thomas Süssli einen Offizier an die Spitze der Schweizer Armee, der weder nach Pulverdampf und Kanonenrauch riecht, noch ein Berufsleben lang Kampfjetkerosin eingeatmet hat. Konsequent folgt sie ihrem Fokus auf die Bedrohung aus dem Cyber-Raum und macht den obersten Spezialisten in diesem Bereich zum Chef der Armee.

Kein kompletter Kulturwandel

Eine unkonventionelle Entscheidung: Divisionär Süssli entstammt militärisch den Sanitätstruppen und legte zivil eine internationale Karriere im Bankensektor hin. Zwischendurch baute er sogar ein eigenes Unternehmen auf. Süssli ist also ein Quereinsteiger: Erst seit der Beförderung zum Brigadier 2015 trägt er das Abzeichen der Berufsoffiziere auf dem Tarnanzug. Eine «Herzensentscheidung», fügte Süssli an, und baute damit gleich die Brücke zum Instruktionskorps, das die Miliz ausbildet.

Eine Überraschung, aber kein kompletter Kulturwandel oder gar Bruch mit der Vergangenheit: Viola Amherd nutzt mit der Ernennung von Divisionär Süssli die Chance der Milizarmee, die in ihrem Mittelbau eben nicht von Berufsoffizieren, sondern von dienstpflichtigen Bürgern in Uniform geführt wird. Sie sind das militärische Kernholz der Schweizer Armee. Als neuer Chef trägt Süssli diesen Spirit jetzt nach ganz oben.

Fokus Gesamtsystem

Viola Amherd hat ihre Wahl auch damit begründet, dass der designierte Chef der Armee in der Vergangenheit mehrere komplexe Grossprojekte erfolgreich gemeistert habe – und wohl auch in der Privatwirtschaft das eine oder andere Mal gescheitert ist, möchte man anfügen. Genau diese Verbindung zwischen militärischer Führungsausbildung und ziviler Erfahrung soll Divisionär Süssli nun einbringen, um den permanenten Wandel der Armee zu managen.

Denn das Gesamtsystem Armee hat gerade die dritte Grossreform der letzten 25 Jahre hinter sich und steht mit den Beschaffungsprojekten in der Luft und am Boden wieder vor einer grundlegenden Erneuerung. Die heutige Armee hat ihre Kernkompetenz, die robuste Verteidigung, auf ein Minimum reduziert und kämpft in kritischen Bereichen mit Fähigkeitslücken.

Entideologisierung der Sicherheitspolitik

Die militärischen Kader und die Mitarbeitenden der Verwaltung auf ein gemeinsames Ziel auszurichten, einen klaren, inhaltlichen Fokus zu setzen, dürfte also eine der grössten Herausforderungen des neuen Chefs sein. Vielleicht gelingt es einem CdA, der weder romantische Gefühle für Panzerketten noch heulende Triebwerke hegt, die Reihen intern zu schliessen.

Insgesamt dürfte sich Viola Amherd auch erhoffen, dass sie Thomas Süssli dabei unterstützen wird, die schweizerische Sicherheitspolitik zu entkrampfen und den Fängen ideologischer Reflexe der Vergangenheit zu entziehen: Die VBS-Chefin setzt auf einen Armeechef, der Politik und Bevölkerung die Verteidigung im Gesamtrahmen erklären soll – jenseits von rechter und linker Erinnerungskultur an den Kalten Krieg.

Georg Häsler Sansano

Georg Häsler Sansano

Bundeshausredaktor

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Georg Häsler ist Bundeshausredaktor in Bern. Er studierte Klassische Philologie. Seine Spezialgebiete sind Südosteuropa, Sicherheitspolitik und die internationalen Beziehungen.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei  (Fritz Frei)
    Jetzt sind also auch die Bundesräte so weit, dass sie die akuteste Bedrohung, nämlich Cyberattacken, als solche akzeptieren. CDA André Blattmann hat dies seit seiner Amtseinführung als Priorität genannt, aber mit dem Konsumverwalter als politischem Chef, hat er und damit die Schweiz Pech gehabt.
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    1. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Sicherlich muss man sich gegen Cyberattacken schützen. Das muss man aber immer und non-stop und nicht erst wenn man angegriffen wird. Ob da die Armee-Truppen-Struktur die richtige Institution ist, wage ich mal zu bezweifeln. Diese kann bestenfalls nur die Armee selber und sich selbst schützen. - Geschützt werden müssen aber auch alle zivilen Stellen genau so. Und da hilft eher nur eine eine polizeilich organisierte Behörden-Struktur. Eine Armee-Struktur ist da eher weniger geeignet.
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  • Kommentar von Fritz Frei  (Fritz Frei)
    Die Armee steht und fällt mit der Überlebenschance, die ohne Lufthoheit gleich null ist. Wenn wir nicht sehr bald einen glaubwürdigen Kampfflieger bekommen, können wir die Armee gleich abschreiben. Und damit unsere Freiheit und Unabhängigkeit. Weil die Menschen Menschen sind, ist es nicht unbedingt schwierig, ein vernünftiges Konzept kaputt zu machen. Es wäre ein Leichtes, dem Armeechef Aldo Schellenberg unterzuschieben, dass er ein neues Spielzeug will. Mit Süssli klappt das nicht.
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    1. Antwort von Hans Haller  (panasawan)
      Vergessen Sie das ganz schnell, wir haben all das nicht mehr, dank einer GSoA-Mentalität haben wir heute eine Armee, die nicht mehr tauglich ist und dennoch alljährlich rund 5 Mia kostet. - Dümmer geht's nicht mehr.
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  • Kommentar von Joseph De Mol  (Molensepp)
    Macht durchaus Sinn diese Wahl. Als Sanitäter weiss er ja, wie man einen Patienten versorgt. Bei diesem Patienten - der Schweizer Armee - reichen Pflaster, Ringelblumensalbe und gutes Zureden allerdings nicht aus. Dieser Patient muss am offenen Herzen operiert werden. Ausgang ungewiss.
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    1. Antwort von Rolf Bolliger  (jolanda)
      Halt nochmals: Sobald kein SVP-Bundesrat (der nach deren Kritiker sowieso alles falsch macht oder nichts kann!) etwas beschliesst oder wählt, sind Sie, Herr Planta mit anderen Kommentatoren einverstanden! Nun, Thomas Süssli muss sich jetzt einmal bewähren. Noch jeder Armee-Chef stand und steht unter Dauerkontrolle der GSOA, den links/grünen Parteien und den "Sozialromantiker", die statt eine effiziente Armee das Geld für die Verteidigung und Sicherheit lieber der Sozial-Industrie geben möchten!
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